Ein Gebet an die zukünftigen Wesen

Foto: Pixabay

Von Joanna Macy. Du lebst in uns, Wesen der Zukunft. In den spiralförmigen Bändern unserer Zellen bist du da. In unserem Zorn über die brennenden Wälder, die vergifteten Felder, die ölverschmierten Robben bist du da.

Du schlägst in unseren Herzen während der nächtlichen Treffen. Du begleitest uns zu Kahlschlägen und Giftmülldeponien und in die Säle der Gesetzgeber. Du bist es, der unsere hartnäckige Arbeit antreibt, um zu retten, was noch übrig ist.

Oh du, der du auf dieser Erde wandeln wirst, wenn wir nicht mehr sind, rüttle uns wach. Sieh durch unsere Augen die Schönheit dieser Welt. Lass uns deinen Atem in unserer Lunge spüren, deinen Schrei in unserer Kehle. Lass uns dich in den Armen, den Obdachlosen und den Kranken sehen. Verfolge uns mit deinem Hunger, jage uns mit deinen Ansprüchen, damit wir das Leben ehren, das uns verbindet.

Du hast noch keine Gesichter, die wir sehen können, keine Namen, die wir sagen können. Aber wir brauchen dich nur in unseren Gedanken zu halten, und du lehrst uns Geduld.

Du stimmst uns auf Zeitmaße ein, in denen Heilung geschehen kann, in denen Erde und Seelen heilen können. Du enthüllst Mut in uns, den wir nicht vermutet hatten, und Liebe, die wir nicht kannten.

O du, der du nach uns kommst, hilf uns, uns zu erinnern: Wir sind deine Vorfahren.

Joanna Macy

Zur Person Johanna Macy: Geb.1929, Autorin und Lehrerin für Buddhismus, Systemwissenschaften und Tiefe Ökologie. Ihre Stimme hat Gewicht in der Bewegung für Frieden, soziale Gerechtigkeit und für den Schutz der Umwelt. In der “Arbeit der Tiefen Ökologie” schuf sie in den letzten 30 Jahren ein unerschrockenes, ehrliches Werkzeug, um Menschen durch die Wirren einer Krisenzeit hin zu engagiertem Handeln für das Leben und für die Erde zu begleiten. Sie ist Gründungsmitglied der Gesellschaft für angewandte Tiefenökologie e.V.. Mehr hier.

Buchtipp von Conny-Dollbaum Paulsen/Heilnetz:
Hoffnung durch Handeln
Dem Chaos standhalten, ohne verrückt zu werden

Auf unserem Planeten herrscht ein exorbitanter Notstand: Klimawandel, die Erschöpfung von Ressourcen, ökonomische Umwälzungen und Ausrottung von immer mehr Arten. Hoffnung durch Handeln zeigt uns, wie wir dieser Krise begegnen und auf sie mit ungeahnter Widerstandskraft und Kreativität reagieren. Diese Hoffnung setzt nicht notwendigerweise Optimismus voraus; wir können diesen Prozess sogar dort einsetzen, wo wir keine Hoffnung mehr sehen. Der leitende Impetus ist unsere Absicht. Statt an erster Stelle Erfolgschancen abzuwägen und nur dann aktiv zu werden, wenn wir hoffnungsvoll sind, konzentrieren wir uns auf unsere Absicht und lassen uns von ihr leiten.

Joanna Macy und Chris Johnstone geleiten uns durch einen transformierenden Prozess, der Neues und Altes vereint: mystische Reisen sowie Erkenntnisse aus moderner Psychologie und ganzheitlicher Wissenschaft. In diesem Prozess erlangen wir die Fertigkeiten, die wir auf dem Weg in eine dem Leben dienende Gesellschaft benötigen.

Sharing is Caring 🧡
Posted in Kolumne Verwendete Schlagwörter:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Dein Kommentar wird nach der Prüfung freigeschaltet. Bitte beachte, Einschätzungen und Meinungen in Ich-Form zu formulieren und die AutorInnen zu wertschätzen. Nicht identifizierbare Namen (Nicknames), Kommentare ohne erkennbaren Bezug auf den Inhalt des Artikels und Links zu nicht eindeutig verifizierbaren Seiten bzw. zur Eigenwerbung werden grundsätzlich nicht freigeschaltet.