Dein Name als einmalige Melodie

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Foto: Pixabay Im abgelegenen subtropischen Nordosten Indiens liegt das Dorf Kongthong – umgeben von hohen Bergen und tiefen Schluchten. Hier gibt es eine einzigartige Tradition: Wenn ein Kind geboren wird, wählen die Eltern gleich drei Namen. Ein „normaler“ Name und zwei Melodien – eine kurze und eine längere. Der „normale“ Name wird nur bei offiziellen Anlässen benutzt. Diese einzigartige, jahrhundertealte Tradition der Melodievergabe nennt man „jingrwai iawbei“. Die lange Melodie wird benutzt, um jemanden bei der Arbeit auf den Feldern oder im Wald zu rufen, die kürzere ist mehr ein privater Kosename. Die behutsame Wahl einer bestimmten Melodie nur für dieses Kind ist ein Zeichen der besonderen Liebe der Eltern für das Neugeborene. Die Töne werden intuitiv so gewählt, dass sie zum Kind passen. In der Tonfolge ist allerdings immer auch eine Ehrung der ersten Mutter unter den Vorfahren enthalten mit einer Bitte um ihren Segen.

Wenn man durch dieses Dorf geht, hört man sanfte Melodien in der Luft schweben, wenn Menschen sich rufen. Die gerufene Person antwortet mit einer Wiederholung der ureigenen Melodie.

Diese Melodien werden immer nur einmal vergeben, so dass zwei Personen nie mit der gleichen Melodie gerufen werden. Sie sind eine lebenslange Identität in Form einer wortlosen Tonfolge. Wenn eine Person stirbt, stirbt auch ihre Melodie und wird nie wieder für eine andere Person benutzt.

Was wohl unsere ureigenen Melodien wären?

„Mein Name klingt aus deinem Mund
wie ein Gedicht, wie reiche Fülle,
wie ein Gebet in tiefer Stille,
wie Tau, der aus den Zweigen rinnt.“

(„Aus deinem Mund“ –  Giannina Wedde, Herzkammer der Nacht, echter Verlag, 3. Auflage 2023)

Hören kannst du eine solche Melodie hier: https://soundcloud.com/user-289861732/kongthong-melody

Mehr darüber:

https://www.bbc.com/travel/article/20211123-kongthong-the-indian-village-where-your-name-is-a-song

Zur Person: Vera Bartholomay ist Autorin, Seminarleiterin und Therapeutin mit Themen wie persönliche Entwicklung und ganzheitliche Körperarbeit. Ihre Bücher: „Herzen berühren – Sehnsucht nach tiefen Begegnungen“, „Projekt Sehnsucht. Ein Mutmachbuch für alle, die von der Selbstständigkeit träumen“ und demnächst als erweiterte Neuausgabe „Heilsame Berührung von Körper, Herz und Seele“. www.vera-bartholomay.com

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12 Kommentare

  1. Vielen Dank, Vera, für diese interessante Information. Die Melodie klingt sehr individuell, und recht hoch. Ich hoffe, man darf die Tonlage ändern, wenn man sie nutzt ;-).

    Die Tradition spricht mich sehr an, sie gibt mir ein Gefühl von Wärme, das sich innerlich ausbreitet.

    • Liebe Gabriele, auch ich würde die Tonlage etwas ändern, wenn ich mir eine Melodie aussuchen dürfte. Die Töne, die in einer Berglandschaft stimmig sind, klingen hier anders. Aber wir haben doch alle Freiheiten! Herzlichst, Vera

  2. Dank dir, liebe Vera – so schön! Jetzt noch deinen Namen singen zu können … Wir sind ja schwingende Wesen. ALLes schwingt und klingt, ob unsere MenschenOHREN es zu hören vermögen oder nicht. Genieße gerade hörend von Joachim-Ernst Berendt die Sendereihe „Die Welt ist Klang“ (auf CD). Lausche durch dein Erzählen jetzt auch nach innen, meine Melodie zu hören. Schon das Lauschen schenkt mir lichte Weite und Wärme. Herzgrüße zu dir, Miriam

    • Liebe Miriam, die CD „Die Welt ist Klang“ habe ich auch hier – eine gute Idee, sie nach vielen Jahren noch einmal intensiver zu hören.
      Gruß, Vera

  3. Ich habe in verschiedenen Kreisen zuletzt mit Sabine van Baaren erfahren dürfen, wie schön und berührend es ist, wenn eine Gruppe für einen den Vornamen chantet. Danke Vera für die Erinnerung!

  4. Danke Vera, für mich eine Erweiterung meines Kenntnisses. Ich weiß schon, daß in einem Stamm in Afrika die Frau, wenn sie schwanger ist in den Wald geht und sich dort eine Melodie holt. Wenn sie eine gefunden hat, begleitet diese Melodie dem Kind ab dem Moment. <3 <3 <3

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