Mehr Freiheit im Garten und im Leben!

Von Vera Bartholomay. In meinem Wohnviertel beobachte ich seit langem eine seltsame Entwicklung. Die teilweise sehr bunten und lebendigen Vorgärten vor den kleinen Reihenhäuschen werden ausgegraben, entfernt und ersetzt durch eine Steinwüste.

Mal einfach Beton, bei den Designbewussteren durch Dekorsteine und eine einzelne verlorene Pflanze oder ein Bäumchen. Ich kenne die meisten Besitzer. Sie sind jung und stark genug, einen kleinen Vorgarten pflegen zu können. Was ist also los?

Ein Garten bringt Unordnung. Die Pflanzen blühen nicht immer so wie geplant. Sie erreichen nicht die vorgesehene Größe. Mal werden sie nichts, mal wuchern sie und erschlagen die anderen. Sie brauchen Wasser und gelegentlich einen Schnitt. Die Schnecken kommen, das Unkraut breitet sich aus. Selten wird ein Garten so, wie wir es geplant hatten oder wie unsere Vorstellung war. Ein Garten ist eigensinnig und nur einige Faktoren lassen sich beeinflussen.

Warum ist aber das Unberechenbare, das gelegentliche Chaos, die Interaktion mit einer Natur zu einer Belastung geworden?

Wenn ich es auf unser Leben übertrage:

Wo ertrage ich nicht, dass etwas entsteht, was ich nicht so geplant hatte? In meinem Garten kommen ständig Pflanzen zum Vorschein, die ich niemals gepflanzt habe, die ich teilweise gar nicht kenne. Was ich immer wieder spannend finde, es sind lauter Geschenke vom meinem Garten an mich. So wie mein Leben auch immer Überraschungsgeschenke an mich hat (die nicht immer so ganz meinen Geschmack treffen…).

Was mache ich, wenn das, was ich ins Leben „gepflanzt“ habe, auf einmal viel zu viel Raum einnimmt, vielleicht andere Bereiche meines Lebens einschränkt?

Schaffe ich es, hier und dort etwas zu stutzen, eine sinnvolle Struktur hineinzubringen, ohne die Lebendigkeit zu töten?

Wo sollte ich mich vielleicht sogar darin üben, etwas Chaos zu ertragen?

Was nehme ich mir weg, wenn ich versuche, das Leben „im Griff“ zu haben?

Bin ich bereit, mit anderen Kräften in meinem Leben – mit anderen Menschen, mit der Natur, mit dem Schicksal – ins Gespräch zu gehen, um gemeinsam eine für alle gut lebbare Lösung zu finden?

Vera Bartholomay

Zur Person: Vera Bartholomay ist Therapeutin und Lehrerin für Therapeutic Touch. Ihre Praxis befindet sich in Saarbrücken und sie unterrichtet TT seit vielen Jahren in Deutschland, Norwegen und in der Schweiz. Website hier

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5 Kommentare zu “Mehr Freiheit im Garten und im Leben!
  1. Mit Entsetzen beobachte ich diese Entwicklung ebenfalls hier in meinem Umfeld und auch in den Nachbargemeinden. Rasant schnell entstehen immer mehr dieser Steinwüsten. Ach grüne Hecken werden durch Steine ersetzt. Aber nicht etwa durch Naturmauern, nein durch Steine in Gitterkörben. Zeitmangel! Das soll wohl der Auslöser dieser Welle sein! Für welchen Preis? Leben in der Steinwüste? Gefällt das wirklich, tut das der Seele gut? Ich appelliere an den Gartenbau und alle die, die beratend im Gartensegment unterwegs sind. Lasst das nicht zu.

  2. Ich schließe mich an, denn diese Entwicklung beobachte ich ebenfalls. Wenn ich mit dem Bus fahre, komme ich durch eine Strasse, die man die „Graue Strasse“ oder einfach „Grauen“ nennen könnte. Neu gebaute Häuser, grau gestrichen, betoniert und „verschönt“ mit Gabionen und einer Alibipflanze. Sieht entsetzlich aus. Andere Strassen ziehen nach, Unkraut oder gar Wildwuchs ist erklärter Feind. Zeitmangel als Ursache kann ich mir nicht vorstellen. Es ist einfach der Zeitgeschmack. Von dem auf innerliche Befindlichkeiten zu schließen verkneife ich mir 🙂 Ich bin auf jeden Fall für Grüntöne.

  3. Gerade vorhin sprachen wir darüber, wie schön das wäre wenn wenigstens die privaten Gärten naturnah wären! Da wäre schon viel gewonnen für die lieben Kleinen – Insekten, Schmetterlinge u.a.. Wir bemühen uns nach Kräften, auf unseren 200 m2 eine kleine Insel zu schaffen bzw. die Natur schaffen zu lassen. Und es wirkt: Bienen, Hummeln, jede Menge verschiedene Fliegenarten, Schmetterlinge (wenn auch wegen des kühlen Sommers eher wenige), jede Menge Vögel, Igel – alles da! Es ist eine Freude!

    • Drs. Wim Lauwers. sagt:

      Richtig, Ulrike. Machen Wir auch. Wir leben in 1 NeuBau. Auch der Garten ist neu. Haben WIR selbst gestalten. In November eingezogen, kommt immer mehr Leben: Hummeln, Grillen sogar. Bohnen, Erbsen, ErdBeeren haben WIR schon genossen. Gar Äpfel reifen heran an 2 Unserer mitgebrachten Bäumchen. Und, viel EM-chen wurden/werden hinzu gegeben. <3 <3 :O))

  4. Drs. Wim Lauwers. sagt:

    Und, liebe Anne und Christine schließt Euch UNS und dem Bericht oben: „Jammern verboten“! Danke. <3 <3 :O))

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