Pups

Foto Jeremy Perkins unsplash

Von Claudia Shkatov. Es gibt zwei grundsätzliche Wege, auf denen wir Menschen lebendig das Geheimnis des Lebens entschlüsseln können. Wie geht „gut gelebtes Leben“? Woher kommen wir? Was machen wir hier? Und wie ‚kriegen wir es hin‘?

Der eine Weg steht dir als Frau auf diesem Planeten offen: Leben empfangen und nähren. Bei Licht betrachtet ist es einer der mutigsten und unvorstellbarsten Akte überhaupt, finde ich. Stell Dir vor, Du machst auf für etwas, von dem Du ABSOLUT keine Ahnung hast. Es kommt von irgendwo her aus der Unendlichkeit des Universums. Es ist Dir so fremd, ein solcher Alien, wie er überhaupt nur alien sein kann. Und Du lässt dieses unbekannte Etwas in Deinen eigenen Körper hinein. Du lässt es dort leben und wachsen, und Du nährst es aus und mit Deinem eigenen Wesen. Du hast keine Ahnung auf welchen Prozess Du Dich da einlässt noch, was am Ende dabei herauskommt. Klar, die Schöpfung ist nicht blöd, und hat das alles so organisiert, dass sie dem Einzug einer fremden Seele in unseren Körper in der Regel ein Ereignis voranstellt, welches uns so von den Socken haut, dass wir aufmachen und uns hingeben. Mehr oder weniger freiwillig, je nach Ereignis.

Eine Schwangerschaft, besser gesagt, eine fremde Seele in uns, lehrt uns alles, was wir wissen müssen, darüber wie das Leben funktioniert. Es beginnt mit dem Wagemut uneingeschränkt aufzumachen für etwas vollkommen Fremdes und Unbekanntes. Dann lehrt sie uns Zuhören, Beobachten, Folgen, und Führen im stillen Sitzen, in Geduld und in dem unumstößlichen Wissen, dass da immer etwas ist, was uns beiden die Antwort und die Lösung sein wird. Wenn wir nur wach sind und zuhören. Und je williger wir beobachten, spüren, lernen und folgen, uns einlassen, von hier aus führen, immer noch ein Stück mehr in Verbindung mit dem Unbekannten gehen, umso klarer zeigen sich der gemeinsame Weg und jeder einzelne Schritt mit Leichtigkeit und Anmut. Umso deutlicher spüren wir auch die grenzenlose Einfachheit und Kraft dieser Macht und Würde, die wir Leben nennen. Und wir lernen sie zu spüren als etwas, dessen Teil wir selbst sind. Etwas, das auch (zu) uns gehört. Wir ergeben uns dann einem uralten Rhythmus und Zyklus, der uns kennt, führt und trägt.

In der Tiefe jeder Frau leben diese Verbindung und das Wissen darüber. Sie sind ein Teil von ihr. Und sie wohnen – über die Verbindung zu seiner Mutter und damit zur Weiblichkeit – auch als tiefe, wilde Schönheit in jedem Mann.

Der zweite Weg steht jedem Menschen offen: Still sitzen und wahrnehmen, was wirklich da ist – jenseits unserer Gedankenautobahnen und Wortkanonenfeuer. Seelen. Herzen. Haut. Haar. Blut. Knochen. Geschlechter. Atem. Krieg. Frieden. Enge. Weite. Angst. Hoffnung. Stille. Erst wenn wir in der Stille landen, können wir anfangen zu hören und zu sehen. Manchmal landen wir dort freiwillig. Manchmal nicht.

Es ist wichtig, dass wir die Grundsätzlichkeit darin annehmen und verstehen. Es ist wichtig, dass wir das in unseren Parlamenten, Sitzungssälen, Klassenzimmern, Vorlesungshallen, medizinischen Einrichtungen, Kirchen, Schlafzimmern und an unseren Esstischen tun. Erst einmal die Klappe halten. Atmen. Zusammensitzen oder liegen. Alle Themen und Fragen im Zentrum zwischen uns sein lassen. Ankommen in unseren Körpern. Zumindest ankommen auf dem Platz, auf dem ich mich befinde. So, wie ich gerade bin. Füsse. Po. Stuhl. Erdboden. Atem. Pups. Und der Himmel über uns.

Erst, wenn wir uns den Raum geben, um zumindest ein bisschen in diesem und im nächsten Moment zu landen, haben wir überhaupt eine Chance auf Erfolg. Auf Leben.

Leben ansich ist Erfolg.

Atmen allein ist Erfolg.

Sich in einem Raum voller Menschen in einer gemeinsamen Absicht verbinden und sich als Teil des Ganzen zu spüren ist Erfolg.

Die Kraft, die in einer solchen Erfahrung liegt in sich selbst zu spüren ist soooo!! ein Erfolg.

Lösungen auf wesentliche Fragen unseres Lebens zu finden, die allen dienen, ohne dafür jemanden oder etwas zu eliminieren

– IST ERFOLG.

Mein entspannter, wacher und lebendiger Körper und mein kreativer Geist sind auf natürliche Weise auf diesen Erfolg ausgerichtet, ja sogar untrennbar mit ihm verbunden. Die Kosten eines verspannten, erschöpften, getrimmten und getriebenen Körpers und Geistes sind für mich nicht mehr tragbar. Ich kann mir nicht mehr vormachen, dass Antwort und Lösung bezogen egal worauf in noch mehr Anstrengung, Eingrenzung, Ausgrenzung, Debatte und Kampf liegen.

Und ich kann mich auch nicht mehr glauben machen, dass wir uns oder die Erde retten. Wenn, dann rettet diese Erde uns. Sie spiegelt uns unseren eigenen Zusammenbruch, unsere Dunkelheit. Sie zeigt uns etwas, das uns bis in Mark erschreckt, weil es unserer Kontrolle entgleitet und wir uns nicht mehr sicher fühlen. Als ob wir das jemals getan hätten, seit wir den Mutterleib verließen. Für einige von uns fühlte sich nicht einmal der Mutterleib sicher an. Die immer gegenwärtige Schönheit des Lebens liegt darin, dass wir Sicherheit finden und es garantiert immer wieder hell wird, wenn wir von unseren Babys, von der Natur und von der Dunkelheit lernen, in jeder metaphorischen Nacht still zu werden, zu beobachten mit der Ruhe und Präzision einer Kamera, mit allen Sinnen wach wie ein wildes Tier, unbehelligt von Gedankenlawinen über Vergangenheit und Zukunft. Im absolut klaren und unbestechlichen Wissen um diese lebendige Schönheit und ihre Weisheit, die immer im Dunkeln, scheinbar Hässlichen und sogenannten Dysfunktionalen verborgen liegen. Und das ist nicht einfach nur Poesie für einen romantischen Moment am Brunnen vor dem Tore. So wird jeder Mensch empfangen und geboren. So geschieht Leben ständig in und um uns herum. Warum sollte es irgendetwas auf und um diesen Planeten geben, das anders funktioniert?

Im stillen, wachen und urteilsfreien Da-Sein, Spüren und Beobachten zeigen sich – Moment für Moment – eine unbestechliche Logik und eine betörende Lebenskraft im ewigen Tanz, dem sich nichts und niemand auf Dauer entziehen kann. Antworten und Lösungen werden offenbar. Was zu tun ist, entscheidet sich dann fast wie von selbst. Woran merke ich, dass es so ist? Mein Körper zeigt es mir. Es fühlt sich leicht, weit und klar an. Wesentliches geschieht immer nur dann, wenn ich in meinem Körper anwesend und somit bei Sinnen bin.

Frauen und Männer, Menschen eines jeden Geschlechts, jeden Alters und jeder Hautfarbe, Menschen aller Kontinente und Religionen. Wir brauchen keine Erleuchtung. Licht ist überall. Die Antworten und Lösungen auf alles, was uns beschäftigt, liegen in unserer Mitte. Wir werden sie sehen, hören, spüren und entschlüsseln, sobald wir unsere Aufmerksamkeit auf sie richten. Zusammen. Im Kreis. Die Klappe haltend. Entschleunigt. Entkrampft. Wahrnehmend. Da-seiend.

Was wir dann sagen und tun, wird Kraft haben, unsere Leben berühren und nachhaltig bewegen.

Claudia Shkatov
TELLING A NEW STORY

www.claudiashkatov.com
Transformational Coaching for Life & Business

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8 Kommentare zu “Pups
  1. Liebe Claudia!
    Danke für diesen Impuls.
    Am tiefsten berührt hat mich deine Weigerung, weiterhin glauben zu wollen, dass wir uns und/oder die Erde retten (können).
    Solange wir nicht verstehen, dass wir nie verstehen werden, wie Leben gelebt werden will, weil wir es nicht zulassen, sondern kontrollieren und verändern wollen, wird Mutter Erde uns durchruckeln.
    Auch ich mag nicht mehr kämpfen, kontrollieren und zwanghaft an etwas festhalten, was für mich nicht mehr funktioniert. Ich bin bereits ausgestiegen aus dem Narrativ und bin auf dem Weg auszusteigen aus diesem Schulsystem, das nichts anderes versucht, als dieses „Weiter so“ zu füttern.
    Schule wird in naher Zukunft ohne mich stattfinden! Stattdessen werde ich weitergeben, was ich lernen durfte an die, die ebenfalls auf dem Weg sind!

    Herzensgrüße an alle newslichster-Verbundenen
    Imke

  2. Johanna sagt:

    „Wir brauchen keine Erleuchtung. Licht ist überall. Die Antworten und Lösungen auf alles, was uns beschäftigt, liegen in unserer Mitte. Wir werden sie sehen, hören, spüren und entschlüsseln, sobald wir unsere Aufmerksamkeit auf sie richten. Zusammen. Im Kreis. Die Klappe haltend. Entschleunigt. Entkrampft. Wahrnehmend. Da-seiend.
    Was wir dann sagen und tun, wird Kraft haben, unsere Leben berühren und nachhaltig bewegen.“
    AHO, liebe Claudia❣️🙏🌟

  3. Sarah sagt:

    Ja!

    Genau!

    So!

    und jetzt Stille

    Mit Liebe,
    Sarah

  4. Renate Barbara sagt:

    DANKE DANKE DANKE, liebe Claudia:-)
    WOW…ich finde mich in deinen Seelen-Worten sehr wieder…
    Herzensgrüße aus der Stille in mir an euch alle,
    Renate Barbara

  5. Walburga Maria sagt:

    Klar und präzise, liebe Claudia … genau so !!! 💞

  6. Michelle sagt:

    „Die Antworten und Lösungen auf alles, was uns beschäftigt, liegen in unserer Mitte. Wir werden sie sehen, hören, spüren und entschlüsseln, sobald wir unsere Aufmerksamkeit auf sie richten.“
    „Was wir dann sagen und tun, wird Kraft haben, unsere Leben berühren und nachhaltig bewegen.“
    Danke für diese Worte, genau so erlebe ich es.

  7. So schöne Worte, die mich tief berührt haben. Danke Ich war kurz raus-geflogen, aber so was von. Jetzt bin ich wieder da und es tut einfach nur gut, vor allem in einer schwierigen Situation.
    Herzensgrüsse
    Renate

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