Das Glück braucht keine Brille

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Von Beatrix Podewils Kennen auch Sie das Gefühl, die Welt wie durch eine Brille zu sehen? Eine Brille von Annahmen, durch die wir einordnen, kategorisieren und glauben dass etwas so ist, wie es sich darstellt.

Manchmal bemerken wir kaum noch, wie wenig das, was wir sehen mit dem Eigentlichen zu tun hat. Denn das, was wir beobachten ist nicht unbedingt dasselbe, wie das, was sich zeigt.

Wenn wir diese, unsere Brille erkennen, weitet sich der Blick. Und wenn wir anstatt dem Äußeren unserem inneren Sehen und Hören vertrauen, dann dürfen wir spüren, wie sehr wir mit allem verbunden sind.

So saß ich neulich in einem recht belebten Café und habe folgende Begebenheit erlebt: Ein Mann kam an meinen Tisch und fragte, ob noch ein Platz frei wäre, und er sich dazu setzen dürfe. Der Platz war frei, er setzte sich und bestellte einen Kaffee und einen Käsekuchen.

Wir kamen in ein angeregtes Gespräch zu dem derzeitigen Weltgeschehen.

Als seine Bestellung serviert worden war, duftete der Käsekuchen warm und frisch auf seinem Teller. Für einen Moment schloss mein Tischnachbar seine Augen. Allein der Duft und die dem Kuchenstück entsteigende Wärme schienen ein sinnliches Erleben in ihm zu erwecken. Es war, als ob er den Käsekuchen bereits in sich fühlte und die süß-säuerlich cremige Konsistenz schmeckte, bevor er den ersten Bissen gekostet hatte.

Nach einem kurzen Innehalten blickte der Mann erst seinen Kuchen und dann mich an. Dann meinte er, dass sein Käsekuchen wie das Leben sei. Er glaube die Liebe schmecken zu können, die in diesen Kuchen hineingebacken worden war. Ob ich wisse, was er meine? Es war deutlich, dass die Essenz des Kuchens gerade in ihm selbst stattfand. Es ging um nichts anderes, als die Liebe, aus der das Leben geschaffen ist, in diesem Fall in der Form eines Käsekuchens.

„Wissen Sie, es ist im Grunde gleichgültig was ich tue. Entscheidend ist doch, wie ich es tue. Denn im Kleinen ist das Große. Und das darf ich gerade schmecken.
Ich erlebe das auch in meiner Familie mit meinen sechs Kindern. Alle sind gesund. Auch in meiner Arbeit habe ich Glück. Ich bin im guten Einvernehmen mit meinem Chef und genieße das tägliche Miteinander mit meinen Kollegen. Es ist gut. Und dafür bin ich dankbar.“

Neben mir saß jemand, der das Edle und Große aus sich heraus sprechen ließ. Vielleicht wusste er es, vielleicht auch nicht. Es war unwichtig. Das Wahre ist einfach, und es weiß nicht um sich selbst. Es ist einfach nur das, was es ist.

Die Art und Weise mit welcher der Mann der Freude über sein Leben Ausdruck verlieh, erfüllte den Raum. Als ob er diesen mit seinem Licht erhellte. Es war seine Freude im Herzen, deren Schönheit ich erblicken durfte.

Und so sind es oft die stillen Augenblicke und die Vielzahl kleiner Begebenheiten, die in ihrer Buntheit unsere wahre Verbundenheit sichtbar und fühlbar machen.

Welch ein Geschenk, dass dieser Platz an meinem Tisch frei gewesen war und, dass ein Mann mir zeigte, dass sein Leben wie ein Käsekuchen ist.

Beatrix Podewils ist freie Autorin und ganzheitliche Fachberaterin für Gesundheit und Ernährung.

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2 Kommentare zu “Das Glück braucht keine Brille
  1. Avatar Björn S. sagt:

    Großartig! Ich konnte durch den Text ein Stück weit spüren, wie sich die Autorin im Café neben dem Mann vielleicht gefühlt hat. Diese vermeintlich kleinen Dinge sind – wie das Leben selbst – ein Wunder.

  2. Avatar Kapa sagt:

    Das ist so schön und rührt mich zu Freudentränen, genau so geht es mir oft und es tut gut zu lesen das ich nicht alleine bin 🙂 Dankeschön 💐

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