Drei Gleichnisse

Lesezeit 3 Minuten –

Am 17. Sonntag erzählt uns Jesus wiederum Gleichnisse. Da ist einmal das Gleichnis vom Schatz im Acker. Himmelreich bedeutet bei Matthäus, dass in uns ein Reich des Himmels ist. Die frühen Mönche sprechen vom heiligen Raum in uns, in dem Gott selbst in uns wohnt. Matthäus vergleicht das Himmelreich mit einem Schatz. Der Schatz steht auch für diesen heiligen Raum in uns. Doch zu diesem Schatz, zu unserem wahren Selbst, das verbunden ist mit Gott, gelangen wir nur, wenn wir durch den Acker durchgraben. Wir müssen uns also die Hände schmutzig machen, um zu diesem Schatz zu gelangen. Das bedeutet: Wir müssen durch unsere Leidenschaften und Emotionen, durch die Angst, durch den Neid, durch den Groll, durch die Traurigkeit hindurch, nicht an ihnen vorbei. Nur so kommen wir zu dem inneren Raum der Stille, zum Himmelreich in uns. Das zweite Gleichnis spricht von der kostbaren Perle. Perlen wachsen in den Wunden der Auster. Perle ist hier auch ein Bild für den kostbaren inneren Raum in uns, für unser wahres Selbst. Wir kommen dazu nur durch unseren Wunden hindurch. Wir gestehen uns unsere Verletzungen und Wunden ein, wir spüren sie bewusst, aber wir bleiben nicht bei ihnen stehen. Wir gehen durch sie hindurch in den heiligen Raum, der nicht verletzt ist, zu dem verletzende Worte nicht vordringen können. Dieses Gleichnis hatte vermutlich Hildegard von Bingen vor Augen, wenn sie sagt: Die Kunst der Menschwerdung besteht darin, die Wunden in Perlen zu verwandeln.

Die ersten beiden Gleichnisse klingen sehr optimistisch. Doch das dritte Gleichnis spricht von den guten und schlechten Fischen. Die guten sammeln die Fischer in Körbe, die schlechten werfen sie weg. Das ist für Jesus ein Bild für unseren Tod. Da werden die Engel in uns das Gute vom Schlechten, vom Bösen trennen und das Böse in das Feuer werfen. Es geht nicht darum, dass die bösen Menschen in das Feuer geworfen werden. Dann hätten wir ja Angst, wir könnten unser sie fallen. Doch das Bild bedeutet, dass die Engel in uns im Tod das Gute vom Bösen trennen. Und das Gute wird in Gottes Herrlichkeit eingehen. Keiner von uns wird im Tod perfekt sein. Da wird immer noch in uns Gutes und Böses sein. Wir möchten am liebsten schon hier alles Böse aus uns heraus werfen. Doch das wird uns nicht gelingen. Wir sollen vertrauen, dass Gott im Tod seine Engel sendet. Die werden das Böse aus uns herauswerfen. Dann werden wir gereinigt in Gottes Liebe und Schönheit, in Gottes Herrlichkeit und Glanz aufgenommen.

So wünsche ich Euch eine gesegnete Woche, in der Ihr in Berührung kommt mit dem heiligen Raum auf dem Grund Eurer Seele, mit dem Schatz im Acker und der kostbaren Perle. Geht durch alle Emotionen und Gedanken, auch wenn sie noch so kleinkariert und oberflächlich oder unfair sind, hindurch. Auf dem Grund Eurer Seele werdet Ihr das Himmelreich entdecken, den heiligen Raum, der weit und schön ist wie der Himmel.

Euch allen wünsche ich einen erholsamen, schönen und gesegneten Sommer.

Euer Pater Anselm Grün

Quelle: Facebook Post

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