Über die Erde

Über die Erde
sollst du barfuß gehen.
Zieh die Schuhe aus,
Schuhe machen dich blind.
Du kannst doch den Weg
mit deinen Zehen sehen,
das Wasser,
den Wind.
Sollst mit deinen Sohlen
die Steine berühren,
mit ganz nackter Haut.
Dann wirst du bald spüren,
daß dir die Erde vertraut.
Spür das nasse Gras
unter deinen Füßen
und den trockenen Staub.
Laß dir vom Moos
die Sohlen streicheln und küssen
und fühl
das Knistern im Laub.
Steig hinein,
steig hinein in den Bach
und lauf aufwärts
dem Wasser entgegen.
Halt dein Gesicht
unter den Wasserfall.
Und dann sollst du dich
in die Sonne legen.
Leg deine Wange an die Erde,
riech ihren Duft und spür,
wie aufsteigt aus ihr
eine ganz große Ruh‘.
Und dann ist die Erde
ganz nah bei dir,
und du weißt:
Du bist ein Teil von Allem
und gehörst dazu.
Martin Auer https://martinauer.net/





… und du weißt: Du bist ein Teil von Allem und gehörst dazu.
Ein Gedicht zum Hineinfühlen! Ich liebe es!
Dankeschön, Herr Auer, für die Inspiration einer Wanderung gegen den Strom, die vielen Imperative, die versöhnlichen Absichten und Versuche eines unruhigen, vielgereisten, (re-)aktiven Zeitgenossen…
Ach, diese Mühe, die darin liegt…;-), diese ‚ganz große Ruh‘ am Ende, und das Wissen ums Nichtwissen von ‚Allem‘ – eine Freude, eine Bereicherung…!
Ein guter Text ist halt ein guter Text, wenn der Autor/die Autorin ums Scheitern weiß am Ende, trotz allem…
….wunderwunderwunderschööööööön 💞 ein herzliches Dankeschön auch von mir 🥰