Gegeben, um zu werden – Die schöpferische Kraft in unserem Leben

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Foto: Pixabay Von Mike Kauschke. Alles, was ist, ist uns gegeben. Ist uns gegeben worden, es ist uns im Werden gegeben. Wir selbst sind uns im Werden gegeben. Wir sind keine statische Form, sondern ein sich entfaltender Prozess. Und alles andere auch. Ein Prozess mit allem, eine Entfaltung von allem, die, soweit wir wissen, vor 13,8 Milliarden Jahren ihren Ausgang nahm – als nichts zu etwas wurde. Und was für ein ETWAS! Es wurde zu allem. Zu mir. Zu dir. Zum Meer und zum Mond, zum Baum und zum Berg, zum Igel und zum Iltis, zur Fabrik und zum Fahrrad, zum Gedicht und zum Gedanken, zum Krieg und zur Krise.

Es ist eine der Grundtatsachen unserer Existenz, dass das Leben in all seinen Dimensionen ein ständiger Fluss, stete Entfaltung und Bewegung ist. Wissenschaftlich fand diese Erkenntnis ihren Ausdruck in der Entdeckung der EVOLUTION. Alles Lebendige und damit auch wir selbst sind in einem riesigen, alles umfassenden, komplexen, andauernden Prozess geworden und werden weiter. Die Entdeckung der Evolution bezog sich zunächst auf die biologische Welt und die Entstehung der Arten, erwies sich aber auch als grundlegend für weitere Wissensgebiete wie Kosmologie, Entwicklungspsychologie oder Bewusstseinsgeschichte. Die kosmische Entfaltungsgeschichte ist somit Gegenstand der wissenschaftlichen Erkenntnis, und was sich darin von den Ausmaßen und Dynamiken des Lebens zeigt, ist atemberaubend.

Eigentlich ist Staunen die einzig angemessene Reaktion darauf. Der lebendige, verwobene, sich entfaltende Kosmos, der sich uns zeigt, ist auch ein poetisches Phänomen. Insofern wir ein Teil dieser Entfaltung sind. Und in unserem Bewusstsein formt sich diese Teilhabe zu dem Impuls, aus der Verbundenheit heraus als der Kosmos mit dem Kosmos zu sprechen. Poetisch ist unsere Existenz auch deshalb, weil wir immer schon durchdrungen sind von einer schöpferischen Bildkraft. Eine POETISCHE LEBENSKUNST gründet auch darin, die innere Verknüpfung mit dem Universum zunehmend tiefer zu erfahren, anzusprechen und das eigene Handeln davon leiten zu lassen.

Es ist ein radikaler Schritt in eine neue Identität: Ich bin der sich entfaltende Kosmos, der sich jetzt in dieser menschlichen Form erkennt und darin schöpferisch wirkt. Weil die Transformationskraft, die im Erwachen zu meiner wahren Natur liegt, dem Verstand nicht vollends zugänglich ist, brauche ich die Poesie. Sie kann in mir die Organe des Wahrnehmens und Wahrgebens ausbilden helfen, um diese Wahrheit nicht nur zu erkennen, sondern auch zu fühlen und schließlich zu sein. Die amerikanische Dichterin Mary Oliver fasste in ihrem Gedicht WILDGÄNSE diese Lebensankunft in Worte, die mich schon lange begleiten.

Wer immer du auch sein magst, egal wie einsam,
die Welt schenkt sich deiner Vorstellungskraft,
sie ruft dich wie die Wildgänse, rau und aufregend –
und deutet dir immer wieder deinen Platz
in der Familie von allem.

Aus dem Buch „Auf der Suche nach der verlorenen Welt – Eine Reise zur poetischen Dimension unseres Lebens“

www.poetische-lebenskunst.de

Die Wunder und die Wunden unserer Welt

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