Weihnachten retten: Be-sinn-en

Foto: newslichter

Von Anne Thorand. Ich glaube, dass wir in dieser Weihnachtszeit dazu aufgerufen JETZT den SINN wieder zu finden. Nicht aus Gewohnheit handeln. Keine Muster ungefragt immer und immer wiederholen. Ankommen (das heißt „Advent“), still werden. Manchmal denke ich, dass dieses von oben verordnete Runterkommen nötig ist, damit es tatsächlich still wird.

Aber das juckt. Das ist anstrengend. Wir haben doch schon genug Angst wegen der Kontrollverluste in den vergangenen Monaten. Jetzt still werden? Wie soll das denn gehen? Das können wir doch gar nicht, sind es – Achtung – nicht gewohnt! Wir kennen es nur, uns mit Konsum und Veranstaltungen und Glühwein zu betäuben. Und dann kommen die Tage „zwischen den Jahren“, in denen wir dann „plötzlich“ doch nicht mehr so viel zu tun haben und merken – alle Jahre wieder – was da für ein Stress von uns abfällt. Bezeichnenderweise werden in dieser Zeit viele Menschen krank, es kommt zu Streit und Einsamkeit.

Was, wenn wir wir JETZT beginnen, still zu werden. Den Lockdown als Einladung verstehen.

Nicht mehr zwanzig Menschen auf einem proppevollen Weihnachtsmarkt treffen sondern nur noch zwei am Feuer im Garten. Plötzlich ist ein richtiges Gespräch möglich. Mit ganzen Sätzen und in angenehmer Lautstärke.

Nicht mehr durch die Stadt hetzten und bergeweise Geschenke kaufen sondern sich in aller Ruhe überlegen, was ich wirklich schenken möchte und es vielleicht sogar selbst herstellen. Plötzlich bekomme ich einen ganz neuen Zugang zu demjenigen, den ich beschenken werde.

Nicht mehr abendelang auf Weihnachtsfeiern hocken, die erst nach übermäßig viel Glühwein lustig werden und oft genug in Situationen enden, die man hinterher gern ungeschehen machen möchte. Sondern die blaue Stunde am frühen Abend genießen, aus dem Fenster schauen, mitbekommen, wie das Tageslicht verändert. Plötzlich ist still-werden möglich.

Nicht mehr jeden Tag auf die Wetter-APP schauen, wann denn endlich der erste Schnee fällt, damit dann die Ski eingepackt werden können und es ab zum ersten, offenen Lift geht. Sondern einen Spaziergang unternehmen. Egal welches Wetter, das Handy bleibt aus. Plötzlich kann ich spüren, sehen, riechen, wie sich die Natur verändert.

Nicht den zig-ten Kuchen backen müssen für eine Klassen-/ Vereinsweihnachtsfeier, sondern sich das Rezept für Omas Brödle raus suchen und die ganze Liebe mit einbacken, die auch Oma in den Teig gegeben hat. Plötzlich schmecken, was das für einen Unterschied macht.

Nicht in den Baumarkt hetzen, um die schönste Tanne zu ergattern, sondern schauen, welcher Baum vorm Fenster sich schmücken ließe. Keinen Stress mehr wegen der Nadelei. Plötzlich ist es einfach.

Und dann darf Weihnachten kommen. In der puren Essenz dessen, was es eigentlich bedeutet: die Hoffnung auf neues Leben. In unserer christlichen Tradition verkörpert durch das Baby in der Krippe. In Urzeiten gefeiert an der Wintersonnwende im Wissen, dass die Tage wieder länger werden.

Auch wir dürfen hoffen. Genau jetzt. Jetzt erst recht.

Wir müssen Weihnachten nicht retten. Weihnachten ist da. Wir sollten einen neuen Zugang finden zu diesem Fest, dass uns einlädt, uns in Liebe miteinander zu verbinden.

Aber dazu müssen wir – endlich – mal über den tieferen Sinn nachdenken und in die Essenz vordringen. In unsere eigene und in die solcher Traditionen. Müssen uns fragen, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, als Familienfeiern per Zoom und Gottesdienste mit Abstand.

Ich halte es nicht für klug, die alten Verhaltensweisen in die neuen Vorgaben rein zu quetschen. Das geht schief, wie beim Kofferpacken: ich will noch ein Teil und noch etwas und noch mehr einpacken und dann passt der Deckel nicht mehr. Außerdem muss ich jetzt Übergepäck bezahlen.

Lassen wir doch einiges hinter uns. Beginnen wir zu hinterfragen, was von dem, was wir bis dato „gewohnt“ waren, uns wirklich gut getan hat. Spaß gemacht hat. Sich richtig stimmig angefühlt hat. Gepasst hat. Und WARUM wir dieses Fest feiern WOLLEN (und nicht retten MÜSSEN).

Mein Name ist Anne Thorand. Ich bin kein Coach und keine Heilerin. Ich bin weder Therapeutin noch besonders sportlich. Ich kann keine Aura sehen und auch kein Zertifikat in irgendeiner Wissenschaft vorweisen. Ich vergesse die Ergebnisse von empirischen Studien, die dieses oder jenes beweisen sollen. Ich weiß nicht, was Du fühlst und werde einen Teufel tun, Dir zu sagen, was Du denken oder fühlen solltest. Aber ich kann mitfühlen. Ich kann mein Herz weiten und den Raum öffnen für das, was gerade ansteht.
Mein eigener Weg zu Erkenntnis und Heilung, den ich immer weiter gehe – mutig manchmal, manchmal mit Unterstützung – macht mich weich, Dich (wenn Du magst) zu begleiten. Weil es mich interessiert, wer Du bist. was Dich umtreibt. Was für Erfahrungen Du gemacht hast. Wo Du in der Welt stehst und was Deine Träume sind. Wie Dein Blick auf etwas fällt und was ihn verändert.
Die Verbundenheit ist alles, was wir brauchen. Let´s connect.
Meine Webseite: www.yoga-in-ebringen.de
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25 Kommentare zu “Weihnachten retten: Be-sinn-en
  1. Ruth sagt:

    Liebe Anne,
    Danke für deine Impulse.
    Für mich ist Weihnachten nicht das, was „man so drunter versteht“ und schon seit vielen Jahren eine Zeit der Besinnung, Ruhe, Einkehr, Rückkehr des Lichts.
    Aber durch deine Worte konnte ich den Blick weiten und erkennen: die Lockdown-Situation fordert die Gesellschaft (und die sog. Christen) auf, ganz alte, oft längst leere Rituale zu hinterfragen und zu überdenken.
    Das ist ein sehr erfrischender Gedanke und Sichtweise!
    Danke dafür!

    • Anne sagt:

      Liebe Ruth, danke für Deine Worte. Wir sind wahrscheinlich gerade alle aufgerufen, den Blick zu weiten, wie Du es so schön sagst. Und an uns ist es jetzt, unser altes Wissen um die heute oft leeren Rituale weiter zu geben, damit es wieder einen Sinn gibt.
      Von Herzen sei gegrüßt von Anne

  2. Sabine sagt:

    Liebe Anne starke inspirierende Worte, Danke Dir dafür

  3. Renate Kiel sagt:

    Liebe Anna, super. Du bringst es genau auf den Punkt! Ich hoffe, dass immer mehr Menschen zu dieser Erkenntnis kommen.
    Liebe Grüße Renate

  4. Elke sagt:

    Danke für diesen ruhigen, schönen Zugang zu Weih-nachten. Tut gut. Persönlich essentieller zu werden.
    Auch schön deine Beschreibung: ich bin kein…..ich kann nicht das….. 🙂
    Danke sehr, sehr wohltuend.

  5. Claudia sagt:

    Vielen Dank für diesen wunderschönen treffenden und anregenden Artikel!!!

  6. Sabine sagt:

    Vielen Dank für diese Worte, sie tun so gut, weil sie genau das aussagen, was auch ich im Herzen empfinde. So wertvoll die Erinnerung daran, was wirklich wichtig ist und trägt und hält.
    Herzensgrüße aus dem Schwarzwald
    Sabine

  7. Miriam sagt:

    Dank dir Anne aus leuchtendem Herzen für dein zu Lesen geschenktes, auch für dein da Sein und wie du es beschreibst im Erzählen, welche du bist.

    Herzensfreude und Ermutigung für mich! UND es schenkt mir das wärmende Erleben von Verbundenheit spüren in meiner Art in der Welt zu sein.

    Frohes be-SINN-en! Herzlich, Miriam

    • Anne sagt:

      Liebe Miriam, Verbundenheit ist für mich persönlich gerade so wichtig! Und auch ich bin so glücklich zu wissen, dass ich nicht allein bin – nie. Mir kommen Zeilen von Seom in den Sinn: „Verbundenheit. Weil in dunkler Zeit immer Platz für Wunder bleibt.“
      Herzlichst verbundene Grüße von Anne

  8. Susanne sagt:

    Liebe Anne, ein bisschen klischeehaft dargestellt. Menschen, die in der Angst leben, Ihre Existenz zu verlieren, werden sicherlich nicht wirklich in diesen Ruhezustand kommen. Das brauchen wir nicht staatlich verordnet. Diesen Weg können wir selbst finden, das ist möglich. Hier spreche ich aus eigener Erfahrungen. Ich lerne immer gerne und mache neue Erfahrungen, nicht angst- und zwangsmotiviert, sondern freude- und singgeleitet. Aus meiner Sicht ist das das Feuer der Zukunft, lernen und lehren aus Begeisterung. Alles andere ist mangelgeleitet. Alles Liebe Susanne

    • Liebe Susanne ich glaube auf Planet Erde werden wir die Angst nie ganz los, denn hier leben wir in der Dualität, um zu wachsen. Ich erfahre eher ein sowohl Freude als auch immer mal wieder Angst, was mich weiterbringt, wenn ich nicht darin stecken bleibe. Dazu hatte ich letztens einen so schönes Gespräch mit Bruder David Steindl-Rast zum Unterschied von Angst und Furcht geteilt. https://www.newslichter.de/2020/10/fuerchte-dich-nicht-2/ Alles Liebe

    • Anne sagt:

      Liebe Susanne, Du hast recht, ich hab absolut Klischees bedient, die ich (und so wie ich hier die Kommentare lese auch viele andere) eigentlich gar nicht mehr erfülle. Um auf die Wahrheit zu kommen, braucht es aber manchmal das Runterbrechen auf das Einfache.
      Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du gut genährt durch diese Zeit kommst und Dir Deine Be-GEIST-erung erhältst. Alles Liebe von Anne

  9. Barbara sagt:

    Liebe Anne,

    herzlichen Dank für diesen wundervollen Text, der mir so richtig tief aus der Seele spricht. In der von dir beschriebenen Form gestalte ich die Advent- und Weihnachtszeit und den Übergang in das neue Jahr schon seit vielen Jahren und es tut so gut diese Ruhe und Besinnlichkeit zu genießen und die Rauhnächte zu zelebrieren und so ganz bei sich anzukommen.

    Auch deine Beschreibung bezüglich deiner Person empfand ich als so herzerfrischend ansprechend, daß sie mir am frühen Morgen ein fröhliches Lächeln ins Gesicht zauberte.

    In diesem Sinne wünsche ich allen Menschen eine wundervolle besinnliche Advent- und Weihnachtszeit.

    Alles Liebe von Barbara

    • Anne sagt:

      Liebe Barbara, ja, ich begehe diese Zeit auch schon seit langem in Stille, Demut, Rückzug. Aber es ist doch deutlich spürbar, dass es noch so viele Seelen gibt, die auf die Dunkelheit so angstvoll und mit Not reagieren. Lass uns unbedingt nach außen bringen, dass die Ruhe ein Geschenk ist, die wir genießen können.
      Auch für Dich eine gute Zeit mit allem, was sie bringt – fröhliches Lächeln, Stille, Sinn.
      Herzliche Grüße, Anne

  10. Almut Lichte sagt:

    Liebe Anne ,
    danke für Deinen ehrlichen Beitrag, aus dem Ist-Gefühl. Ja und danke für Dein freies Angebot zum Austausch. Bei der Formulierung „zum Teufel“…. mußte ich richtig lachen. So wunderbar, zur Hölle.
    UND welche Freiheit entsteht, wenn wir sagen, was wir denken und tun was wir sagen.
    UND wohin wir kämen, wenn es keine Religion gäbe, mit dem – Du sollst dies nicht und Du sollst das nicht…..Absolute Freiheit, wenn ich mit Gott direkt spreche.
    UND das Krokodil habe ich auch gleich übernommen. 🙂
    Herzlich, Almut

    • Anne sagt:

      Liebe Almut, hihihi, jetzt lache ich über Deine Zeilen, wie schön.
      Es ist ganz schön schwierig, den direkten Draht zu Gott zu bekommen, oder? So viele Verhaltensweisen, die uns anerzogen worden, so viele Lehren, denen wir meinen folgen zu müssen, so viel Angst und Unterdrückung. Dabei ist es so wohltuend, zu wissen, dass ich so gesehen werde, wie ich bin, oder?
      Viel Spaß mit dem Krokodil und falls Du meine Brustmuskel-Variante mal lernen möchtest, freue ich mich, wenn wir uns irgendwann mal on- oder offline treffen.
      Sei von herzen gegrüßt von Anne

  11. Ute Kuhn sagt:

    Danke für deine so richtigen Worte. Ähnliche habe ich vor kurzem Von einer Freundin zugesandt bekommenen mit da schon gedacht: wie wahr!
    Nun hat mich ein kleiner Unfall beim Advent schmücken zur Ruhe gezwungen, die ich so nicht gebraucht hätte, denn das bringt mich in eine Zwangssituation. Leider – ich war schon auf gutem Weg. Ute

    • Anne sagt:

      Liebe Ute, oh je, doppelt verordnete Ruhe! Puh, da wünsche ich Dir, dass Du Deinen Weg dennoch gehst. Ich sende Dir dafür Herzensenergie. Liebe Grüße von Anne

  12. Björn S. sagt:

    Danke für diesen inspirierenden Text, liebe Anne. Am späten Abend nach einem anstrengenden Tag eine wahre Wohltat.

    Unbekannte Grüße in den Süden

  13. Anjulie sagt:

    liebe Anne, be-sinn-en 🤔 be-ginn-en
    ich fühle mich in Deinen Gedanken zu inne-halten, nach-denken, hinter-fragen, ver-ändern und
    neu-gestalten so besonders gut verstanden und bestens vertreten, dass ich Dir ❤️lich Danke sage,
    Ich freue mich auch sehr über „Verbundenheit ist Alle (s)“, persönlich und kollektiv eine herausfordernde
    kulturelle Hausaufgabe ….

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