Ist 2021 mein Rauhnachtjahr?

Foto: newslichter

Gerade lese ich, dass zur Sommersonnenwende von kleinen Rauhnächten die Rede ist. Aber in Wirklichkeit haben die Rauhnächte für mich dieses Jahr noch nie richtig aufgehört. Ich befinde mich dauerhaft in einem Zwischenstadium der Stille und der Impulslosigkeit. Aktivitäten im Außen sind auf das Wesentlichste reduziert, die Zeit scheint still zu stehen und meine Lieblingstätigkeit ist einfach nur zu sitzen, zu schauen und zu lauschen.

Gleichzeitig reißt es mir ohne jeden Grund immer wieder das Herz auf, Emotionen kommen aus dem nichts und gehen genauso schnell wieder. Angst, manchmal auch mitten in der schlaflosen Nacht, tiefer Kummer und Weltschmerz, dann wieder überbordende Liebe zum Leben, zu meinen Liebsten. Keine Lust und keine Kraft mehr an Diskussionen teilzunehmen, die nur in die Trennung und Abgabe der Eigenverantwortung führen. RICHTIG oder FALSCH sind nur Begriffe, keine Wahrheiten.

Verpuppung?

Eine Freundin schreibt mir von ihrem Zustand der Verpuppung: „Da gibt es ja das Stadium der „Suppe mit Imagozellen„. Sprich, die Raupe hat sich total zersetzt in eine Suppe aus organischem Material, einzig die Imagozellen, die das Bild, den Bauplan, die Blaupause für den Schmetterling in sich tragen, sind als Vorboten des Neuen da.

Gefühlt bin ich exakt da – alles bisheriges von meiner Person hat sich in eine undefinierbare Suppe verflüssigt. Auf die „Imagozellen“ darf ich scheinbar nicht draufschauen, wahrscheinlich damit ich den Prozess nicht unnötig störe.

Das macht es so seltsam. Ich kenne diesen Zustand nicht aus meinem bisherigen Leben und ich bin ja nun wahrlich prozess-transformations- und sterbegewohnt. Und eben auch nicht, dass ich auf einmal in leere Regale greife, wo vorher „Disziplin“, „Kompetenz“, „Verlässlichkeit“ etc gelegen haben.

Als würde ich durch einen schlecht beleuchteten Gang laufen, in dem ich noch nie war und nur die Wände, an die ich ab und an rumse, geben Orientierung. So sind eben diese Stops, von denen ich lediglich sicher sagen kann, dass sie nicht aus behindern/ vermeiden/ Defensivität oder irgendeinem sonstigen „Thanatos“-Stimulus kommen, sondern ganz klar gesund, vital und lebenszugewandt sind. Aber das „Ich“ oder der Ort aus dem sie kommen, ist mir bisher total unbekannt. Und das „nein, hier geht’s nicht lang“ wird mir deutlich stabiler gezeigt als das, wos denn nun lang gehen sollwill.“

Ja, so viele Stopp-Schilder und so wenige GOs, dass ich mich langsam frage, wann die Ampel mal wieder auf grün schaltet. Sogar die newslichter scheinen ein bißchen mit mir still zu stehen.

Die Mondgöttin Litha

Foto: Pixabay

Und dann dominiert ja auch Saturn nicht nur dieses Jahr, sondern mit seiner zweiten Rückkehr nach 59 Jahren im Gebursthoroskop mein Sein. Da auch Merkur, Mars und der absteigende Mondknoten betroffen sind, komme ich mir vor wie in einem Auge eines Sturms. Um mich herum wirbelt es, aber ich stehe verwundert still.

Prüfungszeit. Was will auf dem Weg zur Meisterschaft endgültig abgelegt werden, geheilt werden, was lasse ich einfach fallen. Fühle mich nackt und darf alles es bis in die letzte Zelle durchfühlen. Keine Möglichkeit in die gewohnte Aktivität  zu flüchten.

Zurück zur Sonnenwende und zu den möglichen Rauhnächten in dieser HochZeit. Die alten Kelten feierten zur Sommersonnenwende 12 Tage lang das Fest der Mondgöttin Litha. Eine magische Zeit, in der sich die Schleier der Erkenntnis hin zu Anderswelt lüften. Es ist davon die Rede, dass frau Tiere sprechen hört, oder Feen und Elfen sehen kann. Die Nahtstelle zwischen den Welten ist durchlässiger.

Litha als Mondgöttin hält die Energie in der Balance, denn sie vereint die Energien von Wachsen und Abnehmen. Das Sommersonnenwende-Fest bildet den Mittelpunkt, das Zentrum. Der Moment zwischen Ein- und Ausatmen. Zeitqualität jenseits von Raum und Zeit. Das Jahr atmet aus .. und atmet ein. Die Tage werden schon wieder kürzer, die Nächte länger, auch wenn noch einen Monat die die Zeiten fast gleich bleiben. Hier im Norden lassen mich die weißen Nächte staunen, in denen am Himmel immer ein weißes Licht in die Nacht zu leuchten scheint.

Vielleicht enden mit dem kommenden Vollmond am 24.6. als Portaltag und dem Johannifest jetzt für mich die Rauhnächte? Und das Rad des Lebens dreht sich weiter? Oder braucht es das ganze Jahr 2021, damit der Prozess in seiner ganzen Kraft und Tiefe abgeschlossen sein wird. Ich bin offen für beides.

Sharing is Caring 🧡
Posted in Kolumne Verwendete Schlagwörter:
16 Kommentare zu “Ist 2021 mein Rauhnachtjahr?
  1. Claudia sagt:

    Wie berührend und gut, deine Zeilen zu lesen, liebe Bettina. DANKE fürs Teilen deiner ganz persönlichen Empfindung. Ich finde mich darin so sehr wieder und ich vermute, dass es (hier) noch einigen so geht…

  2. Elke Mahr sagt:

    Liebe Bettina,
    du schreibst das nieder, was auch ich empfinde. Mein gewohntes Tun erscheint sinnlos, Aktivität kostet Überwindung, allein Lauschen, Innehalten. Es fühlt sich an wie der Übergang in der Musik von Moll in Dur und gleichzeitig auch ein Wechsel von Takt und Rhythmus. Aber ich sitze hier mit einem Instrument, das mir unbekannt ist und doch vertraut erscheint. Also Atmen, Lauschen und Innehalten …

  3. Eva-Maria sagt:

    Danke für deine erhellenden Worte. Sie beschreiben präzise, was ich auch erlebe. Und bestärken mich, in diesem unbekannten Transformationsprozess zu bleiben. Danke!

  4. Sabine sagt:

    Liebe Bettina,
    Herzensdank für diesen Beitrag. Ich finde mich in so vielem wieder. Manchmal so erschöpfend, wenn schon geheilt und losgelassen Geglaubtes ein ums andere Mal wieder hochkommt und noch einmal angeschaut werden möchte.Dann wieder Momente in denen es auf einmal doch leicht fließt. Und doch so oft das Gefühl des „Breizustands“, wie der Schmetterling in seiner Transformation. Im Außen wie im innen. Das Alte trägt irgendwie nicht mehr, das neue ist noch nicht da oder zumindest noch nicht in seiner Form erkennbar. Diese Schwellenzeiten auszuhalten fällt mir oft nicht leicht und doch hoffe ich sehr, dass dieses Jahr 2021 nicht nur persönlich, sondern auch im großen Ganzen der Übergang zu einem neuen Miteinander ist. Beiträge wie diese machen mir Mut, dass auch andere mit mir auf dem Weg sind. Danke!
    Herzensgrüße aus dem Schwarzwald

  5. Anna sagt:

    Liebe Bettina,
    auch von meiner Seite ganz herzlichen Dank für Deine Worte, die mir Mut, Trost und Verbindung schenken. All meine Gefühle und Empfindungen in Deinen Worten so wieder zu finden tut einfach gut. Es gibt Kraft und stärkt das Vertrauen in diesen so neuen Weg des Seins mit sich selbst, mit all den Wesen um mich herum und mit dem Leben. Mögen wir auf diese Weise in Verbindung bleiben.
    Herzensgrüße und gute Wünsche ins Wendland
    Anna

  6. Monika Gruner sagt:

    Danke für Deinen Bericht. Auch ich erlebte den Kokon. Es begann nach einer verletzenden Auseinandersetzung wo mir dann eine Birke ihren Schutz gab. Ich war gleichz. in ihr und sie um mich. Dann erstellte sich ein Kokon, der „verschlossen“ wurde. Ich wollte den inneren Prozess beobachten, was nicht geht, da alles aufgelöst wird. Schließlich entfernten sich Gebilde von der Schattenwelt aus mir. Dann laufe ich durch dunkle Gegend und Hallen, um die Energien des Schreckens mit Licht aufzulösen, denn ich bin Licht. Danach ist der Kokon geplatzt, ich steige aus, mir wird ein neues Gewand gegeben – wenn ich die Arme ausbreite, wirkt es von hinten wie ein Schmetterling – ein Tagpfauenauge. jetzt gehe ich einen neuen Weg. M

  7. Petra sagt:

    Ich kann mich allen Gedanken nur anschließen…… „Weißt du, dass es zwischen Ende und Neuanfang eine Zwischenwelt gibt? Es ist die verwundete Zeit, […]. Sie ist ein Moor, und darin sammeln sich Träume und Sorgen und vergessene Absichten. Deine Schritte werden schwerer in dieser Zeit. Unterschätze diesen Übergang nicht, […], zwischen Abschied und Neubeginn. Lass dir deine Zeit. Manchmal sind solche Schwellen breiter, als man in einem Schritt gehen kann.“
    Zitat aus Das Lavendelzimmer von Nina George
    Ich finde das gerade sehr passend!

  8. Renate Barbara sagt:

    Liebe Bettina,
    herzlichen Dank für dein Teilen. Ich finde mich in deinen/euren Worten sehr wieder. Es berührt mich sehr von euch allen zu lesen, wie es euch grad geht.
    Welch herausfordernde Zeiten,eben Transformations-Zeit-Raum. NEULAND – wie betrete ich neues Land in mir und im Außen? Wie und wohin bewege/n (m)ich diese vielen verschiedenen Anteile in mir? Was sortiert der Kosmos/ das Leben grad aus, was ich anscheinend nicht mehr brauche, obwohl mein Kopf damit überfordert ist??! Dazu braucht es ein viel tiefer und weiter-gehen in mir…hin zu meinem Wesenkern. JETZT ist es ZEIT mir zu vertrauen, meiner Intuition, meiner Lebenserfahrung…eben NEULAND entdecken…aufdecken…spielen…experimentieren
    Seid alle herzlich gegrüßt aus Ostfriesland,
    Renate Barbara

  9. Andrea sagt:

    Lustig, ich bin gerade am Meer und gestern dachte ich genau an dieses Raupen-Schmetterlings-Gleichnis. Ich genauso! Ich weiß nicht mehr, wo oben und unten ist- und bin glücklich, noch ein paar Tage außerhalb meiner üblichen Welt zu sein. Ich denke, viele von uns sind gerade in diesem Kokon-Zustand, während andere nicht sichtbar „betroffen“ sind.

    An dieser Stelle auch vielen Dank für dein Newslichter-Wirken! <3
    Liebe Grüße

  10. Danke, liebe Bettina, was du und ihr Frauen alle beschreibt, berührt mich so sehr, weil ich es ebenso empfinde.
    Seit Monaten fühle ich mich in diesem zeitlosen inneren ZwischenRaum, in dem sich das Bisherige mehr und mehr auflöst und das Neue im Außen weder sichtbar noch greifbar ist.
    Dieser Prozess hat seine ganz eigene Dynamik und lässt sich weder beeinflussen noch beschleunigen. Ich darf täglich üben und lernen, meiner inneren Führung und dem Leben zu vertrauen und diesen kostbaren Wandelprozess geschehen zu lassen. Ihn zu unterstützen, in dem ich mir soviel wie möglich Innenzeit, Stille und mit SEIN schenke.
    Das Leben hilft mir auch immer wieder dabei und schickt mich, sobald ich mich (zu sehr) im Außen verliere, auf der Stelle wieder nach Innen und zu mir selbst zurück. 💞

  11. Isolde sagt:

    Liebe Bettina,
    Danke für diese starken und berührenden Zeilen und die Kommentare die ich dazu lesen kann… Mir geht es genauso, leider fehlt mir oft der Ruheraum mit Mann und Kind um mehr Vertrauen zu fassen aber euch zu lesen hilft mir das Erschrecken über diesen unbekannten Weg der keinem gleicht den ich bisher gegangen bin (und auch ich bin teils geübt in Seelenpfaden) ein wenig zu mildern. Da ich dazu noch körperliche Symptome erlebe fällt es mir zudem schwer ganz im Innen zu bleiben…
    Danke von Herzen.

    • Monika sagt:

      Liebe Isolde – Du schaffst das! Alle werden es schaffen! Deine Seele mutet Dir zu, Deine Pfade zu erkennen, wenn Du dafür die nötige Reife zur Bewältigung hast. Dies geht in Deinem eigenen Tempo, man darf da nichts erzwingen. Jeder Schritt ist heilig. Wie schön, wenn wir diese Wege im Schutz des Körpers gehen können. Es wird immer feiner und subtiler, will erlebt, gesehen, verstanden…und losgelassen werden. Dann geht es wieder weiter, manchmal wie von vorn, aber doch anders. Es ist eine herrliche, wundervolle heilige Zeit. Wir dürfen uns bewähren und erhalten die Geschenke der Erkenntnis und des Wachsens und wir übernehmen Verantwortung – Lösung von alten Mustern. Euch allen wünsche ich viel Kraft dazu. Monika

  12. Karin sagt:

    Danke! Ein Text/eine Beschreibung, in dem/der ich mich komplett wiederfinde… ich war schon irritiert darüber, was los ist mit mir… jetzt weiß ich, dass andere ähnlich fühlen, dass es offenbar ein Zeitphänomen ist… dass es ok ist … jetzt kann ich es umso mehr genießen 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Dein Kommentar wird nach der Prüfung freigeschaltet. Bitte beachte, Einschätzungen und Meinungen in Ich-Form zu formulieren und die AutorInnen zu wertschätzen. Nicht identifizierbare Namen (Nicknames), Kommentare ohne erkennbaren Bezug auf den Inhalt des Artikels und Links zu nicht eindeutig verifizierbaren Seiten bzw. zur Eigenwerbung werden grundsätzlich nicht freigeschaltet.