Die Apothekerrose – Eine Liebeserklärung

Lesezeit 4 Minuten –

Dieses Jahr 2023 – das zweite Dürrejahr in Folge – ist ein Rosenjahr. Ganz Aditi mit seinen über 5.000 Rosen prunkt in Rosenfarben von hellgelb, orange, rosa-gelb changierend, pink, magentarot bis tief dunkelrot. An jedem Winkel umhüllt Dich dieser magische Duft, der üppig und doch zart ist, in einer anderen feinen Note – und das Leben schwelgt in Sinnlichkeit.

Und da es meine schöne Aufgabe ist, auch diese Königinnen zu hegen, war ich in den letzten drei Wochen damit beschäftigt, unsere Apothekerrosen zu ernten: Strahlend pinke, gefüllte Blüten, ein unbeschreiblicher Duft von sinnlich voll bis würzig zart – die Finger klebten von dem Rosenöl, die Sinne betört.

Und wenn nach einem langen Tag in sengender Sonne oder drückender Schwüle alle Gallicas abgelesen waren, so begrüßten mich am nächsten Morgen alle Rosen mit neuer Blütenpracht. Ein endloser Quell der Sattheit, Freude und Schönheit ! (kleiner Tipp für die Gärtner*innen unter Euch: Ihr müsst die Blütenböden der abgesammelten Blüten gleich abknipsen – dann beschenkt Euch die Rose mit immer neuen Knospen und Blüten)

Wer ist diese Königin der Rosen, die seit Jahrhunderten in unseren Breitengraden kultiviert wird und zu den Alten Rosen zählt ?

Im Februar 2019 pflanzte ich die ersten acht Apothekerrosen (Rosa gallica officinalis) – kaum verzweigte, hagere Jährlinge, mitten im Winter. Heute, vier Jahre später, haben sich diese acht Rosen zu prächtigen Büschen entwickelt, gut vier Meter im Durchmesser und trotz jährlichem, kräftigem Pflegeschnitt gut 1,50 Meter hoch. In den letzten Wochen sah man die Äste und das für eine Rose eher weiche Blattwerk kaum – so übervoll waren sie mit ihren strahlend pinken Blüten und goldgelben Mitte.

Sie ist eine Rose – stolz, aufrecht und kraftvoll – keine Frage. Doch jetzt zur Sonnenwendzeit ist sie vor allem ein Sinnesrausch – unbändig, überfließend und weich. So weich, dass ich es liebe, eines ihrer Blütenblätter an die Lippen zu halten – so unendlich zart und weich….

Und sie schenkt. Sie schenkt alles über und über aus ihrer inneren reichen Kraft und Fülle heraus, umhüllt jeden und alles mit ihrem feinherbsüßvielschichtigen Duft.

Ihren Namen „Apothekerrose“ hat sie bereits seit dem Altertum, denn die Apotheker wussten um ihre wundheilende, adstringierende Wirkung, vor allem im Mund- und Rachenbereich wie auch auf der Gesichts- und Schleimhaut, und bereiteten Auszüge aus den Blütenblättern.

Ich habe die Blüten natürlich destilliert. Auf offenem Feuer, in der 150-Liter-Alquitara auf offenem Feuer und mit Aditis Brunnenwasser. Ganz langsam und sanft brachte ich das Wasser im Kessel zum Dampf, dreißig Kilo Rosenblütenblätter an der Wasseroberfläche. Diesmal habe ich den Dampf kaum gekühlt. Über eine Stunde musste ich auf den allerersten Tropfen aus der Destille warten – doch dieser 1 Tropfen enthielt die ganze Magie von Tausendundeiner Nacht. Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein derart intensives, vielgesichtiges Rosendestillat vernommen zu haben wie da, was die Gallica mir – und Dir – in diesem Jahr schenkte.

Es sind 160 Flaschen geworden aus zwei Ernten. Ich hoffe, jede*r bekommt eine, denn Sinnlichkeit, Freude und Fülle tun uns jetzt allen gut !

Doch sie blühten weiter und weiter meine Gallica. Und so sammelte ich noch einmal viele Kilo Rosenblätter und trocknete sie zu Tee. In den Vorjahren waren sie kostbare Zugabe zum geliebten Königinnen-Tee. Dieses Jahr werde ich einige Packungen pure Rosenblüten herstellen – allerdings ist es so, daß von der geernteten Menge (sagen wir: fünf Kilo, das sind fünf Waschkörbe randvoll mit Rosenblütenblättern gefüllt) gerade mal ein Zehntel, also fünfhundert Gramm bleiben. Eine echte Kostbarkeit also. Aber ich werde sie Dir nicht vorenthalten… ein paar wenige Päckchen sind online verfügbar…

Und weil sie so wunderbar ist, meine Apothekerrose, habe ich vor zwei Wochen noch einmal um zweihundert Pflanzen aufgestockt. Die bewurzelten Jährlinge kamen auf die neue Fläche im Osten Aditis und treiben schon fleißig. Ich freue mich so sehr darauf, wenn „der Acker“ nächstes Jahr mit zwei langen, pinkfarbenen, duftströmenden Bändern geschmückt ist. Ein Segen für alles Sinne !!

Wenn Du tiefer in die Eigenschaften dieser besonderen Duftrose einsteigen willst, lies gerne in dem Pflanzenprofil weiter, das ich für die Rosa Gallica geschrieben habe.

Die Praxiswoche Destillation vom 11. – 15. August ist jedes Jahr wieder ein herrliches Zusammenkommen von Menschen, die sich für Heilkräuter und ihre traditionelle Zubereitung interessieren. In unseren 55.000 Quadratmeter umfassenden Permakultur Gärten werden wir gemeinsam ernten – natürlich von Hand ! Sonnenhut, Wermut, Ringelblume – alle einheimischen Heilkräuter wachsen hier in Fülle. Wir beobachten an unseren beiden großen Destillen (100 und 150 Liter), wie die kostbaren Essenzen von Wild Natural Spirit auf offenem Feuer entstehen. Und alle Teilnehmenden können an kleinen Destillen ihr eigenes, selbst gesammeltes Destillat  fertigen.  Hier mehr Infos und Anmeldung: https://wild-natural-spirit.org/produkt/praxiswoche-destillation-august/

 

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Evelin Rosenfeld
Evelin Rosenfeld

5 Kommentare

  1. Danke für diesen tollen Beitrag. Wir haben eine dieser Rosen auf dem Balkon und erfreuen uns auch jedes Jahr an dem paradiesischen Duft. Letztes Jahr haben wir Rosenzucker gemacht, dieses Jahr einen Likör. Die Rose lädt einfach dazu ein, besondere Sachen aus ihr herzustellen. Unsere blüht immer nur einmal, den Tipp mit dem ausknipsen werden wir mal im Hinterkopf behalten.

  2. Liebe Evelyn, mich hat deine poetische und zugleich sachliche und fühlende Beschreibung deiner Rose stark berührt; ich habe dann gleich bei dir nach dem Thymian geschaut und alle deine besonderen Pflanzenprofile weitergesendet. Herzlichen Dank für dein Wirken und ich bin gespannt, was du in Zukunft machen wirst. Liebe Grüße

  3. Seit Jahren bin ich immer wieder beglückt vom intensiven Rosenduft im Garten meiner Schwägerin. Gerne hätte ich auch so eine Rose- und nun erfahre ich das erste Mal ihren Namen und kann mich auf die Suche machen.
    Herzlichen Dank für deine wundervolle Arbeit, liebe Evelin.

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