Wie wir wieder in den eigenen Lebensfluss finden

Manchmal spüren wir Frauen, dass etwas nicht mehr richtig im Fluss ist. Wir funktionieren, erfüllen Erwartungen, passen uns unserem Umfeld an– und verlieren dabei den Kontakt zu uns selbst. Belastende oder traumatische Erfahrungen wirken oft im Körper weiter. Wir geraten in alte Muster, reagieren starr und fühlen uns abgeschnitten von unseren Bedürfnissen und unserer Lebendigkeit.
Das TAO steht in der Tradition der Chinesischen Medizin für die ordnende Harmonie des Lebens. Jeder Mensch trägt etwas Unverwechselbares in sich. Wenn wir in unserem Wesenskern ankommen, können wir unseren Platz im Tao einnehmen. Und wir können dadurch aus unserem ureigenen Sein heraus zu einem harmonischen Ganzen beitragen.
Wenn alte Erfahrungen im Körper weiterwirken
Aufgrund erlittener TRAUMATA verhalten wir uns in bestimmten Situationen reduziert, unser Weg des TAOs ist dann meist gestört. TRAUMA bedeutet, dass Anteile von uns in bestimmten Zuständen feststecken. Erfahrungen werden abgespalten oder eingefroren. Wir verlieren ein Stück unserer Fähigkeit, flexibel auf das Leben zu reagieren und uns wieder in unserem natürlichen Rhythmus zu bewegen. Wir erleben uns als getrennt von unserem Selbst und somit auch vom eigenen TAO.
Die Form, die ich für mich gefunden habe, die ich praktiziere und weitergebe sind die fünf Wandlungsphasen der Chinesischen Medizin. Sie stellen eine wesentliche Landkarte zur Verfügung, uns dabei zu helfen unser unverwechselbares Selbst freizulegen und zu verkörpern, unsere TRAUMATA zu integrieren und ganzheitlich in unserem TAO anzukommen.
Die Kraft des „Metalls“: Raum schaffen und loslassen
Wie geht das? Das erkläre ich am Beispiel der Wandlungsphase „Metall“: Es ist eines der fünf Wandlungsphasen neben Wasser, Holz, Feuer und Erde – und war für mich lange eine besondere Herausforderung. Und gerade deshalb wurde es zu einem meiner wichtigsten Übungsfelder.
Das Entdecken und Spüren der Energie des „Metalls“ hilft mir meinen Fokus zu mir zu nehmen und mir Zeit und Raum für mich zu schaffen. Es hilft mir auf gute Weise Grenzen gegenüber Anforderungen meines Berufes und meiner Familie zu setzen oder aber auch meinen Instinkten zu vertrauen, meine Körpersignale wahrzunehmen und ihnen zu folgen.
Dabei wurden Fragen nach dem eigenen Raum für mich beantwortet. Wo brauche ich Raum? Wo nehme ich Raum ein? Wo brauche ich Rückzug? Und wie kann ich mich wieder mit meinem inneren Wesen verbinden?
In dem Raum für mich konnte ich mich dann vertiefend alter Trauer zuwenden, mich mit meiner Trauer anfreunden, dadurch verdeckte Trauerprozesse erkennen und abschließen.
Aber die Auseinandersetzung mit der Wandlungsphase Metall wirkt bei mir nicht nur auf mentaler Ebene, sondern ganz konkret auch auf physischer: Meine Abwehrkraft wurde stärker, meine Lungenkapazität hat sich gesteigert, mein Darm funktioniert besser. Ich fühle und verkörpere mich ganz.
Dem eigenen Rhythmus vertrauen
Die Wandlungsphasen sind für mich eine lebendige tägliche Praxis, sie begleiten mich bei all dem Schönen, bei Schwierigkeiten und Schicksalsschlägen oder meinen Lebensabenteuern. Aus dem ständigen Reagieren auf das Leben entsteht durch das zyklische System der Wandlungsphasen eine anhaltende und verlässliche innere Begleitung. Gerade in Krisenzeiten, wenn wir schnell auf festgefahrene Überlebensstrategien, die durch Entwicklungstrauma entstehen, zurückgreifen möchten. Über das Verständnis und das Nutzen der Energien von Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall und deren dahinterliegenden Wirkkräfte auf unsere körperliche, seelische und geistige Ebene bekommene wir permanente Orientierung. So entsteht eine Regulationsfreude, die unser Nervensystem und damit uns selbst wieder in den Flow bringt. Wir leben gehalten und kongruent mit der Bestimmung unseres TAOs.
Wir erkennen alte Muster und beginnen, die Sprache unseres Körpers immer feiner zu verstehen und mit uns kongruent zu agieren. Wir nutzen die Zeiten des Wachsens und der Sammlung, der Ausdehnung und der Verdichtung, des Loslassens und des Neubeginns. Wir finden einen Zugang zu unserer eigenen Lebendigkeit. Wir lernen, Übergänge wahrzunehmen, auf unseren Rhythmus zu achten und wieder Wahlmöglichkeiten zu entwickeln. Wir kämpfen nicht mehr gegen das Leben an, sondern wir kommen wieder in unsere ureigene Beziehung zur Bewegung unseres Lebens – und sind in unserem TAO.
Ein Text von Anke Vayu Dockendorf, Heilpraktikerin seit 39 Jahren, chinesische Medizin, Qi Gong und NARM





Also das ist ein sehr schöner Text und ich denke, dass Männer auch diese Erfahrungen machen und so spüren können und nicht nur die Frauen.
Danke für Deine feinen und faszinierenden Ausführungen, liebe Anke 🥰 🌟
Dir und Euch allen hier einen schönen Wochen- und Monatsbeginn,
Dagmar