Radeln ohne Alter

Calle als Radler ohne Alter

Calle als Radler ohne Alter

„Radeln ohne Alter“ ist eine in Dänemark von Ole Kassow gegründete, weltweit wachsende Initiative. Dort ist sie inzwischen fester Bestandteil von Altersheimen in über 100 Gemeinden! Von Schülern bis zu rüstigen Rentnern, alle fahren hier mit.

Und so begann es  : Eine verrückte Idee
Im August 2013 hatte Ole schließlich eine Idee. Er mietete eine Fahrradrikscha und fuhr wild entschlossen zum Altersheim. An der Tür befielen ihn Zweifel. Das ganze war zu verrückt, zu gefährlich! Lächerlich! Wahrscheinlich würde er gleich aus dem Altersheim rausgeschmissen! Aber nun war er schon mal da. Er betrat das Foyer. Eine freundliche Pflegerin kam auf ihn zu. Er erklärte, er sei ein Nachbar und wolle mit seiner Rikscha zwei Bewohnern eine Stadtrundfahrt anbieten. Die Pflegerein zögerte nicht: „Das klingt nach einer guten Idee. Lassen Sie mich das mal kurz abklären.“ Sie verschwand und tauchte zwei Minuten später mit einer älteren Dame an der Hand wieder auf. „Gertrud und ich würden liebend gerne eine Ausfahrt mit der Rikscha in die Stadt machen.“

Die Beiden kletterten auf die Vordersitze und Ole fragte Gertrud, wo sie hinwolle. Die antwortete prompt: „Nach Langelinie!“ Langelinie, das ist die alte Hafen-Promenade. Hier tummelten sich früher alle Kopenhagener mit ihren Fahrrädern, besonders Sonntags, man aß Eis oder schlenderte über die Uferpromenade. Im Hafen kam Gertrud ins Schwärmen. Sie sog begeistert die teergeschwängerte Luft ein, lauschte den Schreien der Möwen und meinte, die Dynamik der Menschenmasse von damals wieder spüren zu können. Sie erzählte Ole, wie sie nach dem Krieg für viele Jahre in Grönland gelebt und ihre Kinder immer zu diesem Hafen gebracht hatte, weil hier die Schiffe nach Grönland andockten.
Nach einer bewegten Stunde mit den zwei Damen fühlte sich Ole der eben noch unbekannten Gertrud erstaunlich verbunden. Es war für ihn, als sei er mit ihr auf einer Zeitreise gewesen.

Foto: Radeln ohne Alter

Foto: Radeln ohne Alter

Die Folge
Am nächsten Tag bekam Ole einen Anruf der Geschäftsführerin des Altersheims. Sie wollte wissen, was Ole mit Gertrud gemacht habe. Plötzlich wollten alle Heimbewohner auch so einen Ausflug machen! Die Erfahrung musste Gertrud emotional zutiefst berührt haben. Ole fing an, in seiner Freizeit regelmäßig Mietrikscha-Ausflüge mit alten Herrschaften zu machen. Dies gab IHNEN eine völlig neue Mobilität und OLE eine wunderbare neue Perspektive auf die Stadt. Er kam sich vor wie ein Entdeckungsreisender.

Auch Thorkild, den 96igjährigen Ideenauslöser, nahm Ole eines Tages mit auf einen Ausflug. Beim Durchqueren eines Parks rief Thorkild plötzlich «Hier habe ich mal gewohnt!» und zeigte auf die alten Militärhäuser des Rosenborg Schlosses. So erfuhr Ole, dass Thorkild 1938 – vor 76 Jahren – für 18 Monate als königlicher Wachmann gedient hatte. Thorkild erzählte auch, dass er 25 Jahre lang ein Dessous-Geschäft im Herzen von Kopenhagen geführt hatte. Er erklärte Ole fachkundig, wie man die Körbchengröße einer Frau einschätzen kann. Es gab viel zu lernen für Ole!
Die Stadt Kopenhagen

Ole fand, mehr Menschen sollten solche Abenteuer erleben können. Deshalb schrieb er der Stadt Kopenhagen einen Brief. Ob sie bereit wäre, dem Altersheim eine solche Rikscha zu sponsern? (Die dänischen Altersheime sind alle in öffentlicher Hand). Zu seiner Überraschung rief ihn bald darauf eine städtische Mitarbeiterin namens Dorthe zurück. Sie war begeistert. Sie suche genau solch eine Art von aktiver Mitbürgerschaft. Ob er auch fünf statt nur einer Rikscha gebrauchen könne?

Ole ließ sich das nicht zweimal sagen. Mit Dorthe organisierte er eine regelrechte Parade: mit fünf Rikschas, fünf freiwilligen Fahrern, 10 Passagieren, zahllosen Freunden, Nachbarn, Stadtbewohnern, und etlichen Fahrradfahrern zog man durch die Stadt. Zwei Fernsehsender und verschiedene nationale Zeitungen berichteten. Danach meldeten sich 30 Freiwillige bei Ole. Alle wollten gerne alte Herrschaften ausfahren. “Radeln ohne Alter” war geboren.

radelnohnealterUnglaubliche Wirkung
Die Rückmeldungen aus den Altersheimen war großartig: Einige Bewohner haben wieder begonnen zu sprechen, manche, die an Demenz leiden, verloren ihre Aggressionen und kehrten nach dem Fahrradausflug gut gelaunt ins Altersheim zurück. Blinde erklärten den Freiwilligen, dass es beim Fahrradfahren um die Nutzung aller Sinne ginge: die Blumen riechen, das Gezwitscher der Vögel hören und den Wind in den Haaren spüren. Recht haben sie! Deshalb kämpfen wir für das Recht auf Wind in den Haaren, auch im hohen Alter. Text von der Website Radeln ohne Alter.

Radeln im Alter in Berlin
Der Dokumentarfilmemacher Calle Overweg ist bei der Recherche zu einem Film über Radfahren ist er auf Cykling uden Alder gestoßen und hat das Konzept nach Berlin gebracht. Er sucht er Helfer, Spender und Sponsoren: „Ob Angehörige, Freunde, Nachbarn oder einfach Freiwillige. Von jung bis alt. Alle sind herzlich dazu eingeladen, ein Lächeln auf die Gesichter älterer Mitmenschen zu zaubern.
Bereichere das Leben anderer und damit auch Deins. Werde Rikscha Pilot. Oder sogar Kapitän.
Wir freuen uns auf Dich! Hier alle Infos

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