Das Leben ist schön

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Vielleicht denkst Du bei diesen Worten auch sofort an den gleichnamigen, auf biographischen und autobiographischen Fakten beruhenden Film (1997) von Roberto Benigni, in dem ein Vater seinem 5-jährigen Sohn in einem Konzentrationslager vorgaukelt, das KZ wäre ein Spiel. Das Kind spielt mit Begeisterung mit und überlebt. Und ich möchte Dir – mit großem Respekt und Mitgefühl für jeden Menschen, der gerade Leid erfährt – sagen: Alles, was Dir in diesem Moment negativ, schwer, unüberwindbar und vielleicht sogar unerträglich erscheint, ist ein verschwindend kleiner Teil im Vergleich zu all dem, was in Deinem und unseren Leben weltweit jeden Tag wunderbar funktioniert und nicht einmal unser aktives Zutun verlangt. Das Einzige, was Du zu tun brauchst, ist es Dir bewusst zu machen und Deine Aufmerksamkeit darauf zu richten, um mehr davon zu Deiner Realität werden zu lassen.

Die meisten Menschen wissen und tun das nicht. In der Regel werden wir erst wach, wenn etwas von all dem, was wir für selbstverständlich nehmen, plötzlich aufhört zu funktionieren. Unser Atem. Der Sonnenaufgang. Die Stabilität der Erde in ihrer Umlaufbahn. Und gleichzeitig gibt es Menschen, die es längst verstanden haben. Einer davon war Hans Rosling (1948-2017), ein schwedischer Arzt und Professor für Internationale Gesundheit am Karolinska Institutet in Stockholm. Mit der Gründung des Gapminder Institutes in Stockholm im Jahr 2005 widmete er sich der Vermittlung von Factfulness und damit dem Erreichen einer offenen Geisteshaltung für Ansichten und Urteile, die nur auf soliden Fakten basieren. Er wollte den Menschen helfen, unsere Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Denn er erkannte im Laufe seines Lebens, dass unser Gehirn uns ständig zu dramatisierenden Perspektiven verführt, die nicht der Realität entsprechen. Rosling erhielt weltweite Anerkennung für seine Arbeit, wenn sich auch nach seiner Ansicht aufgrund dieser Arbeit nicht sehr viel änderte. Ungeachtet dessen liefern Rosling und seit seinem Tod seine Kinder weiterhin durch Gapminder beständig die Fakten dafür, wie schön und richtig unsere Welt ist.

Dass unsere Gehirne dennoch lieber dramatisieren als sich auf das zu fokussieren, was bereits alles funktioniert und gut ist, ist eine uralte Gewohnheit. Und die gute Nachricht ist: Es ist eine Gewohnheit, die wir verändern können. In meiner Erfahrung ist es sinnvoll, das zu tun. Denn wir verpassen sonst eine Realität, die so viel besser ist, als wir es ihr in jedem Moment zugestehen. Und das verführt uns immer wieder zu Entscheidungen, Handlungen und Worten, die uns in Richtungen führen, die uns nicht gefallen.

Das Leben ist schön. Und wenn uns ein Arzt sagt, dass unser Leben nur noch ein paar Wochen dauern wird, erkennen wir das manchmal und verlieren unseren gesamten negativen Fokus und unsere ganze Angst. Ein ausdrucksstarkes Beispiel dafür liefert der deutsche Film Angsthasen von Franziska Buch aus dem Jahr 2007. Beweise dafür, wie schön das Leben ist, findest Du in jedem Moment. Immer wieder. Wenn Du Deinem Gehirn beibringst, sich darauf auszurichten. Es braucht dafür Deine liebevolle, geduldige und konsequente Unterstützung. Es braucht Deine Hingabe an das was ist. Und es braucht Deine Bereitschaft, nicht mehr gegen das, was schon ist, anzukämpfen, sondern Dich mit aller Wachheit an den tatsächlichen Fakten entlang zu hangeln und Dich auszurichten auf das, was Du wirklich, wirklich willst. Fakten sind immer nur das, was nicht bestreitbar ist. Alles andere sind Meinungen. Ein Mensch schießt auf einen anderen. Dieser wird getroffen und sein Herz hört auf zu schlagen. Das sind Fakten. Über das Warum, das Woher und das Was Jetzt, kann sich unser Gehirn in die Geisteskrankheit stürzen. Es verarbeitet dann keine Fakten mehr sondern Geschichten, die es sich über Fakten und oft sogar nur über angebliche Fakten erzählt.

Das ist auch der Grund, warum bei einem Autounfall drei verschiedene Zeugen drei völlig unterschiedliche Berichte abgeben. Oder ich sitze auf meinem Lieblingssofa, im Kamin knistert das Feuer, und ich mache mir Sorgen. Die Fakten sind eine Frau, ein rotes Sofa und ein Feuer im Kamin. Was in meinem Kopf abläuft hat nichts mehr mit Fakten zu tun. Ich führe Selbstgespräche und produziere vielleicht ganz großes Kino. Nichts davon passiert gerade wirklich. Ich erzähle mir eine Geschichte über die Vergangenheit oder die Zukunft. Noch dazu eine, die mich erschreckt, die meinem Körper Schmerzen bereitet und mich anschließend vielleicht sogar nachts nicht mehr schlafen lässt. Und möglicherweise erzähle ich sie am nächsten Tag auch noch meinen Freunden. Unsere Geschichten können über viele Generationen hinweg so alt und so lang werden, dass wir mit der Zeit den Sinn für die Gegenwart verlieren und gar nicht mehr im Blick haben, wer wir sind und worum es heute für uns geht. Ein Interview mit Vladimir Putin aus diesen Tagen bietet ein gutes Beispiel für eine solche Geschichte, die bereits um ein Vielfaches älter ist als alle Protagonisten, die sich heute auf der politischen Weltbühne mit einander bewegen. Putin erzählt sie in vielen Einzelheiten über zwei Stunden hinweg. Ich kann seine Geschichte nachfühlen. Auch ich habe sie lange Zeit erzählt. Und manchmal tue ich es noch. Ihr Titel lautet Ich habe Recht. Sie hat ihre Gründe. Doch sie führt uns nicht in die Zukunft, sondern immer nur in neue Sackgassen.

Es geht heute um einen Neuanfang. Dabei darf das, was vor 1000 Jahren war, ebenso ruhen, wie das, was Gestern war. Eine offene Geisteshaltung, Factfulness, Verzicht auf Rechthaben und Schuldzuweisung, Mitgefühl und eine klare Ausrichtung auf das, was wir jetzt überall auf der Welt in Familien, Gemeinschaften, Organisationen und Regierungen co-kreieren wollen, sind Zutaten, die uns in unseren persönlichen, lokalen und globalen Suppenküchen weiterbringen. Was wir erleben wollen ist mehr Frieden. Was wir erleben wollen sind mehr Zuhören, Wohlstand, Gemeinschaft, Freiheit, Liebe und Freundschaft. Was wir erleben wollen sind mehr Klarheit, Güte und Weisheit. Und da wir das wollen, ist es an jedem von uns, sich darauf auszurichten und zu lernen, all das, was wir wollen, zu verkörpern in unseren Worten, Gedanken, Gefühlen, Handlungen und Entscheidungen. Wir können nicht mehr warten, bis ein anderer es tut und diesem unsere eigene Macht überlassen. Der Titel einer neuen Geschichte könnte lauten Ich übernehme Verantwortung. Für meine Wahrnehmung unserer gemeinsamen Gegenwart, und meine Ausrichtung auf eine Zukunft, die ich sehen will.

Wenn Du Dich jetzt fragst, wie das geht, habe ich ein paar Impulse für Dich: Gib zunächst das Rechthaben auf. Das bringt Frieden. Werde neugierig und verlege Dich aufs Nichtwissen. Das öffnet den Geist. Mache Zuhören zu Deiner täglichen Meditation. Und es breiten sich Klarheit, Güte und Weisheit in Dir aus. Und öffne Dich für neue Informationen, Inspirationen, Verbindungen, Welten und Geschichten. Damit erweiterst Du Dein Fundament für bewusste Evolution, Wohlstand, Gemeinschaft, Freiheit, Liebe und Freundschaft.

Das Leben ist viel zu schön, um diese Schönheit zu verpassen.

 

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Claudia

Claudia Shkatov
TELLING A NEW STORY

www.claudiashkatov.com
Mentoring for a New Time

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18 Kommentare zu “Das Leben ist schön
  1. Liebe Claudia!
    Wieder einmal berühren mich deine Worte … denn sie erzählen eine Geschichte von Zukunft, wie ich sie mir ebenfalls wünsche.
    Ja, nicht immer einfach, uns von der Gewohnheit zu trennen – das merke auch ich jeden Tag.
    Beim Fotografieren ist mein Fokus allein auf die Schönheit der Natur ausgerichtet, und mein Wunsch ist es, das mit den Menschen zu teilen, um auch ihren Blick dorthin zu lenken.
    https://imke-rosiejka.de/hingucker-archiv/
    Ich wünsche uns allen diesen von dir beschriebenen Fokus!
    Herzensgrüße
    Imke

  2. Gerhard sagt:

    Danke Claudia,

    eine schöne Einladung, die ich gern annehme. Ich erlebe allerdings, dass die Idee, dass die Idee, dass es so etwas geben könnte wie „Ansichten und Urteile, die nur auf soliden Fakten basieren“ sehr einlädt zum Rechthaben. Schließlich müssten ja dann alle, die die richtigen Fakten haben zur gleichen Ansicht und zum gleichen Urteil kommen wie ich, oder nicht? Auch die Fakten von Rosling sind in meiner Sicht eine Auswahl geprägt von einer Weltsicht wie alle anderen auch. Nicht gut, nicht schlecht – nur nicht „die Wahrheit“.

    Herzliche Grüße

    • Lieber Gerhard, vielen Dank für Dein Mitfühlen und Mitdenken und Weiterdenken! Und niemals werden alle zu demselben Standpunkt kommen wie Du, selbst wenn wir die gleichen Fakten zugrunde legen. Denn ich sehe etwas anderes, wenn ich den Mond, ansehe als Du. Selbst wenn der Mond gerade für uns beide eine Tatsache ist. Und das ist gut so. Mein zentraler Punkt ist der Unterschied zwischen der Ausrichtung auf das Drama (im Kopf) oder den Moment (der immer gut ist – weil verbunden mit allem was ist). Ganz lieben Gruss, zu Dir!

  3. Monika sagt:

    Danke Claudia, dein Anstoß hat mich geradezu in mein Hier und Jetzt zurück katapultiert.
    Auch dir Gerhard, Danke für deine Worte.
    MIR hilft gerade sehr, das Bleiben im Jetzt. So, wie es augenblicklich ist.
    Danke für eure Unterstützung 🙏🏼❤
    Monika

  4. Elke Marion sagt:

    Liebe Claudia, ich lese deine Ausführungen sehr gerne. Du versuchst immer wieder den Spagat zwischen scheinbaren Widersprüchlichkeiten aufzuzeigen. Natürlich gibt es nicht eine Wahrheit, aber reine Gegenständlichkeit (was, wer, wie, wann etc.) und Dramatik. Ja, wir versteigen uns immer wieder in vergangenen Geschehnissen und Ansichten. Putin hat sich extrem verwickelt darin.
    Das Leben ist schön. Das Leben ist.
    Vielen lieben Dank immer wieder für deine Gedanken!

  5. Jeanette Killmann sagt:

    Was für ein wundervoller Text. Was für ein wahrer Text. Was für ein hoffungsvoller Text.
    Deine Worte haben mich ganz tief berührt und mir tatsächlich die Tränen in die Augen schiesen lassen…
    Gerade gestern war dies genau das Thema, welches ich mit meinem Mann besprach, der genau in diesen Denkmustern gefangen ist und leidet. Ich denke, ich werde ihm diesen Text mal weiterleiten….
    Danke!

  6. Liebe Jeannette, danke für Dein liebevolles Mitschwingen und auch für Deine Berührung und vor allem für Deine zärtlichen Tränen :-). Und wenn ich mir etwas wünschen darf, dann dass meine Texte nur aus der reinen Freude oder Begeisterung heraus weitergeleitet und geteilt werden und ganz ohne die Absicht, damit den Standpunkt eines anderen Menschen zu verändern. Liebevoller und nachhaltiger ist es in meiner Erfahrung immer, den eigenen zu überprüfen, wenn ich Veränderung wünsche. Herzensgruss!!

  7. Jumana sagt:

    WOW!!! Danke schön, liebe Claudia!

  8. Frauke sagt:

    wirklich, liebe Claudia, Du hast ein grosses Talent, sowohl mit manchmal wenigen als auch mit vielen Worten Dinge einerseits auf den Punkt zu bringen und gleichzeitig etwas Neues anzustossen. Danke für Deine berührenden Gedanken und Worte. Für Deine Impulse.

  9. Stefan Feldenz sagt:

    Liebe Claudia Was für eine weise, liebevolle Klarheit, was für eine Geistesgegenwart im jetzt und hier verortet. Deine Ausführung ist bis ins Deteil so unmittelbar zu spüren, dass es eine nachhaltige Freude ist. Ich habe Dich heute zum ersten Mal gelesen und verneige mich in Herzenswärme. Mögest Du noch viele Menschen erreichen……. Stefan

  10. Satya sagt:

    Hallo Claudia, Du bist seit einiger Zeit meine Lieblingsautorin geworden und ich genieße es !!!
    Auf die Geschichte mit der radikalen Selbstverantwortung bin ich vor einigen Jahren gekommen – wie heilsam das ist !
    Und diese Konditionierung mit dem Jammern, auch wenn es nur unauffällig zwischen den Zeilen ist bzw. dann irgendwo doch noch mitschwingt – es macht mir Spaß, das zu untersuchen und mir auf die Schliche zu kommen.
    Ich will mich endlich mal umfassend bei Dir bedanken, Deine Artikel machen mir immer wieder sehr viel Freude – durch Deine sprachliche Vielfalt, Fantasie und Kreativität – und weil ich mich oft darin wiederfinde. In diesem Sinne : weiter so 😁 – und herzliche Grüße aus Lanzarote ☀️☀️☀️ wo ich eine längere Auszeit genieße, nur für mich alleine
    Satya aus Aachen

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