Unter Bäumen


Von Wendell Berry. Ich gehe unter die Bäume und sitze still.
All meine Bewegungen werden still
um mich herum wie Kreise auf dem Wasser.
Meine Aufgaben liegen an ihren Plätzen
wo ich sie zurückgelassen habe, schlafend wie das Vieh.

Dann kommt das, was Angst vor mir hat
und lebt eine Weile in meinen Augen.
Was es in mir fürchtet, verlässt mich,
und die Angst vor mir verlässt es.
Es singt, und ich höre sein Lied.

Dann kommt das, wovor ich Angst habe.
Ich lebe für eine Weile in seinem Anblick.
Was ich in ihm fürchte, verlässt ihn,
und die Angst vor ihm verlässt mich.
Es singt und ich höre sein Lied.

Nach Tagen der Arbeit
stumm in meinen Ängsten,
höre ich endlich mein Lied,
und ich singe es. Während wir singen,
dreht sich der Tag. Die Bäume bewegen sich.

Wer in den USA über Ökologie nachdenkt, kennt Wendell Berry. Er gilt als großer Vordenker der Umweltbewegung in Amerika und ist bis heute eine zentrale Figur in der Auseinandersetzung mit den Auswüchsen industrialisierter Landwirtschaft und globalisierter Ökonomie. Was an Wendell Berrys Denken fasziniert, ist die besondere, in seiner eigenen Lebensführung begründete Perspektive. Aufgewachsen auf der elterlichen Farm in Kentucky und bis heute selbst Farmer, ist er fest verwurzelt in der traditionellen Landwirtschaft. Gleichzeitig ist er Professor für Literaturwissenschaft und Autor von Essays, Lyrik und Romanen. Berrys Engagement – als Landwirt, als Schriftsteller und Umweltaktivist – gilt einer landwirtschaftlichen Kultur, die ökologischen Landbau mit kleinbäuerlichen Strukturen und ökonomischem Regionalismus verbindet. Das macht ihn zu einem entschiedenen Gegner des Agrobusiness. Die Folgen industrieller Bewirtschaftung sind in Berrys Augen eine weitreichende kulturelle Verarmung und die Vernichtung ganzer Kulturlandschaften.
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