Eine Kette von Liebe

 Rainer Sturm / pixelio.de

Rainer Sturm / pixelio.de

Von newslichter-Leserin Anke erlebt und aufgeschrieben. Eben stand ich am Bahnsteig und die verlässliche Verspätung meines 10.04 Uhr Zuges hat mir zu einem Spaziergang am Bahnhof Gelassenheit geschenkt und dieses Loch in der Zeitplanung der Menschen bewirkte dann folgendes:
Ein junger Mann im Rollstuhl sprach eine wartende Reisende an und erzählte ihr seine Geschichte. In langsam verwaschener Sprache. „Mmmm ooond daaahann moosste eeech
eeeehehen dasch bbbblö -ö-ö-de Wwwoohnheimm.“ Jedenfalls eine Herausforderung ihm gelassen zuzuhören..aber die Bahn hatte uns ja Zeit geschenkt.

Er berichtete von seinem Unfall von seinem Unglücklichsein in seinem Wohnheim, dass er keine Hoffnung mehr habe, da jemals wieder raus zu kommen. Die Frau im schicken Mantel hörte geduldig und aufmerksam zu, ließ ihn ausreden und ermutigte ihn dann Hoffnung zu haben: „Es ist niemals zu spät“. „Dddoooch.“

Er fragte, ob das ihr Mmmmann sei, der würde so lächeln. Der Mann antwortete: „Mit dieser Frau an meiner Seite kann ich nicht anders als lächeln.“ Der junge Mann im Rollstuhl griff die Frau am Arm und meinte, das könne er verstehen. Mit so einem Engel an seiner Seite würde er wohl auch nur noch lächeln. Und sie sei eine ganz liebe Frau.

Daraufhin öffnete sie mitten auf dem Bahnsteig ihren rosa Koffer und holte eine Kette mit einem Bergkristallanhänger raus und hängte sie ihm um den Hals. Ihr Vater bekäme jetzt eben nur den Schal. Der junge Mann nahm sie wieder am Arm und war sichtlich beschenkt.

Das hatte eine andere Wartende mit angesehen und fragte die Frau, ob sie wohl die newslichter kennen würde, sie hätte diese Begegnung gerne gefilmt und an die newslichter gesendet, zu weiteren Verbreitung guter Nachrichten. Sie kannte sie leider nicht war aber ganz berührt von dieser Achtsamkeit.

Aber das schien die Verzweiflung von dem jungen Kerl irgendwie noch zu verstärken. Für ihn würde sich nichts mehr ändern. Sie sprach wieder davon, dass es niemals zu spät sei. Den Mann neben ihr habe sie nach 30 Jahren wieder gefunden. Sie haben sich früh getrennt, haben einen gemeinsamen Sohn gemeinsam und haben sie sich nun neu entdeckt. Und sie sprach ihm wieder Mut zu.

Das schien die andere Wartende so zu berühren, dass sie aufstand und zu der Frau sagte, dass sie ihr am liebsten etwas zurückschenken würde, jetzt aber nichts anderes dabei hätte als ihre Stimme. Und das, was hier gerade passiert sei so berührende Liebe, dass sie ihnen eine kurze Zeile aus einem Lied singen würde.
Obwohl die Ansage von der Einfahrt des Zuges kam, sang sie und ihre Stimme wurde über alle anderen Geräusche hinweggetragen.

Die Frau im Mantel war völlig berührt den Tränen nahe: „Danke du Engel“. „Ebenso, von Engel zu Engel“. Der junge Kerl nahm sie am Arm, sie hielt seinen Arm und streichelte seine Hand.
„Sie müssen ins Fernsehen zu Voice of Germany, sie muss doch jemand hören!“
„Aber es hört mich doch jemand, ihr, und ihr seid mir nah.“

Der Zug fuhr ein und alle gingen auf ihre Reise.

Und ich sitze nun hier im Zug und meine Beine zittern noch etwas, mir is ganz warm geworden. Sich zu trauen das Beste zu verschenken, dass wir gerade bei uns haben, die Liebe…wie auch immer wir sie transportieren, braucht Mut, etwas anders zu machen als „man“ das sonst macht. Und wenn man es dann tut, setzt es eine Kette von Liebe in Bewegung.

Und mir fällt ein Aussage von Val aus Neuseeland ein: „Die vermeintlich Bedürftigen bringen manchmal das Beste von uns zum Vorschein.“

Sharing is Caring 🧡
Posted in Herzlichter Verwendete Schlagwörter: , ,
7 Kommentare zu “Eine Kette von Liebe
  1. Heike sagt:

    Das ist so schööön, danke für diese Geschichte, sie rührt mich zu Tränen.
    Für mich gehört sie in die Kategorie Wunder…und davon können wir nicht genug bekommen!!!

    DANKE!!

  2. Anne P.-D. sagt:

    Eine Kette von Liebe:

    Was für eine wärmende Geschichte. Sie geht mir gerade sehr nahe, und es ist so sehr spürbar, trotz der Kälte und Gewalt in der Welt sind sie da,… die Engel! Auch ich spüre sie täglich, oder manchmal darf auch ich spontan einer für jemanden sein, und die Kette der Liebe setzt sich in Bewegung, was gibt es Schöneres?
    Danke, liebe Anke, für diese bewegende Geschichte, die du so für dich erleben durftest!
    Und dass du sie hier erzählst! Auch ich sitze im Rollstuhl, ohne meine Engel wäre ich um das Wertvollste in meinem Leben ärmer! Was wäre ein Leben ohne Liebe!?

  3. Stefani Paschke sagt:

    Danke für diese Herz erwärmende Geschichte. In dieser Flut von Gewalt und Hass, Angst- und Panikmache eine wahre Wohltat. Liebe brauchen wir nicht Angst! Das ist der Weg…

  4. Ulla sagt:

    Wunderwunderschön!! Da steigen mir vor lauter Rührung die Tränen in die Augen. Und es zeigt, dass es doch immer wieder menschliche Engel auf Erden gibt, auch wenn man ihnen vielleicht nicht oft begegnet.
    Wobei, im Grunde doch täglich: nämlich wenn man jeden Morgen in sein eigenes Spiegelbild schaut! 😉
    Vielen Dank für diese wundervolle Geschichte und vielen Dank allen darin beteiligten Personen. 😉
    Liebe Grüße,
    Ulla

  5. Georgia Fritz sagt:

    Liebe Bettina,
    liebe Geschichtenerzaehlerin,

    seit ich die Newslichter lese, habe ich immer eine Packung Tempos neben meinem Laptop liegen – weil viele der Guten Nachrichten mich spontan zu Traenen der Ruehrung verleiten….

    Dies ist wieder so ein Newslicht – danke fuer meine heutige Portion Glueckstraenen!

  6. AnnaMaria Ott sagt:

    Herzlichen Dank liebe Anke, dass du diese wunderbare Begegnung für uns aufgeschrieben hast – sie hat mein Herz tief berührt – ich freue mich so, dass ich diese Geschichte lesen durfte, es ist soviel Liebe drin. Ich selbst bin schon so vielen liebevollen herzlichen Menschen auf unverhoffte Weise begegnet – ich spüre dann wie sich Licht in meinem Herzen entzündet…das Licht der Freude der Begegnung von Herz zu Herz ! Herzlich AnnaMaria

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Dein Kommentar wird nach der Prüfung freigeschaltet. Bitte beachte, Einschätzungen und Meinungen in Ich-Form zu formulieren und die AutorInnen zu wertschätzen. Nicht identifizierbare Namen (Nicknames), Kommentare ohne erkennbaren Bezug auf den Inhalt des Artikels und Links zu nicht eindeutig verifizierbaren Seiten bzw. zur Eigenwerbung werden grundsätzlich nicht freigeschaltet.