Zwischen Himmel und Erde ans Menschsein denken

Lesezeit 2 Minuten –

Immer wieder sind Gefühlsgedanken über die „spirituelle“ Szene da. Ich sehe viel Engagement für das „Erwachen“ der Seele, für inneres Wachstum und die Arbeit an sich selbst. Das ist wichtig, ja. Ganz klar: Zuerst darf, ja muss es uns gutgehen, wir dürfen auf uns achten, bevor wir wahrhaftig andere unterstützen können. In diesem Sinn setzen wir uns zuerst die Sauerstoffmaske auf.

Und doch erlebe ich etwas, das mich irritiert stimmt. Immer wieder treffe ich Menschen, die sich so sehr auf ihr „Erwachen“ konzentrieren, dass sie ihr Menschsein ein Stück weit aus den Augen verlieren. Das, was uns im Alltag ausmacht: Partnerschaften, Freundschaften, kleine Sorgen und große Herausforderungen, die andere gerade tragen. Die Freundin, die überfordert ist mit Job und Kindern. Der Partner, der um seine Arbeit kämpft. Sie bleiben ungesehen, ihr Befinden findet keine Wahrnehmung und Begleitung steht außen vor. Keine paar Minuten Zeit, um fühlspürend zuzuhören.

Ich weiß, jede Seele wählt in ihrem Körper ihre Erfahrungen, und Eigenverantwortung ist wichtig. Und dennoch befinden wir uns hier im Körper. Wir haben Bedürfnisse, Gefühle, Ängste, Sehnsüchte. Die wollen gesehen werden, genauso wie unsere inneren Prozesse. Und das nicht nur von uns, damit sie sich entweder aus dem Staub machen oder manifestieren.

Mir kommt es manchmal so vor, als hätten viele Menschen ihre Erdung mehr als ein bisschen verloren. Sie kümmern sich intensiv um ihre „Seelenarbeit“, um zu „erwachen“ und vergessen dabei die Menschen um sich herum und sich selbst als Mensch. Dabei ist genau das Zusammenspiel von Seele und Mensch so kraftvoll: Präsenz, Zuhören, Mitgefühl, einfach füreinander da sein.

Mein kleiner Impuls: Achtsamkeit für sich selbst ist wichtig, fassbar wichtig, allerdings ist es wichtig, daran zu denken, dass es auch Menschen um euch gibt. Spürt euren Körper, seid da, schaut hin, hört zu. „Erwachen“ ist nicht nur innere Freiheit, sondern auch die Fähigkeit, im Leben, so wie es jetzt gerade ist, präsent zu sein. Und genau da entstehen Lebendigkeit und Verbindung zwischen Seele und Alltag, zwischen Herz und Menschsein.

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Svenja Yvonne Reithner
Svenja Yvonne Reithner

Ich erschaffe Räume des Erlebens, in denen du deine Lebendigkeit auf körperlicher,geistiger und seelischer Ebene wiederentdecken kannst und herausfindest, was es für dich bedeutet, lebendig Mensch zu sein. Diese Räume sind leise, laut lachend, meditativ, kreativ, Natur- und Tierverbunden und ermöglichen dir, dich als Mensch zu erden und dich mit deiner Seele und dem Leben zu verbinden. https://www.lebendigmenschsein.jetzt

7 Kommentare

  1. Danke, liebe Svenja!
    Du beschreibst so treffend die für mich schon seit Jahren spürbare Dissonanz zwischen diesen Welten.
    Die Aufforderung zum Erwachen und an mir zu arbeiten klang für mich immer auch nach „mich egoistisch aus der Welt zurückziehen, über die „da unten“ den Kopf schütteln, nicht mehr dazuzugehören“. Ich fühlte mich weder hier noch dort zu Hause, den einen zu esoterisch, den andern nicht spirituell genug.
    Heute habe ich meine Platz genau in diesem Zwischenraum eingenommen: Ich arbeite an mir und bin für die Menschen in meinem Umkreis da, die für ihren Weg Unterstützung brauchen.
    Und genauso lebe ich als Ehefrau, Schwester, Freundin, Nachbarin, Dörflerin … ganz hier auf der Erde.

    Gott sei Dank kein Widerspruch mehr für mich!

    Herzensgrüße
    Imke

  2. Liebe Svenja!
    Erwachen/Aufwachen geschieht oft aus einem „NICHTS“ – was u.a. aussagen will, dass im Vorfeld gerne geistige/ u.o. körperliche Arbeit geleistet wurde…Für viele Interessierte kein Spaziergang…
    Es braucht (nicht immer) einen guten Lehrer, einer der die SEELE des Schülers erkennt – so dass der Schüler sich VERTRAUENSVOLL öffnen kann, im beidseitigen Einverständnis die Hingabe an DAS stattfinden darf…
    Erwachen, war im Verlaufe meines Lebens NIE eine Option gewesen, und doch geschah es, überraschte mich in den Jahren um 1999/2000 herum…
    Hielt 6 bis 8 Monate an, und nährt noch immer mein Bewusstsein u.v.m.
    Liebe Grüße,
    Viola

  3. Oh jaaaa, das kenne und fühle ich auch und dennoch würde ich nicht über die aktuell rein spirituellen Menschen „richten“, denn es braucht bei manchen tatsächlich die 100% Spiri-Hingabe, bevor sich ein einpendeln zwischen Himmel & Erde einstellen kann, sodass sie wieder geerdet werden, das verkörpern können, was sie empfangen haben. Das empfinde ich nicht als „falsch“, weil es eben kein richtig & falsch gibt. Auch diese Menschen haben sich zu genau dem hier verabredet und es ist gut so. Wir sind so vielfältig und es braucht einen jeden mit genau seinem Weg :).

  4. Sich ggfl. verlieren und sich wieder erneuert finden, kann eine sinnstiftende Erwachen-Erfahrung sein. Mensch-Sein bleibt ja Mensch-Sein, mit inneren und äußeren Augen und immer in dem „Zwischenraum“ Himmel und Erde befindlich, dem sowohl als auch. Ich erlebe oft die weise innere Balance in einem Menschen, die sich selbstständig und präsent herzustellen weiß, jenseits der Zeitvorgaben wie ich oder Andere das gerne hätten. „Du kannst alle Blumen abschneiden, aber du kannst nicht verhindern, dass der Frühling kommt“ (Pablo Neruda).

  5. Vielen Dank für diese wunderbaren Worte.
    Auch ich unterhalte mich vermehrt über diese Zeitqualität. Ja, für sich selbst sorgen zu können ist wichtig. Man hat nur ein Leben. Doch ich denke auch immer öfter, dass diese ganze Selbstliebe und Selbstoptimierung auch umschlagen kann. In der digitalen Zeit vereinsamen die Menschen immer mehr -egal ob Großstadtsingle oder durchaus auch in Beziehungen. Es herrscht eine große Sensucht nach Ankommen, Nähe und Berührung (einfach umarmt sein).
    Deswegen wird die Suche nach der passenden Gemeinschaft auch immer stärker.
    Lasst uns alle wieder mehr umarmen und mitfühlend sein – weg mit der Maske.

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