Eine Wiege für den letzten Weg

Beat Baumann ist Urnenbauer. Einen Beruf, den er erst spät gewählt hat: Bis zum 60. Lebensjahr war der 69-jährige Berner aus der Schweiz Maschinen- und Vermessungszeichner und später lange in der Informatik tätig. Dann kam der Wunsch, noch etwas mit den Händen zu machen, etwas Kreatives, bei dem man am Abend sieht, was man seit dem Morgen geschaffen hat.
Seine Frau Monika Baumann, seit vielen Jahrzehnten Keramikerin und Künstlerin, hatte die Arbeit mit dem Ton durch ihr eigenes Schaffen schon lange in sein Leben gebracht. Jetzt machte auch Beat Baumann sich auf die Reise: In vielen Stunden, Wochen und Jahren des Ausprobierens, fand er seine eigene Form des kreativen Schaffens – er stellt Urnen aus einer bestimmten Form der Strukturkeramik her. Erst nur für sich, dann für Freunde und Bekannte und schließlich auf Bestellung für jeden.
„Als Schreiner machst du eine Wiege für das Baby und ich mache als Keramiker eine Wiege für den Moment, in dem ich den letzten Weg unter meine Füße nehme.“
Beat Baumann
Eine Urne aus Ton, nicht gebrannt, sodass sie sich innerhalb von 30-60 Minuten auflöst im Wasser oder nach längerer Zeit, wenn sie für eine Bestattung in der Erde unter einem Baum oder im Garten verwendet wird. Für Beat Baumann war besonders die Erdbestattung seiner Eltern ausschlaggebend, für sich stimmigere Wege zu finden – das Wasser, das sich Auflösende, das ist Seins. Kein Denkmal soll in Form eines Grabsteins bleiben.
Warum er seine Wasserurnen schon zu Lebzeiten als Kunstwerke an Menschen verkauft – darüber sprechen wir in unserem Gespräch. Eines ist sicher: Sich mit der eigenen Endlichkeit zu beschäftigen, das lohnt sich. Die eigene Urne im Schlafzimmer oder Wohnzimmer auf der Kommode stehen zu haben, kann ungewöhnlich bis provokant sein. Erinnert einen aber daran, dass das Leben nicht irgendwann später beginnt, sondern hier und jetzt stattfindet.
Mehr zu Beat Baumann und seinen Wasserurnen auf www.wasserurnen.com
Hier das ganze Gespräch anhören:





….Danke für das Teilen Eures feinen Gesprächs…..wo mich am meisten der Aspekt des „vertraut Machens“ mit meiner eigenen Endlichkeit durch den Erwerb jener Urne schon zu meinen Lebzeiten berührt hat….und mir gefällt der darin enthaltene, umfassende Vorsorgegedanke…..und darüber hinaus sind es liebevoll und wunderschön gefertigte Kunstwerke…🌟 ✨️ 🌃
Von Herzen,
Dagmar