Orangenplantage mit Herz

Giuseppe Triolos Orangen

Von Heidrun Bomke. Letzte Woche war ich zu Gast bei der Orangenplantage von Giuseppe Triolo: „Noch nie haben wir solche Orangen gegessen! Schon der Geruch alleine!“ Giuseppe zeigte mir gemeinsam mit seinem Schwager Biagio einen Teil seiner Plantage mit Orangen, Zitronen, Pampelmusen, Clementinen. Erzählte über die Geschichte dieser Unternehmung. Vor elf Jahren begann er. Er verkaufte im ersten Jahr ganze 10 Kassetten! Heute sind es Gott sei Dank mehr.

Dank seiner Leidenschaft, seiner Liebe zu dem, was er tut. Das strahlen beide Männer aus und zeigen es auch: Liebe, Bodenständigkeit, Tun aus dem Herzen. Hier wird zu Hand gearbeitet. Nichts wird industriell gedüngt. Es gibt ein Bewässerungssystem, so dass jede Pflanze versorgt wird. Giuseppe zeigt, wie Orangen sich verändern, wenn man sie reibt. Sie glänzen mehr, wenn sie keine „Giftschutzschicht“ bekommen. Dann sterben sie im Innern ab.

Wir sprechen lange. Auch über die Globalisierung, den europäischen Markt mit seinen nicht begreifbaren paradoxen Mechanismen. Orangen aus Marocco kosten 30 Cent das Kilo. Das kann keine Kosten decken. Das wirkliche Geschäft liegt „dahinter“: Drogen …

Kleine und sauber wirtschaftende Unternehmen haben keine Chance, wirklich Gewinne zu machen oder in den italienischen Markt einzutreten. Sie arbeiten nicht industriell. Giuseppe und Biagio ernten. Ich sehe es ihren Händen an, wie gerne sie das tun. Sie zeigen den Nabel der Orangen bei den „Washington“ und auch bei denen, wo der Nabel innen liegt. An manchen Bäumen hängen die kurz vor dem Aufplatzen stehenden Blüten neben den letzten reifen Orangen. Alles ist einen Monat später.

Giuseppe Triolo

„Komme nach dem 15. April, dann hältst du es nicht aus vor Duft!“
„La Zagara“ – die Orangenblüte!
Dann braucht es sieben Monate bis zur ersten Reife. Vier Monate wird dann ungefähr geerntet. Zitronen reifen das ganze Jahr.

Giuseppe schenkt mir und meinen Begleiterinne eine Kiste mit Orangen und Zitronen. Ich sage mit einem Lächeln: „So wirst du nicht reich.“
Und er sagt: „Importante è la ricchezza del cuore. Wichtig ist der Reichtum des Herzens.“
Ja.

Wir sprechen auch über die gewaltige Veränderung unseres Lebens in den letzten Jahrzehnten. Die Entfremdung von der Natur. Von der menschlichen persönlichen Kommunikation. Biagio erzählt, dass er nur an wenigen Tagen in seinem 75-jährigen Leben den Sonnenaufgang nicht gesehen hat. Da war er irgendwo unterwegs in der Stadt. „L’alba è per me importante – sempre inizia così la giornata! – Der Sonnenaufgang ist für mich wichtig – immer beginnt für mich so der Tag!“

Heidrun im Land der Zitronen

Heidrun im Land der Zitronen

Ich sehe es in seinen leuchtenden Augen. Ich verstehe ihn sehr. Gerne möchte auch ich so altern.
Er beugt sich vor und berührt mit seinen Fingern die Erde, die er liebt. Zeigt uns, dass er durch die tägliche Bewegung, durch seine Arbeit,
sich ganz gelenk nach vorne beugen kann. Quicklebendig dieser Mann! …

Hier geht es zur Website www.arancepoggiodianaribera.it

Zur Person: Heidrun Adriana Bomke, Contrada Monte Arso am Ätna Süd, Sicilia
Literarisches Leben unterwegs, www.heidrunbomke.de/news, [email protected]
0049-176/38091094; 0039-3382578603

Die Autorin lebt im Wendland und am Ätna. Dort bietet sie Spirituelle Spaziergänge auf alter Kulturerde an. Da, wo keine Touristen sind: Zwischen Ätna und Meer – Geh mit mir! Und man kann poetisch mit ihr nach Sizilien reisen: Zwischen Ätna und Meer – Flieg mit mir!, um die Poesie dieser Insel und des eigenen Weges zu er-leben. Sehr besonders, inspirierend und nur in kleinen Gruppen.

Ausstellung: 17. Mai bis 21. Juni 2015 im VERDO Hitzacker: WO DAS LICHT WOHNT – MEIN SIZILIEN – Fotografien und Poesien
Poesien in dem zweisprachigen Gedichtband
Wo das Licht wohnt / Dove abita la luce

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