Drama, Drama

Lesezeit 3 Minuten –


Von Sabrina Gundert. Wie sehr hatte ich doch immer geglaubt, ganz jetzt zu sein. Richtig gut darin, ganz im Moment zu sein. Das bin ich auch immer wieder, keine Frage. Sei es an Seminartagen oder in Coachingsitzungen, beim Fotografieren zwischen Gerstenfeldern, Kornblumen und Feldwegen, beim Mantrasingen oder auch so, am Mittagstisch, morgens vor dem Aufstehen, im Gespräch mit einer Freundin. Das ist die eine Sabrina. Die Zen-Sabrina. Zentriert. Geerdet. Verbunden. Ganz da. Und dann, ja, dann ist da auch noch die Drama-Sabrina. Sie, die die großen Bühnen liebt. Die verworrenen Stücke, die komplizierten Begegnungen. Je intensiver, desto besser. Intensiv und zugleich doch nicht wirklich nahbar.

Je mehr ich mir dieser Dramen und Muster bewusst werde, in denen ich mich so lange bewegt habe und es heute noch immer mal wieder tue, desto schwerer fällt es mir, sie aufrechtzuerhalten.

Weil etwas in mir weiß, dass sie eigentlich nicht wirklich zu mir gehören. Dass sie erlernt sind, ihre Funktion hatten, vielleicht manchmal heute noch haben. Dieser eine Teil hat genug von ihnen.

Weil sie mich kleinhalten. Mich von meiner Größe abhalten. In die ich nur kommen kann, wenn ich das Alte gehenlasse.

Keine Frage, die Dramen erfüllen oft einen Zweck. Helfen mir, unbewusst Verbindungen zu Menschen, alten Strukturen und Umständen aufrechtzuerhalten. Lassen mich mich sicher fühlen, im gewohnten Terrain. Und doch. Im Drama komme ich nur selten in meine Größe. Ja, schon, ich fühle mich groß, während ich inszeniere, Dramen inszeniere. Und doch – dahinter wartet meist vor allem die kleine Sabrina. Die, die gesehen werden will. Und die keinen anderen Weg dahin weiß, als jenes Drama.

Keinen Weg dahin wissen – das stimmt vielleicht nicht ganz. Vielmehr kommt es mir oft wie ein Vergessen vor. Ein Vergessen, dass es auch anders geht. Dass ich die Wahl habe, wie (und was) ich denke, rede, handle. Dass es sehr wohl neben der vierspurigen (Drama-)Autobahn, deren Streckenlauf, Abzweigungen und Kurven ich nur allzu gut kenne, schon diesen neuen kleinen Trampelpfad gibt. Und dass es Zeit braucht, ein Dranbleiben, ein Wiederholen, ganz banal und doch so essenziell, damit jener Trampelpfad breiter und tiefer wird.

Der Trampelpfad des neu Denkens, Sprechens, Handelns. Wie ungewohnt sich das oft noch anfühlt. Und sich der alte und der neue Wege, die alten Muster und das neue Sein, immer wieder ineinander zu verhaken scheinen. Gegeneinanderlaufen.

Zugleich spüre ich die Kraft, wenn es mir wieder gelingt, auf dem neuen Trampelpfad zu bleiben. Und ich dabei entdecke, was da noch alles zu mir gehört – an Kraftvollem, Großem, Schönem.

Manchmal, da vergesse ich vor lauter Staunen gar ein Drama zu machen. Und stelle fest, dass sich das richtig gut anfühlt.

Das hilft mir auch, mich daran zu erinnern, kein Drama daraus zu machen, wenn ich gerade dabei bin, doch mal wieder ein Drama zu machen. Denn dann bin ich schon wieder mitten drauf, auf der gewohnten Autobahn.

So mag ich mich erinnern: an den Trampelpfad. Daran, auch mal über mich zu lachen. Mir selbst auf die Schulter zu klopfen. Mich in den Arm zu nehmen. Eistee mit mir zu trinken. Die Füße hochzulegen. Mich zu erinnern, dass das alles gar nicht so schlimm ist. Und gleich nochmal den Trampelpfad entlanglaufen. Gefallen daran finden. Und Freude.

Sabrina Gundert begleitet Frauen mit ihren Coachings, Seminaren und Büchern dabei, ihr Leben bewusst zu gestalten, zurückzufinden in ihre Kraft und ein Leben zu leben, das sie tief erfüllt. Am 08./09. Oktober 2016 findet ihr Wochenendseminar „Geh, wohin dein Herz dich trägt“ in Konstanz am Bodensee statt. www.handgeschrieben.de

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Gastbeitrag
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10 Kommentare

  1. Liebe Sabrina,
    ja das mit dem Drama ist immer so eine Sache.
    Ich kenne das nur zu gut… Aber dann ist es
    um so befreiender aufzustehen, zur Seite zu treten und
    das ganze mit neuen Augen zu betrachten.
    Danke dir für diesen inspirierenden Artikel!!!!!!!!
    Liebe Grüße
    von Herzen
    Dagmar

  2. liebe sabrina!
    immer wieder verzaubern mich deine texte,sie klingen in mir wieder,als wären es worte von mir.gut,das du sie mit uns teilst und das wir viele sind und dadurch die trampelpfade breite wege werden,auf denen wir gemeinsam schreiten.
    danke,danke,danke!
    herzgruss sylvia aus erfurt

    • Liebe Sylvia,

      danke dir für deine Worte und Rückmeldung und für die Erinnerung, dass wir gemeinsam (und jede für sich, durchs wiederholte Gehen) aus den Trampelpfaden breite Wege werden lassen können!

      Herzlich und schön, dass dich die Texte so begleiten,
      Sabrina

  3. Ja, liebe Sabrina, … diese ‚gefühlt wasch-echten‘ und inszenierten Ego-Dramen wurzeln teilweise immer noch tief. Das hast du hier wundervoll auf den Punkt gebracht. Danke!

    Von Herz zu Herz
    Meike

  4. Liebe Sabrina,

    ich bin durch „Zufall“ auf deinen so offenherzigen Beitrag gestoßen.
    Nun, 64 Jahre alt, und seit mehr als 55 Jahre von chronischen Krankheiten (u.a. mehrere Autoimmunerkrankungen)
    täglich geplagt – jetzt sage ich begleitet.
    Vor wenigen Wochen kam wieder ein Leid dazu, ich hatte es so satt!!!!
    Und fragte ganz einfach in mich hinein: Warum immer wieder leiden?
    War es die innere Stimme, ein geistiger Helfer? – der die Antwort glasklar aufsteigen ließ: Das EGO liebt das DRAMA! Uff!
    Aber ich wusste, so ist es. Von nun an bin ich wachsamer, auch am üben.
    So bin ich wieder mit ein paar lieben Menschen mehr verbunden, auf dem Weg zu einem
    freieren, besseren Bewusstsein.
    Von ganzem Herzen grüße ich die, die es lesen und tun.

    Angelika

  5. für Sabrina persönlich…

    Guten Abend liebe Sabrina und Danke für die schnelle Änderung im Namensfeld.
    Ich hatte heute mehrmals ein „mulmiges“ Gefühl im Bauch, weil ich SOFORT um die Änderung gebeten hatte. War da nicht schon wieder ein Stück Druck, DRAMA machen dabei? Ja. Mir fiel jetzt ein, das ich doch auch hätte schreiben können: „bitte ändere es, sobald als möglich“. Klingt gleich ganz anders.
    Also, falls meine Notiz von heute früh Dir auch nicht gefiel, ich hoffe, ich habe es jetzt gut machen können.

    Und nun aber: einen wunderschönen Abend noch, eine gute Nacht wünscht

    Angelika, auf dem Weg.

  6. Hallo,

    „Weil sie mich kleinhalten. Mich von meiner Größe abhalten. In die ich nur kommen kann, wenn ich das Alte gehenlasse.“
    Die negative Dramen sind so leicht abzulehnen, was ist mit den positiven?
    Geht es wirklich um Grösse?
    Villeicht gibt es ja auch eine Grösse im Kleinen.
    ????
    Gruß
    Bodhen

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