Ungesagt

Du hältst dich zurück,
bist lieber still,
als das du Wahrheit sprichst.
Du hältst sie zurück
die Geister der Vergangenheit,
die sich nach Erlösung sehnen.
Du hältst geheim,
was dich beschäftigt,
dich rüttelt oder dich grämt.
Du hältst deine Stimme
im Zaum, damit sie nicht
mit dir davon galoppiert
und lauthals brüllt.
Du hältst deinen Körper
in enger Kleidung,
um seine Form zu wahren.
Du hältst sie zurück,
die vielen Worte,
die dir auf der Seele brennen,
sodass es schmerzt.
Du lebst ein Leben
voll ungesagter Worte.
Angst, Wut und Kummer
sind dir vertraut
wie Geschwister.
Scham und Schuld
liegen wie ein schweres Tuch
in deinem Nacken.
Du hältst dich zurück.
Es schmerzt.
Es lähmt.
In dir herrscht Chaos.
Plötzlich
erklingt Musik.
Sie kommt von überall.
Sie findet dich,
durchströmt deinen Leib,
liebkost, was schmerzt.
Sie öffnet Türen, Fenster
und Schleusen.
Sie bewegt dich.
Erschütterung
durchströmt dich.
Pulsierend bahnen sich
die ungelebten Lasten
durch dein Sein.
Du öffnest deinen Mund.
Du schreist. Du weinst. Du tobst.
Du brichst zusammen.
STILLE
Ganz langsam
bewegt sich etwas Feines,
Neues in dir.
Es durchflutet deine Zellen,
weitet sich aus,
klärt deine inneren Räume.
Heilung geschieht.
Du bist da.
Du öffnest deinen Mund,
lässt deine Stimme ertönen
und dein Gesang durchflutet
die inneren und äußeren Räume.
In dir ist es weit und lichtvoll.
Du singst dich ins Leben zurück.
Du bist frei.




