Die Bedeutungslosigkeit von Menschsein

Lesezeit 3 Minuten –

Seit Jahren schon trägt meine Homepage den Namen www.mensch-sein.net. In letzter Zeit jedoch frage ich mich immer häufiger, was das in Wahrheit heißt? Was bedeutet es, Mensch zu sein? Wie ist Menschsein gedacht? Vor allem von wem? Ist es überhaupt gedacht?

Vor kurzem tauchte dann eine weitere, geradezu dreiste Frage in mir auf: Was, wenn Menschsein frei von jeglicher Bedeutung ist? Frei schwingend, lebendig, wie ein See, der sich in der Tiefe klärt, gleichgültig wie es an der Oberfläche aussieht? Und – was, wenn es für Frieden, wonach sich Menschsein so sehnt, nur eines bräuchte: Bedeutungslosigkeit? Bedeutungslos, nicht im Sinne von unwichtig, sondern von frei. Frei von Geschichten, von Schichten, die sich in uns Menschen aufgetürmt haben, an denen wir festhalten, um aus ihnen zu lernen.

Ich frage weiter: Welche Instanz schafft Bedeutungen? Der erste Blick fällt in den Raum des Verstandesbewusstseins. Als Kinder lernen wir eine Sprache und mit ihr geben wir allem, was sich im Leben zeigt, eine Bedeutung. Im Laufe der Jahre reift das Kind zu einer Persönlichkeit heran. Das eigene Menschsein wird bedeutsamer und der Mensch selbst nimmt die Dinge persönlich. Nicht, dass all dies keine Berechtigung hätte. Nein. Über den Verstand kann das Leben in all seinen Facetten erforscht werden. Der Verstand schenkt Orientierung.

Sich jedoch ausschließlich an ihm zu orientieren heißt, sich an Trennung zu orientieren. In der Wahrnehmung von Trennung kommt der Mensch nicht umhin, aus sich heraus auf etwas im Außen zu deuten. Der erste Schritt in die BeDeutung. Wird die Deutung dann auch noch mit einer BeWertung belegt, wird das Spannungsfeld der Trennung immer größer. Die Spannung zwischen Innen und Außen wächst. Zwischen zwei Menschen stellt sich dann nicht selten die Frage: Hat das Ich recht oder das Du? Hat das Ich mehr Gewicht oder das Du?  Ist die „Meinung“ oder die „Deinung“ von größerer Bedeutung? Beziehungen entstehen.

BeZiehen kostet Kraft. Wer setzt sich durch? Ich oder Du? Kein Ich und Du. Der Tanz des Lebens wird zum Kampf, in dem alle verlieren. Ohne UND regiert die Isolation. Himmel und Erde sind weit voneinander entfernt. Anstatt Verbundenheit zu feiern, wird – allen spirituellen Praktiken zum Trotz – weiterhin Trennung fokussiert. Allzu verständlich, wie ich meine, denn wer möchte schon gerne ohne Bedeutung sein? Nicht gerade leicht, mir nichts, dir nichts, dem allgemeinen Meinungsdruck zu widerstehen und die kollektive Angst vor Ablehnung abzuschütteln.

Wenn jedoch jede Art von Deutung und Bedeutungsfindung der Trennungsidee immer noch mehr Tragweite gibt, könnte es da nicht an der Zeit sein, davon abzulassen? Könnten wir uns nicht einfach mal das Leben wie ein Gemälde in Gänze anschauen und wissen: auch wenn wir nichts darüber wissen und dem Bild keine Bedeutung geben, ist es nicht Nichts.

Wenn Du Dich noch ein wenig mehr auf Bedeutungslosigkeit einlassen möchtest, so hör dir gerne die kostenfreie Audiodatei auf meiner Homepage an www.mensch-sein.net

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Jutta Hollenbach
Jutta Hollenbach

Nach gut 25 Jahren, in denen ich v.a. als Logopädin und Stimmbildnerin tätig war, habe ich über den Beruf zur Berufung gefunden. Verbunden mit der Stimme der Intuition entdecke ich reines HinHören als innere Offenbarung und Klang als universelle Sprache. So dienen mein Schreiben und mein Seelentongesang dem Vertrauen, dass alles, was erhört und angenommen wird, in seine ursprüngliche Kraft zurückfindet. Mit dieser Botschaft und meiner Erzählung „Die Legende vom UrKlang“ gehe ich nun auf Reisen – in meinem KlangMobil.  www.mensch-sein.net

15 Kommentare

  1. Liebe Jutta, die „Bedeutungslosigkeit“ ist in allen mir bekannten spirituellen Wegen ein zentraler Asspekt. Etwas verunstaltet auch als „Egolosigkeit“ im Mainstream angekommen. Bei mir schlug sie mit aller Wucht in den frühen Dreißigern ein – gerade zu einem Zeitpunkt, als ich nach müheseligen Studiums- und Karriereanstrengungen ein bisschen „Bedeutung“ erkämpft hatte. Und siehe da: Die Bedeutugslosigkeit war eine große Befreiung. Zum einen, weil ich in die Geborgenheit der allgegenwärtigen und liebenden göttlichen Kraft „fiel“ zum anderen, weil sie mir die Freiheit gab, unabhängig vom Urteil „der anderen“ zu tun, was meine Seele mir zeigte. Und das große „Und“ ist mein ganz persönliches Zauberwort. Danke für deine Gedanken. Mögen sie die Kämpfe im Innen und Außen beschwichtigen, mögen sie die Narrenfreiheit großzügig streuen. Herzensgruß

    • Vielen Dank liebe Evelin,
      UND weil wir beide das Wörtchen UND so schätzen…
      Hier noch ein Gedicht von mir…

      VerbUNDenheit

      Habt ihr schon einmal euch gefragt,
      was das Wörtchen „und“ durch seine Buchstaben euch bildlich sagt?

      Das u – es streckt so arglos seine Arme nach dem Himmel aus,
      das n – es traut so ganz und gar dem Boden, ist auf ihm zuhaus.
      Das d umarmt das u, das n, macht aus beiden einen Kreis
      und wächst ganz unbekümmert über sich hinaus.

      Die Liebe ist es, die die Quadratur des Kreises in sich eint,
      sie ist es, in der das UND ganz selbstverständlich scheint.

  2. Liebe Jutta, ich danke dir von ganzem Herzen für diesen Beitrag.
    Wow, völlig andere Betrachtungsweise…. ja….
    Und auf einmal schaut Vieles anders aus. Mhm, das berührt mich…
    Fühle sowas wie frische Luft….

  3. liebe Jutta vielen Dank für deine Worte. Ich mache mir auch schon lange darüber Gedanken. und in mir taucht immer wieder der Begriff Demut auf. Demütig dem Leben gegenüber. Ich frage mich manchmal auch, was sich das Universum mit uns Menschen gedacht hat. Ich denke auf jeden Fall, nicht in Trennung und Krieg zu gehen. Für mich ist immer wieder die Essenz, dass wir hier sind, um Gutes zu tun. Die Welt besser zu verlassen. Also nicht im Sinne von heilig sein oder perfekt sein oder ohne Ego sein, sondern uns jeden Tag bemühen, unser Bestes zum Wohle aller zu geben. 🙌🏼🫶🏼🤘🏼

  4. ….wooohooow🥰 ….wundervoll!!!! 💜

    Und Danke, liebe Jutta, für Deinen feinen Blickwinkel auf „Bedeutung / Wichtigkeit und – slosigkeit“….daraus mag ich für mich eine Achtsamkeitsübung ableiten, was sich wie in meinem Körper anfühlt….und in welchen Tonlagen die jeweilige Qualität sich „verstimmlichen“ mag 😉

    Herzlichst,
    Dagmar

      • ….ja, sehr gerne…..für mich hat sie die Qualität einer wohligen Pause in Stille und innerer Ruhe….. einem feinen Abstand Nehmen vom „angestrengt Fühlen“ und „tun Müssen“…….mittels „humming breathing“ aus dem Yoga mag ich sie ausdrücken….mmmmm….seufzend ausatmen und summen…..meine Stimme findet ihren passenden Ton ganz von selbst, wenn die Körperspannung abfließen kann🥰

        Alles Liebe und herzliche Grüße zu Dir

  5. …und – angeregt von Jorge Amado’s Erzählung „Der gestreifte Kater und die Schwalbe Sinhà“ , welche ich aktuell lese – fällt mir auf, daß mich unsere Dorf-Streunerkatze die „Bedeutungslosigkeit von Menschsein“ spüren läßt, wenn sie es sich in unserem Garten gemütlich macht…..sie nimmt mich wahr, will einen gewissen Abstand zu mir gewahrt wissen…..und genießt ihr Dasein – unabhängig davon, ob ich da bin oder nicht….sehr entspannend 🐱 🐈 ☺️ Katzen sind so coole Lehrmeister*innen….kannst Du, liebe Jutta, damit etwas anfangen?

    Liebe Grüße

    • So wie ich den Kontakt mit Tieren erlebe, lebt er von Gelassenheit. Tiere, und ja, v.a. Katzen, empfinde ich so, dass sie von Natur aus in sich gelassen sind. Wenn ich dann zufälligerweise in mir auch noch gelassen bin, ist der Kontakt zwischen Tier und mir im Takt. Also ja, so kann ich was damit anfangen und genieße diese Momente, in meiner erweiterten Nachbarschaft, wo Pferd, Katze, Häschen, Ziege und Mensch miteinander tanzen, bisweilen auch um Gelassenheit ringen 🙂

  6. ….ja, so erlebe ich es auch 😉 – und eben jene wortlose „Verkörperungskompetenz“ von Katzen, Hunden, Pferden, Ziegen….. lassen uns Menschen „begreifen“ – wie ich finde….herzlichen Dank für Dein inspirierendes Antworten 🥰

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