Von allem zu viel

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Sie sagten dir du seist zu viel. Von allem zu viel. Sie sagten du seist zu laut, dein Humor zu krass, deine Stimme zu leise, deine Energie zu wild, deine Gefühle zu intensiv, deine Berührung zu innig, dein Blick zu nah, deine Nähe zu viel, dein Körper zu kräftig, dein Verhalten zu unsicher, dein Wissen zu gering, dein Wesen zu empfindlich, dein Weg zu unentschlossen, deine Arbeit zu langsam, deine Angst zu groß, deine Trauer zu überzogen, deine Entscheidungen zu willkürlich, deine Bewegungen zu ungeschickt, deine Wünsche zu unrealistisch, deine Reaktionen zu unüberlegt, deine Haut zu dünn, dein Herz zu groß, deine Haltung zu krumm.

Du glaubtest was sie sagten.

Viele Jahre vergingen. Du bliebst von allem zuviel. Das glaubtest du.

Als alles zu viel wurde, gabst du auf. Du ergabst dich den Stimmen die nicht verstummten.

Aus deiner Tiefe drang ein Schrei der zu leise war für fremde Ohren. Dein Körper reagierte und schickte dir Botschaften.
Es verging Zeit bis du sie verstehen konntest.

Deine Ohren lauschten den Stimmen und du begannst zu erkunden woher sie kamen. Sie riefen dir jubelnd zu. Endlich wurden sie gehört. Endlich warst du dort, wo sie dich erreichen konnten.

Stille breitete sich in dir aus. Entspannung fand dein Herz.
Du erkanntest, dass diese Stimmen aus deinem Inneren kamen. Aus deinen tiefsten Tiefen. Sie hatten lange gewartet. Anfangs sprachen sie in der Sprache der Liebe zu dir. Als klar wurde, dass du sie überhörtest, wählten sie eine andere Sprache. Diese traf und tat weh. Bis du dich ihnen zuwandtest.
Da fanden sie Ruhe, legten sich müde nieder um sich auszuruhen. Friede breitete sich aus. Und Liebe.

Du erkanntest:
Ich bin stets genug.
Ich bin wichtig.
Ich bin geliebt.
Ich liebe.

© Alexandra Thoese
19.08.2020

 

Alexandra Thoese

Hier findest du Geschichten und erlebte Imaginationen, die Alexandra Thoese geschrieben hat: „Gefühle sind wichtige Begleiter in unserem Leben. Ich gebe ihnen gerne eine Gestalt und lade sie damit in mein Leben ein.“

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20 Kommentare zu “Von allem zu viel
  1. Avatar Marianne Nienhaus sagt:

    DANKE,liebe Alexandra…das sind Gedanken und Worte von einer wunderbaren Frau für VIELE wunderbare Frauenseelen.

    Marianne

  2. Liebe Alexandra!
    Meine innere Stimme fragt mich gerade liebevoll lächelnd: “Na, Imke, erinnerst du dich? So war das bei uns auch!”
    Und ich antworte ebenso liebevoll lächelnd: “Ja, ich erinnere mich – und das ist auch gut so, denn dann laufe ich nicht mehr Gefahr, den lauten Stimmen da draußen zu glauben!”

    Ich wünsche euch allen eine liebevoll lauschende Beziehung zu eurer inneren Stimme.

    Herzensgrüße
    Imke

  3. Avatar Monja sagt:

    Danke Alexandra, Marianne, Dörte., Imke!
    Verbundenheits-Grüße

  4. Avatar Marikuni sagt:

    So wunderschön, so wahr … mir laufen die Tränen übers Gesicht

  5. Avatar Almut Lichte sagt:

    ….. und dann geschehen Wunder! Es ist ein Wunder.
    Danke, Alexandra.

  6. Avatar Tanja sagt:

    Wunderschön 💕

  7. Avatar Heiko sagt:

    Es ist so berührend für mich geschrieben … So treffend beschrieben … voll ins Herz… Danke

  8. Avatar Anne P.-D sagt:

    Liebe Alexandra, was für tolle Gedanken. In manchen Zeilen erkenne ich mich wieder, es gab Zeiten, da erfuhr ich ähnliches auch für mich.
    Danke für den wundervollen Text.
    Lieben Gruß, Anne

    • Avatar Alexandra Thoese sagt:

      Liebe Anne, hab vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich freue mich immer wieder, dass dir meine Texte gefallen.
      Ganz liebe Grüße von Alexandra ❤

  9. Avatar Felix Lauwers sagt:

    Danke Alexandra. Stecke gerade in einer heftigen Beziehungs”krise”.Ich lasse mir aber nicht Alles sagen! Genau das. Ich kenne mich gut. Projektionen gehen an mir vorbei. Und doch, wenn die LIEBE nicht (mehr) spricht, wähle ich für mich. Ich bin oké und sie ist oké. Und, gleich wird sie sich wieder liebevoll bei mir entschuldigen. Aber zu viel= zu viel. Diesmal bleibe ich bei mir. In Liebe. Und im Wissen, dass der Weg weiter geht.

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