Der selbstlose Junge in Laos

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Foto: Christof Hermann

Von Christof Herrmann. “Mehr als jede andere Tugend betont der Buddhismus Uneigennützigkeit, die in Liebe und heilender Hinwendung Ausdruck findet.” (Dalai Lama / Tendzin Gyatsho). Vor einigen Jahren fuhr ich auf dem Weg nach China mit dem Rad durch Laos. Das kleine Land in Südostasien ist vor allem im Norden dünn besiedelt, mit tropischen Wäldern bewachsen und sehr bergig. Stundenlang kurbelte ich im kleinsten Gang in Serpentinen zum Pass hinauf, um anschließend im höchsten Gang hinab ins nächste Tal zu brausen.

In jedem laotischen Bergdorf lief mir ein Empfangskomitee begeistert winkender und “Sawadi” rufender Kinder entgegen. Die meisten trugen nur Lumpen am Leib. Manche hatten aufgrund einseitiger Ernährung Hungerbäuche. Die Familien lebten in kleinen Bambushütten, die weder über Strom noch über fließendes Wasser verfügten. Das kostbare Nass gab es vom Brunnen in der Dorfmitte, der gleichzeitig als Treffpunkt der Gemeinschaft diente.

Besonders in Erinnerung blieb mir die Begegnung mit einem Jungen von vielleicht sieben Jahren. Er hatte pechschwarzes Haar und schien nicht ganz gesund zu sein. Keuchend wie ein alter Mann holte er mich auf der Dorfstraße ein und lief lachend neben mir her. Als er schließlich vor seinem Zuhause angekommen war, blieb er stehen. Ich stoppte ebenfalls. Neugierig betrachtete er mein Fahrrad, an dem fünf Taschen hingen. Ich öffnete eine der Taschen und kramte zwei Bananen hervor. Mit leuchtenden Augen nahm er sie entgegen, sagte “Thank you”, verschlang die kleinere der beiden Bananen und sauste hinüber zur Bambushütte seiner Familie. Dort wartete bereits sein kleiner Bruder. Auch dessen Augen leuchteten, als ihm der große Bruder keuchend die größere der beiden Bananen wie den Stab bei einem Staffellauf übergab.

Ich setzte mich wieder auf mein Rad und fuhr los. Der Junge und sein kleiner Bruder winkten mir lachend zu. Die zweite Banane war längst verputzt. Am Ende des Bergdorfs drehte ich mich kurz um. Die beiden Brüder waren auf die Veranda gestiegen, um mich möglichst lange sehen zu können. Noch immer winkten sie zum Abschied.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog von Christof Herrmann einfachbewusst.de

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