Wim Wenders – Desperado des liebevollen Blicks


Von Miriam Licht Ich erinnere mich noch daran, wie ich Ende der 80er Jahre staunend in München meinen ersten Wim Wenders Film sah: „Himmel über Berlin“ war nach acht Jahren in den USA Wim Wenders erster deutscher Film zurück in Deutschland. Damals hielt ich den Deutschen Wim Wenders prompt für einen amerikanischen Regisseur und Filmemacher.

Sein Wunder an Lebensfreude, den Dokumentarfilm „Buena Vista Social Club“ sah ich Jahrzehnte später im schönsten aller regionalen Kinos meiner neuen Heimat. Sah und hörte ihn. Wieder und wieder. Und kaufte mir die Musik. Trotz meiner großen Begeisterung für den Film geriet mir der Filmkünstler Wenders lange nicht im Blick. Sein genialer Film aber sehr wohl. Der Filmgeschichte geschrieben hat und um die Welt ging.

Auch „Don’t Come Knocking“ war mir eine Entdeckung, über die ich mich freute. Wenders Art eine Geschichte zu erzählen, diese sich – während des Drehs – entwickeln zu lassen, stellte regelmäßig eine gewaltige Herausforderung dar sowohl für ihn selbst als auch für seine jeweilige Film-Crew, Schauspieler*innen, Kameraleute, Ausstatter und Kolleg*innen. Die Werke, die entstanden, waren und sind um so beeindruckender.

Mit „Lisbon Story“ von 1994, entdeckt lange nach Erscheinen, genoss ich eine Jahrzehnte zurückliegende Reisefreude aus meiner Jugend noch einmal durch Wenders Film und seinen besonderen Blick in diese wunderschöne alte Kulturstadt Portugals.

Staunend danke ich Wenders für den Wagemut seines Dokumentarfilms über den brasilianischen Fotografen Sebastiao Salgado „Das Salz der Erde“ von 2014, entstanden in Co-Regie mit Salgados Sohn Juliano Ribeiro Salgado. Auch wenn ich mich selbst – aus für mich guten Gründen – an diesen Film nicht heranwage.

Zum 75sten Geburtstag des am 14. August 1945 in Düsseldorf geborenen Filmkünstlers Wenders entstand ein aufwendiger Dokumentarfilm über diesen vielbegabten und außergewöhnlichen Menschen und sein vielfältiges Werk. Dokumentarfilmer Eric Friedler und Co-Regisseur Andreas Frege kombinieren darin kunstvoll unveröffentlichtes Archivmaterial und Begegnungen mit Wegbegleiter*innnen und Zeitzeug*innen. Sie begleiteten Wenders außerdem ein ganzes Jahr durch seinen bewegten Künstler-Alltag. Entstanden ist ein berührendes Werk voll Tiefe und Reichtum über einen Künstler, der seine besondere Art, Geschichten zu erzählen in großer Fülle der Welt geschenkt hat.

„Wim Wenders, Desperado“ wurde mit Erscheinen 2020 in die „Official Selection“ des Internationalen Filmfestivals von Cannes als Teil der Sektion „Cannes Classics“ aufgenommen.

Mehr Inspiration:

https://wimwendersstiftung.de/

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5 Kommentare zu “Wim Wenders – Desperado des liebevollen Blicks
  1. Almut Lichte sagt:

    Danke, Miriam,
    dass Du auf Wim Wenders gezeigt hast…
    Ich liebte den Film: Im Lauf der Zeit (1976) und wußte nicht warum. So ein ungewöhnlicher Film, schwarz-weiße Kontraste an der Elbe und 2 Männer, die einfach gemacht haben, was sie wollten. Das wollte und habe ich dann auch.
    Herzliche Grüße von Almut

  2. gabriele sagt:

    In der, von dir Bettina, geposteten Antritts-Rede zur Verleihung des ihm verliehenen Ehrendoktors, spricht Wim Wenders auch über die Entstehung des Filmgedichts „Der Himmel über Berlin“. In dem sich zwei Engel der Sorgen und Nöte der Menschen annehmen.
    In verschiedenen Kontexten beschreibt Wim Wenders das SEHEN, unser aller Blick auf die Dinge um uns herum.
    Im „liebevollen Blick“ wird das erschaffen, wie und was wir SEHEN.
    Es war mir eine große Freude ihm dabei zuzuhören und neu auf die Welt zu blicken.
    Gabriele

  3. mark andre sagt:

    guten tag,
    dürfte ich fragen um den titel des songs im film „desperado“ 9´21″…
    im voraus vielen dank, beste grüße

    • Miriam sagt:

      Hallo Mark, „Straight Street“, gesungen von Ry Cooder. Im Text zum Film findest du die gesamte Song-Liste, einfach „ansehen auf youtube“ folgen. Liebe Grüße

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