Fernbeziehung

Zeig mir, wie du dein Pferd (dein Tier) hältst, wie du mit ihm umgehst, und ich sage dir, wer du bist, welche Muster dich lenken. Ich will Freiheit für ihn (den Schwarzen), denn meine Freiheit ist an seine gekoppelt. Seine Freiheit zeigt mir, wie frei ich bin.
Wenn ich daran denke, dass ich den Wunsch hatte, den Traum, die Vision, die Vorstellung, bis an mein Lebensende mit meinen Pferden zu leben, direkt bei mir am Haus, dann schleicht sich ein zartes Schmunzeln in mein Gesicht und ich bin friedvoll dankbar, dass dem wohl nicht so sein wird. Das Leben hat andere Pläne und weiß es wohl immer besser als ich.
Freiheit in der Ferne
Aktuell führe ich wieder eine Fernbeziehung mit dem Schwarzen, der mich bereits seit 17 Jahren begleitet. Als junger Kerl kam er von Hessen ins Waldviertel. Mit mir ist er über Wien, Ungarn (da hatten wir das erste Mal eine Fernbeziehung, als er 1,5 Stunden von mir entfernt lebte), nach Bayern und Brandenburg und wieder retour ins Waldviertel gezogen. Treu an meiner Seite und sich an jeden neuen Umstand mit seiner natürlichen, fröhlichen und lebendigen Art gewöhnt und in jeden neuen Stall so leicht integriert. Und es waren viele, viel zu viele, Ställe, weil ich umgezogen bin und einer schlimmer als der andere war. Mein schwarzer Freund hat immer kurz vorher angezeigt, dass er den jeweiligen Ort bitte verlassen möchte.
In Ungarn hatte er zum ersten Mal seine Freiheit in der Zivilisation gefunden. Und ich mit ihm. Weide so weit das Auge reicht, Freunde, und rund um die Uhr Fressen und Bewegung. Wie es so sein kann, änderte sich auch dort etwas und ich holte ihn wieder in meine Nähe, nur um ein Jahr später mit ihm Österreich zu verlassen.
Von der Freiheit in die Enge
In Deutschland kamen 2 Freunde für ihn dazu und jeder weitere Umzug wurde für die kleine Herde völlig normal, sie hatten sich. 3 Pferde, die wie Eines waren. Mit ihnen erfüllte sich der Traum vom eigenen Stall, allerdings nicht an meinem Wohnort, sondern etwas entfernt. War das eine feine Zeit. Leben im natürlichen Einklang mit ihm.
Über Nacht ging es für uns 4 an einem Herbsttag retour ins Waldviertel, zurück in die Gefangenschaft des modernen menschlichen Zoos. Die 3 eingesperrt auf kleiner Fläche und ich eingesperrt in meiner Vergangenheit. Einer von den „Kleinen“ hat sich entschieden, während dieser Zeit die Dimensionen zu wechseln.
Für den Rest von uns ging es kurze Zeit später wieder in die Freiheit.
Angekommen im Lebenstraum
Zusammen auf einem Bauernhof. Endlich, im wahrsten Sinne des Wortes, war ich in meiner Vision angekommen, in meinem tiefsten Herzenswunsch. Mit ihnen zu leben. Und es war schön, sehr schön. Wären da nicht die Turbulenzen mit dem Ort gewesen und irgendwann der leise Gefühlsgedanke „Du lebst gerade deinen Traum. Jetzt darf der nächste kommen und er ist anders.“ Es hat mich glücklich gemacht und gleichzeitig traurig, weil ich wusste, dass wir, sobald wir diesen Ort verlassen, nicht mehr zusammenleben werden. So sehr ich es auch versucht habe, es hat nicht geklappt.
Der zweite „Kleine“ hat sich noch auf dem Bauernhof entschieden, die Dimensionen zu wechseln, und mein schwarzer Begleiter und ich mussten noch mal einige Umwege durch die Hölle des menschlichen Zoos gehen, um an einem Platz anzukommen, der der Himmel auf Erden ist und ihm und mir unsere Freiheit schenkt. Auch wenn sie nicht gemeinsam ist.
Meine Freiheit wird für immer an seine gekoppelt sein.






Liebe Svenja,
das könnten meine Zeilen sein, so viele Ähnlichkeiten und Gedanken über die gemeinsame Freiheit. Meine große Schwarze hat vor bald zwei Jahren die Dimension gewechselt, ist in die ganz große Freiheit gegangen – so habe ich es damals empfunden.
Einen liebe Gruß zwischen all den schönen Erinnerungen und Bildern, die gerade vor meinem inneren Auge vorbeiziehen.