Führung, wie ich sie sehe

Führung, wie ich sie sehe

Foto: Marissa Barrett / unsplash

Von Claudia Shkatov. Das Wesen von Führung ist Ebenbürtigkeit und (De)mut.Wenn ich ein anderes Lebewesen (oder mich selbst) führen will, dann ist die Voraussetzung, dass ich jede Idee von Überlegenheit und Unterlegenheit fallen lasse. Ich muss jedes Werturteil basierend auf Geschlecht, Erfahrung, Wissen, Religion, Ausbildung, Status, Einkommen oder Alter aufgeben.

Kurzum, ich muss mich auf Augenhöhe begeben mit dem Lebewesen, das ich führen will.

Alles andere nenne ich ‚Dressur’. Das Ziel der Dressur ist Funktion. Ich will, dass ein anderes Lebewesen so funktioniert, wie ich es will und wann ich es will. Die Mittel sind Vergleich, Belohnung und Bestrafung. Das Ergebnis ist – trotz der Aneignung gewisser Fähigkeiten bis hin zu hoher Professionalität – innere und äußere Abhängigkeit, Unfreiheit, fehlende Selbstverantwortung, Stagnation, Gehorsam.

Und wo Gehorsam ist, ist Ungehorsam nicht weit. Widerstand wiederum gebiert Kontrolle. Und damit erhält und verstärkt sich der Dressurkreislauf. Am Ende stehen Resignation oder Rebellion einschließlich aller Zwischentöne. Alle Beteiligten und mit ihnen der Raum, den sie sich teilen, verlieren an Kraft. Im Extremfall zerstören sie sich gegenseitig. Und dieser Kreislauf funktioniert innen (mit mir selbst) wie außen (mit anderen).

Dass man in so einem Teufelskreis steckt, merkt man leicht daran, dass es ‚tierisch’ anstrengend ist. Die Leichtigkeit fehlt. Der Schwung fehlt. Der Spaß an der Freude ist weg. Der Körper fühlt sich schwer und oft verspannt an.

Das Ziel von Führung ist jedoch Wachstum.

Es geht darum, dass ich an meiner Führungsaufgabe wachse. Es geht darum, andere durch meine Führung, mein Vorangehen, zu Wachstum zu inspirieren. Und schließlich kann sich so der Raum (die Organisation, die Familie, die Beziehung, das Projekt, das Unternehmen,…), in dem wir uns gemeinsam bewegen, ebenfalls ausdehnen.
Das Ergebnis eines solchen Wachstums ist natürlicherweise Luft zum Atmen, Freiheit, Sicherheit, Kreativität, die Entfaltung des Potenzials, das alle beteiligten Lebewesen in sich selbst tragen. In der Folge darf sich auch das Potenzial entfalten, das alle gemeinsam mit einander innehaben.

Führen heißt, demütig sein

Es braucht Bewusstsein und Dankbarkeit dafür, welch immenses Vertrauen mir von einem Lebewesen, das sich meiner Führung anvertraut, entgegengebracht wird. Ihm begegne ich mit Demut und Achtung.

Und es braucht wahrhaft Mut, diesem Vertrauen gerecht zu werden. Das werde ich, indem ich mich vollständig mit meinem Wesen zeige und vorangehe, so dass andere sicher folgen und sich in ihrem ganzen Wesen zeigen können. Dann entsteht Wachstum.

Dies ist ein großartiger Tanz und fruchtbarer Kreislauf. Hier muss niemand einen anderen bewegen, ziehen, pushen oder ‚motivieren’. Die Bewegung entsteht organisch aus jedem Einzelnen heraus und inspiriert so den gemeinsamen Tanz, den gemeinsamen Kreislauf. Und schließlich werden Führen und Folgen eins.

Und so heißt Führung letztlich Verantwortung übernehmen für mich selbst. Denn in allererster Linie führe ich mich. Erst dann kann ich vorangehen, so dass andere mir vertrauen und auf einem sicheren Weg folgen können.

Mich selbst führen verlangt von mir, ein Meister/eine Meisterin meiner Gedanken und Gefühle zu werden

Nur wenn ich mich selbst sicher führe, kann ich andere kraftvoll führen und ihnen als Führungskraft im Sinne des Wortes dienen.

Erst dann verdiene ich es auch Führungskraft genannt zu werden. Doch ein solcher Titel interessiert einen Menschen, der diese Kraft in sich gefunden hat, nicht mehr wirklich. Er/sie ist umgeben von führungskräftigen selbstbestimmten Lebewesen und ist es selbst. Eine Bestätigung von Außen wird überflüssig.

Ich träume von einer Zeit, in der diese Prinzipien der Führung in allen Unternehmen, Familien, in unseren Schulen und Regierungen und in jeder Art von Beziehung Einzug halten.

Und wir müssen nicht perfekt sein. Jeder ehrliche Schritt in diese Richtung ist wertvoll und verdient Anerkennung und Unterstützung.

Führung, wie ich sie sehe

Claudia Shkatov

Claudia Shkatov arbeitete über 20 Jahre in Management- und Führungsaufgaben im In- und Ausland bis sie in 2012 eine spontane innere Öffnungserfahrung machte in deren Folge sich Hellsichtigkeit, Hellfühligkeit und die Fähigkeit spontanen Wissens bei ihr einstellten. Claudia schloss an diesem Punkt ihr damaliges Beratungsunternehmen und widmet sich seitdem innerer Bewusstseinsarbeit als Herzenshörerin, Trainerin und Autorin.

In Einzelcoachings und Trainings unterstützt sie heute Menschen darin, MeisterInnen ihrer Gefühls- und Gedankenwelt zu werden, um Ausrichtung und Klarheit in Beziehungen und Beruf zu bringen und der Stimme ihres Herzens zu folgen.

Schwerpunkte ihrer Trainings sind innere Führung und emotionale Selbstverantwortung für wirksames Sein und Handeln. Sie richten sich insbesondere an Frauen und Führungskräfte.

Claudia lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Birkenwerder bei Berlin. Hier mehr.

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6 Kommentare zu “Führung, wie ich sie sehe
  1. Birgit Lentz (Piefke) sagt:

    Wow, danke Claudia, für diese weisen Worte. Ich träume mit dir, so sind wir schon zwei, von denen ich weiß, und sicher viele, von denen ich nicht weiß.
    Ganz viel Liebe an uns alle
    Piefke

  2. Peter sagt:

    Liebe Claudia,

    Wie können wir diesen Traum gemeinsam nähren? Ich spüre, dass dieser Traum danach ruft manifestiert zu werden. Vor ein paar Tagen bin ich auf den Dokumentarfilm „Das stille Leuchten“ aufmerksam geworden. Und beim Lesen deiner Zeilen hatte ich das Bild vor mir, dass es einen Dokumentarfilm geben könnte, der dieses Verständnis von Führung begreifbar macht. Ich selber fühle mich dazu berufen eine Führungswerkstatt zu entwickeln in der erfahrbar wird, wie Kunst (Musik, Theater, Tanz, Poesie, Heilkunst) uns dazu inspirieren und informieren kann, auf diese Art im Kollektiv zu führen. Ich denke beim Schreiben der Zeilen in Dankbarkeit und Demut an die Herzenhören Session mit Dir. Liebe Grüße aus Köln, Peter

  3. Ralf S. sagt:

    Liebe Claudia,
    dein Beitrag spricht mir aus dem Herzen: Demut, Einklang der Gedanken & Gefühle, Augenhöhe, zum Wachstum inspirieren. Ich biete auch seit 3 Jahren eine Veranstaltungsreihe an, wo Entscheidungsträger in Wirtschaft, Verwaltung, Bildung und Soziales wertvolle Impulse für eine neue Menschen-orientierte Führung bekommen. Aber irgendwie fühle ich mich -noch- als Exot in einer Welt die KPI-getrieben ist und wo der Mensch als Ressource gesehen wird. Deshalb freue ich mich immer wieder Beiträge Gleichgesinnter zu lesen. Ein herzliches Dankeschön dafür.
    In Verbundenheit, Ralf

  4. Patricia Hilali sagt:

    Wie wunderbar Du das geschrieben hast, liebe Claudia!

    Ich habe das schon vor 35 Jahre als Projektleiterin so gesehen und mich dann gewundert, warum die Kollegen mich irgendwie als Gefahr sahen, obwohl meine Art doch erfolgreich war. Heute verstehe ich das natürlich 😉

    Für mich war das vermutlich deshalb schon immer selbstverständlich, weil ich von Kindheit an sehr viel von Pferden gelernt habe. Auch im Reitunterricht wurde Dominanz gelehrt und ich fand das nie richtig, habe es als Gewalt empfunden und den Weg gesucht (und gefunden), die Pferde auf Augenhöhe „zum Tanz einzuladen“ – mit der Bitte, mir zu vertrauen, so dass ich die Führung übernehmen darf.

    Heute arbeite ich, unter Anderem mit pferde-gestütztem Coaching, selbständig als Coach und Consultant daran, diesem Traum zu realisieren, den ich mit Dir und einer glücklicherweise wachsenden Zahl Gleichgesinnter teile.

    Danke für Deinen wertvollen Beitrag!
    Von Herz zu Herz
    Patricia

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