Österliche Freudenzeit

Lesezeit 3 Minuten –

Die Osterzeit beginnt mit dem Osterfest. (Auch wenn wir inzwischen oft denken, sie endet damit.) Was mit Ostern endet, ist die Erdgeschichte von Jesus/Yeshua. Die ist mit der Auferstehung vorbei.

Und es beginnt eine neue: Die Geschichte der „Zwischenzeit“. Die alte (irdische) Geschichte ist vorüber, die neue (himmlische) beginnt erst mit Himmelfahrt. (Und die Kirchengeschichte dann mit Pfingsten.)

Das sind natürlich kirchlich-theologische Setzungen – und gleichzeitig zeitlose Wahrheiten.

Wir alle kennen Zwischenzeiten: Etwas ist vorbei, das Neue vielleicht ersehnt oder erahnt, aber noch nicht manifest, es entgleitet uns noch.
So wie der auferstandene Yeshua seinen Freund*innen immer wieder entgleitet. Er erscheint, manchmal durch geschlossene Türen. Er isst und trinkt mit ihnen, um dann von einem auf den anderen Moment spurlos zu verschwinden. Mal sagt er „Fass mich nicht an!“, mal lässt er seine Wunden betasten. Manchmal erkennt man ihn, manchmal scheint er ein Fremder zu sein.
Es sind eher Visionen als greifbare Erlebnisse.
Deutlich genug, um zu realisieren: Er ist nicht (mehr) tot, es geht weiter – doch wie?
In der Zwischenzeit ist das völlig unklar.

Der Frühling hat auch etwas von dieser Zwischenzeit: Es beginnt zu grünen, doch noch nicht voll. Bis zum Mai sind die Wälder – jedenfalls hier in Norddeutschland – noch kahl oben, kein dichtes Blätterdach, her ein Hauch von Grün – und darunter ein Teppich von Buschwindröschen. Die jungen Bäume sind hellgrün, die Obstbäume blühen und die üppige Jahreszeit von Spätfrühling und Frühsommer lässt sich ahnen – doch da ist sie noch nicht.

Auch gesellschaftlich leben wir gerade in so einer Zwischenzeit. Die alte Ordnung ist marode, zerbröselt an allen Ecken und Enden, manchmal ahnen wir das Neue – und dann entzieht es sich wieder. Dabei wäre es doch so schön, wenn es schon da wäre und uns das Chaos erspart bliebe.

Doch es gibt in der Regel keine Abkürzung. Für uns Einzelne nicht, und für uns als Menschheit, die auf eine neue und wieder wirklich respektierte Erde wartet, eben auch nicht.
Wir dürfen Ausschau halten nach den Zeichen der Auferstehung, des „neuen Wir“, nach den Geschichten und Visionen, die unser neues Narrativ formen können. Hinschauen zu den Pionieren, die – im Yoginidome, im newslichter-Wagen wie auf Aditi, Tamera und Findhorn – vorangehen, im Fühlen, im Tun, im Sein.

Die Zwischenzeit nach Ostern heißt „österliche Freudenzeit“

Das ist doch was! Modern nennen wir es „Reframing“ – da wird aus der anstrengenden und unsicheren Zwischenzeit die Freude auf das Neue, das Abenteuer des Ent-Deckens und der Visionen. Wir erleben Chaos, Tod, Trauer und Unsicherheit und halten gleichzeitig fest am Glauben an die Auferstehung, den Neubeginn, der (ge)heil(t)en Menschheit und der Erde. Immer wieder. Immer neu. Mal hältst du fest am Vertrauen, mal ich. Wir erzählen einander von eigenen Auferstehungserfahrungen und von den Visionen anderer. Alle dürfen sein und sich verweben. Sich sogar widersprechen.

Die Geschichte von damals – die von Yeshua und seiner Auferstehung/Auferweckung – ist auch nicht aus einem Guss, doch verwebt und sie hat bis heute überlebt.
Wir dürfen sie weiterweben, Neues dazu weben, ganz Neues kreieren und gemeinsam an der „neuen Welt“ weben – im Visionieren, im Halten, im Kreieren, im Bewahren, im Probieren, im Scheitern und Neu-Beginnen.
Eben im Menschsein. Halleluja!

Das geht immer, natürlich. Doch die Osterzeit, die „österliche Freudenzeit“, der Frühling machen es – oft – einfacher.

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Dorothee Kanitz
Dorothee Kanitz

Dorothee Kanitz ist Mitglied des newslichter next level Teams, Autorin, Seelfrau und Wegbegleiterin. www.meditation-spirit-ritual.de

3 Kommentare

  1. ❤️ Danke für den österlich sonntäglichen Text Dorothee.
    Ich lese Deine Texte immer sehr gern.
    Gerlinde

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