Seelenkraft

Es hat mich Monate gekostet klar greifen zu können, ob und wie ich mich für die Seelenarbeit wieder zur Verfügung stelle. Zusätzlich zur Arbeit auf Aditi und für Wild Natural Spirit. Den Impuls gaben einige junge Frauen, die hier auf Aditi erschienen, um meine Arbeit, Aditi und mich kennenzulernen und mir einfach ein wenig in den Gärten zu helfen. Doch während des gemeinsamen Jätens, Pflanzens und Erntens ergaben sich Gespräche, die eine ganz besondere Tiefe, eine ganz besondere Entwicklungsrichtung zeigten. Es ging um Selbstausdruck und Sinn, um Aufrichtung und Selbstbestimmtheit. Es ging darum, die Seele lebendig zu halten in einem Gesellschaftskonstrukt, das fast nur noch Berufskorsette kennt und mit dem Hauptmotiv des Geldverdienens funktioniert.
Warum nicht einfach „Coaching“
Als ich vor 25 Jahren den Prozess „Was Dir wirklich wichtig ist“ entwickelte, als Arbeitsbuch veröffentlichte und zum Grundmuster meines Coachings machte, war diese Art der Seelenarbeit noch nicht weitverbreitet. Es gab Therapeuten für Menschen mit psychischen Problemen, es gab Erfolgs-Coaches für Sportler und ein paar Spitzenführungskräfte und es gab im fernen Indien Gurus, die ihr Wissen auch an Ausländer vermittelten. Mittlerweile hat sich eine ganze Branche entwickelt, die sich an Marktschreierei, Selbstüberhöhung und Seichtheit kaum überbieten lässt. Bei allem Respekt für die beherzten und hochkompetenten Ausnahmen, die es immer noch gibt. Doch allein zu dieser Branche zu zählen, schreckt mich ab.
Aber da ist noch mehr, was mich hindert, mein Angebot, gemeinsam in das Mysterium der Seele zu tauchen, als „Coaching“ zu verkaufen: Es ist die Qualität der zwischenmenschlichen Begegnung. Wenn Geld im Spiel ist, verschiebt sich etwas. Jeder kennt das: Wenn wir einem Freund etwas geben oder ihm helfen und der dann fragt „Was bekommst Du dafür?“. Das fühlt sich ganz schräg an, nicht? Würden wir Geld von einem Menschen nehmen, für den wir von Herzen etwas gemacht haben, würde sich etwas verändern. Das ganze Bündnis, das Geschenk bekäme einen Schatten. Und die Schönheit der Verbundenheit und des ganz persönlichen Gebens wäre getrübt.
Ich habe in meinem neuen Buch ein halbes Kapitel dem Zusammenwirken mit meinem langjährigen Begleiter Fabian gewidmet, der mir über Jahre half, Aditi zu formen und zu pflegen. Es war eine innige Selenverbindung und das Werk, das wir im Schweiße unseres Angesichts vollbrachten, war ein Seelendienst, der uns beide erfüllte und erhob. Doch als ich begann, ein Ungleichgewicht zu empfinden – schließlich war es nach rechtlichen Maßstäben mein Land und mein Lebensunterhalt– und gegen seinen Willen darauf bestand, ihn für seine Arbeit zu bezahlen und ein ordentliches Arbeitsverhältnis zu begründen, veränderte sich etwas sehr Wichtiges, was letztlich auch dazu führte, dass Fabian uns verließ.
Und so geht es mir mit dem, was ich mit meiner Seelenarbeit in die Welt bringen möchte: Die seelische Entwicklung und die Vermittlung spirituellen Wissens ist etwas zutiefst Persönliches. Vertrauen, Hingabe und absolute Offenheit auf beiden Seiten sind Voraussetzung für diese Art der Begleitung. Seelenverbindung ist nicht käuflich. Und auch das übliche Rollenverhältnis, das den Coach zum Führenden und den Coachee zum Folgenden macht, trägt eher dazu bei, dass der ratsuchende Mensch „klein“ bleibt statt sich bewusst darüber zu werden, wie auch er den „Älteren“ inspiriert, bestärkt und nährt.
Das „Guru- oder Meisterthema ist ebenfalls Inhalt meines Buches. Hier erkläre ich, dass es zwar einen eindeutigen Wissenstransfer gibt, bei dem der Lehrende explizit gibt und der Lernende explizit empfängt. Und dass es traditionell auch stimmig ist, dass der Lehrling im Gegenzug Arbeiten verrichtet und den Meister so weit freihält, dass dieser Raum für die Anleitung hat. Doch Geld wie für eine Ware darf nicht fließen, wenn die Verbindung kraftvoll und rein bleiben soll.
Es ist eine knifflige Sache – gerade in der heutigen Zeit, wo fast alles zur Ware degeneriert und die Mehrheit es selbstverständlich findet, dass selbst für Heilarbeit bezahlt wird wie für ein Stück Brot. In einer Zeit, in der die Begleitenden eben nicht von der Gemeinschaft freigestellt sind von den weltlichen Zwängen. Doch wer könnte diese knifflige Sache eher lösen als ein Mensch, der für sich beansprucht, erweiterte Wege erschließen zu können?
Ich jedenfalls werde kein Geld für meine Seelenarbeit nehmen. Und wir werden sehen, ob die Zeit reif dafür ist und ich meine Rechnungen trotzdem bezahlen kann.
Was ist Seelenkraft
Bei meiner Arbeit ging und geht es schon immer darum, dass ein Mensch aus der Seele heraus handelt – und nicht aus der Angst und seinen Konditionierungen heraus.
Unsere Arbeits- und Lebenswelt ist mittlerweile so stark standardisiert, dass selbst Begriffe wie „Selbstbestimmtheit“ und „Freiheit“ Teil einer gigantischen Konsummaschinerie sind. Sie werden per Buchung einfach gekauft – nicht durch eigene, riskante Lebenswege erworben.
Wie oft sehen wir noch Menschen, die ihre Zeit und Kraft einbringen in etwas, dass ihren eigenen Ideen, Werten und einzigartigen Fähigkeiten entspringt? Wie viele Menschen halten es aus, nur einen Bruchteil dessen aus dem „Geld- und Schutztopf“ zu erhalten, verglichen mit dem, was austauschbare Produktions- und Administrationseinheiten innerhalb der vorgegebenen Systemfunktionen bekommen? Wie viele Menschen wagen es, die inneren Zweifel und Widerstände an dem, was sie Tag ein Tag aus für Geld tun, zu ergreifen und zu verändern, was sie belastet? Auf eigenes Risiko und zu dem Preis der persönlichen Integrität?
Die, die es wagen und ertragen, das sind die, die Neues in die Welt bringen, die, die Raum schaffen für Seelenreiches und Schöpferisches. Das sind die, die Seelenkraft gesammelt haben.
Von diesen Menschen braucht es viel mehr. Und dafür stehe ich: Meine Aufgabe ist es, Menschen an dieser Schwelle zu ermutigen, ihnen Quellen der Kraft zu zeigen und Wege außerhalb der Zwangskorsette. Hier kann ich auf mein höchstselbst gelebtes Leben zurückgreifen – auf den Mut, die Ausdauer, die Phantasie und die Liebe, die es braucht, einen solchen Weg zu gehen.
Auch deswegen wird es in meiner Arbeit nicht das übliche „Sitzungs-Setting“ geben. Es ist genauso unnatürlich, wie die Auspreisung der Seelenarbeit wie ein Stück Ware. Eine abrechenbare Sitzungseinheit – am besten noch mit einem ICD-Label, das von Krankenkassen und WHO einsortiert werden kann – ist das Gegenteil von dem, was hier auf Aditi stattfindet.
Seelenkraft ist etwas, das sich im innig erfahrenen Lebensfluss entfaltet. In einem Tageslauf, der reich ist an sinnlichen Eindrücken, an komplexen Fragen und an handfesten Arbeitsergebnissen, die Mensch voller Zufriedenheit am Abend betrachten kann. Seelenkraft ist etwas, das den offenen Austausch zwischen zwei Menschen braucht, die sich wirklich einlassen – aufeinander und auf die tiefen Fragen, ohne Zeitbegrenzung, ohne Rollen-Theater.
Und so will ich es auch halten.
Wir werden sehen, ob es Menschen gibt, die diese Freiheit für ihren Weg als Gastgeschenk mitbringen.
Ist Seelenkraft entwickelbar
Das ist eine große Frage. Natürlich ist das Leben selbst der beste Lehrmeister, um Seelenkraft zu entwickeln. Aber es ist leichter, den Fokus auf die wirklich wichtigen Fragen zu lenken, wenn wir daran erinnert werden und in den Massen gleichgeschalteter Arbeitnehmer*innen Rollenmodelle finden, die es anders machen.
So gibt es wenigstens die Information für das überreizte Nervensystem: „Ja, es ist möglich.“
Hinzu kommt die enorme Konditionierung durch unser Bildungssystem und unsere kollektive Propagandamaschine. Wir lernen Fremdsprachen und mathematische Integrale, wir lernen chemische Verbindungen und historische Theorien. Doch wir lernen nicht, wie ein Körper gesund und energiereich bleibt. Wir lernen nicht, was es bedeutet, Elternschaft zu durchleben. Wir lernen nicht, wie wir mit all den nicht-materiellen Einflüssen umgehen können, die in unserer Welt wirken. Und wir lernen nicht, wie wir Frieden in uns halten können in einer Welt von Wettbewerb und Gier.
Dabei stehen die Anleitungen in allen Weisheitsbüchern dieser Welt. Weisheitsbücher, die nicht mehr gelesen und verstanden werden.
Nach dreißig Jahren des bewussten Studiums, nach unermüdlicher Entwicklung meiner eigenen Seelenkraft und nach der intensiven Suche nach Menschen und Lebensverhältnissen, die seelenreich und heilsam sind, meine ich sagen zu können: Ja, Seelenkraft ist entwickelbar.
Und ganz sicher ist das nicht leicht zu haben. Es ist eine Grundsatzentscheidung für ein Leben. Und um diese Entscheidung zu treffen und über viele Jahre zu erhalten, braucht es tief im Inneren die Sehnsucht nach Leben. Nach Lebendigkeit, die beseelt ist und ihren Ausdruck in der Welt finden will.
Diese Sehnsucht will ich beantworten und in Obhut nehmen, bis sie fliegt mit dem Menschen, der dieses Licht in sich spürt und nähren will.





Liebe Evelin, ich sitze auf der Bettkante und lese freudig deine Gedanken. Es sind genau die meinen, mit denen ich mich seit Jahren beschäftige. Dieses Dilemma, gerne und mit Liebe zu arbeiten und gleichzeitig dem Druck zu folgen, von irgendwas leben zu müssen, ist, wie die Seele zu verkaufen. Für mich steht schon seit längerem der Gedanke im Raum, dass generell menschliche Arbeit, der Dienst am Lebendigen, Geld-frei erfolgen sollte. Materie kann über Materie, sprich Geld, getauscht werden. Menschlicher Einsatz mit viel Liebe eher über Respekt, Wertschätzung und Dankbarkeit. Materie darf dem freiwillig folgen. Es muss kein Geld sein…
Alles Liebe 🩷, Ingrid
Liebe Ingrid, Herzensgruß aus dem Minzegarten an die Bettkante. Es sind so viele Menschen, die das spüren. Mir zittern die Knie, denn ich weiß nicht, ob es gelingt, aber einmal mehr will ich wagen, was meine, was unsere Seele uns so deutlich sagt. So weit es möglich ist, will ich das ahrimanische Spielfeld verlassen – sehend, dass Zwang und Kontrolle immer noch zunehmen. „Be like water“ – ich liebe diesen Spruch. Und ich bin mir sicher, dass viele diese Wege suchen, manche sie finden und weitergeben. So daß Seele aufatmen kann. So daß sie pulsieren kann in Lebendigkeit.
Liebe Evelin, ich schätze deine Arbeit auf Aditi sehr und deine schriftlichen Beiträge inspirieren mich ebenso. Aus sehr ähnlichen Gründen wie die, die du nennst habe ich mich sowohl als Yogalehrerin als auch als Coach zurückgezogen aus dieser Wettbewerbsplattform der Angebote. Interessanterweise finde ich gerade in meiner systeminternen Arbeit als Physiotherapeutin ganz viel dieser Seelenqualitäten und spüre die Freude der Menschen, mit denen ich das im 30-Minutentakt erleben kann. Zum Glück ist das auch möglich, und so kann ich Menschen erreichen, die sonst vielleicht weniger Kontakt damit hätten. Aber gleichzeitig spüre ich die Freiheit und Freude, wenn ich mir vorstelle, wie es noch sein könnte, ähnlich wie du die Szenerie beschreibst. Ich bin gespannt, wie sich das für dich verwirklichen lässt und freue mich schon für die Menschen, die das mit dir erleben werden! Danke für dich als Person, soviel ich aus der Ferne davon spüren kann, und danke für Aditi! Julia
Danke Dir Julia, für deine Wertschätzung und den wichtigen Hinweis, dass Seelenarbeit in jedem Setting möglich und wirksam sein kann. Das steht außer Frage. Doch meine Geste geht über den Dienst, den die Seele mit und ohne unseren Willen tut, hinaus. Ich möchte etwas an diesem Menschenkonsrukt, das unser aller Seele einengt, nicht nähren. Wenn ich eine Rolle einnehme, wenn ich mit Geld umgehe (vor allem Geld, das durch große Institutionen verteilt wird und de facto aus Zwangsabgaben stammt), wenn ich industrielle Waren kaufe usw. nähre implizit ich das Einengende, Funktionale. Auch in mir. Meine Seele braucht keine Rolle, kein Geld und keine Konsumgüter. Der Preis für diese funktionalen Dinge ist das Funktionieren. Und dieses Bewusstmachen und auf ein Minimum Reduzieren schafft Raum für freie Begegnung, freien Ausdruck, Neuland und Erweiterung. Seelenraum.
Liebe Evelyn,
ja, das kann ich nachvollziehen. Wie wundervoll das wäre! Diese Konsequenz traue ich mir noch nicht zu, vor allem mit Familie, aber ich bewundere deinen Mut! Gut, dass es Menschen gibt, die solche Dinge wagen! Liebe Grüße, Julia
Liebe Evelin,
zu Deinem Thema Geld/Arbeit gibt es ein sehr schönes Buch: ‚Die Gesellschaft 2015‘ von Christoph Fasching+Erzengel Gabriel. Vom chronologischen Aufbau her nicht ganz perfekt, aber m.E. sehr wertvoll. Vielleicht gefällt es Dir ja.
Liebe Grüße, Heike
Die Grundversorgung, die Fasching in dem Buch aufnimmt, ist von Beginn an gegeben. Dann kam der Apfel (eigener Wille). Dann kam die Individualisierung (Luzifer) und dann die Nutzenmaximierung (Elon 😀 … ein Scherz…) . Aus dieser Perspektive wird ein „Anspruch auf Grundversorgung“ gesehen. Ein Anspruch an wen ?
Dennoch wird in dem Buch die Entwicklung der Fähigkeit erwähnt, für alle Wesen zu denken, zu fühlen und zu handeln (Christusimpuls). Das geht meiner Auffassung nach nur durch Seelenkraft: Das eigene Handeln in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Erdenschicksal zu erkennen und die Kraft zu entwickeln, das eigene scheinbar ach so bedeutungslose Handeln an das Erkannte anzupassen. Aus Liebe. Und hier hilft in der aktuellen Zeitqualität EE Michael.
Danke Heike, für den Hinweis. Herzensgruß !
Danke Euch 🥰 – Ihr schenkt mir mit Eurem Austauschen auch einen Hinweis auf die wundersame Qualität von „präsent sein“ im Moment…..
Habt alle einen feinen , seelennährenden Monat Juli 🌟
Herzlichst zu Euch allen,
Dagmar
Oder Präsent sein 🙂
………wenn ich den Beitrag lese und in mich hinein höre, so kommt eigentlich immer wieder der Hinweis………“Du bist in Wahrheit nicht Mensch, sondern SEELE!“ Und alles andere ist nun mal das Spiel der Illusion in der Dualität, in der wir erkennen müssen, wer wir in Wahrheit sind. Und je näher wir zu dieser Wahrheit (jeder auf seine Art und Weise) kommen, desto mehr Seelenkraft wird sich offenbaren.
Ja, Martin, so könnte man es auch beschreiben.