In Verbindung mit sich selbst und mit seinen Mitmenschen

Foto: Dorothea Ristau

Von Dorothea Ristau. Was für eine turbulente Zeit! Es gibt wohl niemanden, an dem diesen Wochen spurlos vorbei gehen: Die einen haben Angst vor Corona, die anderen vor der Impfung. Manche sind wütend auf die Ungeimpften, andere auf die Maßnahmen der Regierung. Und egal, an welcher Stelle in diesem komplexen Gebilde du dich verortest, auch du wirst sicherlich Ängste spüren. Oder Wut. Oder Verzweiflung. Oder Ohnmacht. Umso wichtiger ist es in dieser Zeit, dass wir immer wieder bewusst in den Frieden finden und bei uns ankommen.

Komm zur Ruhe und lass dich berühren!

Die gute Nachricht lautet: Auch in diesem Jahr ist Advent. Advent – die Zeit des Ankommens.

Als ich zu Beginn der Adventszeit mit Einbrechen der Dunkelheit einen Spaziergang durch unser Viertel gemacht habe, habe ich diesen inneren Frieden auf einmal gespürt. In den letzten Wochen konnte ich nicht lange zu Hause sein, da dann die Ängste schnell größer wurden. Doch dieser kleine Schritt vor die Haustür hat meinen inneren Zustand komplett gewandelt und als ich auf einmal überall in den Fenstern Sterne, Schwibbögen und Kerzen sah, wurde ich ganz ruhig.

Die Frage, wie es uns geht, hängt sehr stark von unserem körperlichen Zustand ab. Je mehr wir in die Angst, die Wut, Verzweiflung oder Ohnmacht gehen, desto größer wird der innere Stress und desto mehr entfernen wir uns von uns selbst. Es ist, als ob wir dann immer mehr aus unserem Körper treten und uns immer weniger spüren.

Natürlich können wir uns nicht unbedingt aussuchen, ob wir gerade eine herausfordernde Phase erleben oder nicht, denn es gibt diese Zeiten, in denen sich immer wieder sehr unangenehme Gefühle zeigen, sodass wir diese Phase herausfordernder erleben als andere Zeiten. Entsprechende Trigger, die immer im unpassendsten Moment auftauchen, treiben das Stresslevel noch zusätzlich in die Höhe.

Doch wir können in jedem Moment ganz bewusst wählen, ob wir uns von den unangenehmen Gefühlen mitreißen lassen oder ob wir zurück in unseren Körper kommen und somit in die Ruhe und die Verbundenheit mit uns selbst gehen. Denn in jedem von uns gibt es einen Ort, an dem wir ganz bei uns sind. Sind wir mit diesem inneren Ort verbunden, so spüren wir Zuversicht, Gelassenheit und Frieden. Und dann können wir die Dinge, die im Außen passieren, beobachten, ohne in deren negativen Sog gezogen zu werden.

Die momentane Zeit lädt regelrecht dazu ein, diese bewusste Kontaktaufnahme mit uns selbst zu üben. Denn es gibt gerade sowohl die vielen Triggermomente als auch die Gelegenheiten, die uns dabei unterstützen, in die Ruhe zu finden und bei uns anzukommen.

Was sind deine ganz persönlichen Momente, in denen du mit dir in Kontakt trittst und die dich in diesen Zustand des Friedens bringen? Der Duft von Tannengrün? Ein Stern, der in der Dunkelheit leuchtet? Ein Spaziergang durch den ersten Schnee? Eiskristalle am Fenster? Ein gutes Gespräch bei Kerzenschein? Oder die Hirten auf der Pyramide, die zur Krippe laufen? In welchen Momenten spürst du, dass es bei allem Trubel im Außen einen Ort in dir gibt, an dem du berührbar bist und an dem Frieden herrscht?

Geh in Verbindung und berühre andere!

Ich möchte dich einladen, immer wieder still zu werden, dich ganz bewusst mit dir zu verbinden und bei dir anzukommen. Denn zum einen ist es ein ganz großes Geschenk, im Frieden mit sich selbst zu sein und die Welt da draußen zunehmend gelassener zu beobachten. Und zum anderen braucht es diese Verbindung zu sich selbst, um sich mit anderen verbinden zu können.

Wenn du dich selbst spürst, so kannst du auch dein Gegenüber spüren. Wenn du selbst mitfühlend mit dir umgehst, so bist du auch in der Lage, dich in die Situation und die Sichtweise von anderen zu versetzen und andere Ansichten zu verstehen. Und dann siehst du viel mehr die Gemeinsamkeiten und viel weniger die Unterschiede. Dies brauchen wir in diesen Wochen, in denen das Trennende immer größer wird, so sehr!

Das bedeutet aber nicht, alles zu akzeptieren. Vielmehr geht es darum, sich selbst zu spüren, auch eigene Grenzen ernst zu nehmen und liebevoll für diese einzutreten. Ohne Angriff, ohne Vorwürfe, ohne Schuldzuweisung. Dafür aber mit einer inneren Klarheit, die verdeutlicht, dass Dieses oder Jenes für dich nicht akzeptabel ist, sodass du freundlich aber bestimmt „Stopp!“ sagst. Denn wenn du mit dir selbst in Kontakt bist, spürst du sehr genau, was dir gut tut und was nicht und kannst dies freundlich aus einer inneren Verbundenheit heraus kommunizieren.

Ich wünsche dir, dass du in dieser Zeit immer wieder die Erfahrung machst, dass du bewusst wählen kannst, ob du in die Verbundenheit oder in die Trennung gehst. Und dass – wie so oft – alles bei dir beginnt. Komm also zur Ruhe, lass dich berühren und berühre dadurch andere. Auch in diesem Advent!

Dorothea Ristau

Zur Person: Als Selbsthilfe-Expertin begleitet Dorothea Ristau online wie auch offline Frauen, die auf ihrem Weg aus der Essstörung selbst aktiv werden und dabei nicht alleine sein wollen. Besonders setzt sie sich dafür ein, dass Betroffene auf ihrem Weg viele im wahrsten Sinne des Wortes berührende Momente erleben.

https://wege-aus-der-essstoerung.de

Doch auch im übertragenen Sinne möchte sie berühren und in einen echten Kontakt gehen. Weiterführende Informationen zum Thema des Kontakts stellt sie unter anderem im Mitgliederbereich von essmo: Wege aus der Essstörung kostenlos zur Verfügung.

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18 Kommentare zu “In Verbindung mit sich selbst und mit seinen Mitmenschen
  1. hannerose sagt:

    hallo dorothea,
    gestern ging es mir genau so.
    zuerst war kaufte ich in einem kl. spielwarenladen überraschungen für die enkelkinder und freute mich über die aussage der inhaberin: „bei mir wird niemand ausgeschlossen, hier dürfen auch ungeimpfte kaufen“. (ich bin geimpft)nachdem ich noch einiges andere erledigt hatte, flanierte ich völlig entspannt durch die altstadt und erfreute mich an der adventlichen beleuchtung und dekoration der schaufenster. dann setzte ich mich vor ein kl. café, indem die inhaberin alles selbst bäckt. ich mummelte mich in decken ein, trank chailatte und aß von dem köstlichen, angebotenen gebäck. als ich dem bunten treiben an den weihnachtsbuden zusah, die vorübergehenden beobachtete, trat genau das ein: ich fühlte plötzlich ein tiefe ruhe und einen tiefen frieden in mir. ein stilles glücksgefühl breitete sich in mir aus und wärmte mich.

  2. Julia Pahlke sagt:

    Liebe Dorothea,
    vielen Dank für deinen Text.
    Ich meditiere seit vielen Jahren jeden Tag. Das hat mit sehr geholfen bei mir anzukommen.
    Wenn das Bewerten und Urteilen aufhören kann und alles sein darf, wie es ist, schenkt das inneren Frieden und viel Freiheit für bewusstes und mitfühlendes Handeln.
    Ich wünsche allen, die Entschiedenheit in diese innere Kraft zu kommen.
    Wir brauchen Menschen, die ohne störende Gefühle weitsichtig handeln.

    Euch allen eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

    • Dorothea Ristau sagt:

      Liebe Julia,

      wie schön, dass dir das Meditieren geholfen hat, bei dir anzukommen und dass du den Frieden und die Freiheit nun genießen kannst.

      Alles Liebe,
      Dorothea

  3. Ursula Bergen sagt:

    D A N K E ! Von Herzen!

  4. Goerke sagt:

    Liebe Dorothea,
    vielen Dank für Deine Worte. Du sprichst mir aus der Seele. Was würde geschehen, wenn Dein Text auf den Titelseiten sämtlicher Tageszeitungen gedruckt wäre? Es wäre eine Wohltat für zig-Tausenden und ein wichtiger Impuls für Frieden.
    Felicitas

    • Monja sagt:

      Was für ein schöner Gedanke!
      Mhm…, jede/r einmal ausdrucken und wo zugänglich machen 😉

      • Dorothea Ristau sagt:

        Liebe Monja,

        auch ein prima Gedanke, der gerne Realität werden kann. 🙂 Bitte die newslichter und die Autorenbio als Quellenangabe nicht vergessen!

        Friedvolle Grüße,
        Dorothea

    • Dorothea Ristau sagt:

      Hallo Goerke,

      was für eine schöne Idee!!!

      Wenn dies ein interessierter Redakteur oder eine interessierte Redakteurin liest – einfach eine Mail an die newslichter und an mich und wir klären die Rechte.

      Lieben Gruß,
      Dorothea

  5. Dagmar sagt:

    Danke für diesen wundervollen Text. Es steht soviel wahres darin und sollte von vielen gelesen werden.
    Man fühlt das in ihm alle wahrgenommen werden….

    • Dorothea Ristau sagt:

      Liebe Dagmar,

      danke für die Rückmeldung. Genau das war mein Wunsch: Dass sich alle gesehen fühlen und dadurch Verbundenheit entstehen kann.

      Dorothea

  6. Elke sagt:

    Danke Dorothea,
    ich fühle das genauso.
    Ich habe gelernt den Advent zu pflegen und seine Wirkung zu genießen……
    Love and Peace to everyone.
    Namaste🙏

  7. Kerstin sagt:

    DANKE für Deine so wahrhaftige Schilderung, liebe Dorothea: tut echt gut! Newslicht im leuchtensten Sinne!

  8. Carola sagt:

    Ganz lieben Dank für deinen so schönen, mich stärkenden Beitrag. Passend dazu habe ich ein so tolles Erlebnis gehabt und passt hier aber nicht in 1000 Zeichen und reicht auch, wenn ich es nur erwähne.
    Herzlichst
    Carola

  9. Dorothea Ristau sagt:

    Schön, wenn er dich gestärkt hat, liebe Carola.

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