Frauen Power gewinnt Umweltpreise

Ursula Sadek © DBU/Patrick Seeger

Ursula Sadek © DBU/Patrick Seeger

Der Deutscher Umweltpreis der DBU geht diesmals an zwei engagierte Frauen: Den mit 500.000 Euro höchstdotierten Umweltpreis Europas teilen sich 2013 die Gründerin und Geschäftsführerin der Firma Hock (Nördlingen), Carmen Hock-Heyl (58), sowie an die Vorstandsvorsitzende der Netzkauf ElektrizitätsWerke Schönau, Ursula Sladek (67). Hock-Heyl wird geehrt, weil sie Dämmmatten für den Hausbau aus dem Öko-Rohstoff Hanf am Markt etabliert hat, „Stromrebellin“ Sladek, weil sie aus einer Bürgerinitiative den ersten Ökostromanbieter Deutschlands schuf. Die Frauen hätten „in Zeiten, in denen sie nur belächelt wurden, mit Überzeugungskraft, Kompetenz und Hartnäckigkeit gegen massive Widerstände zukunftsweisende Aufbauarbeit im Spannungsfeld von Ökologie und Ökonomie geleistet und so ihre Visionen in Realität umgemünzt“, sagte DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde heute. Die Preise übergibt am 27. Oktober in Osnabrück Bundespräsident Joachim Gauck.

Einen mühsamen Weg gegen Widerstände und Desinteresse beschritten

 Carmen Hock-Heyl © DBU/Patrick Seeger

Carmen Hock-Heyl © DBU/Patrick Seeger

Mit beharrlichem Engagement, unternehmerischem Durchsetzungsvermögen und Mut zum Risiko sei es Carmen Hock-Heyl gelungen, Dämmmatten für den Hausbau aus dem nachwachsenden Rohstoff Hanf am Markt zu etablieren, so Brickwedde. „Die Produkterfinderin, Unternehmensgründerin und Geschäftsführerin hat nicht nur Öko-Dämmstoffe hoffähig gemacht. Sie ist auch ein Vorbild für andere Unternehmen, weil sie Ökologie und Ökonomie erfolgreich in Einklang gebracht, gesundes Bauen gefördert und regionale Wirtschaftskreisläufe wiederbelebt hat.“ Doch bis die Hanf-Produkte auf dem Markt und unter Fachleuten anerkannt waren, habe Hock-Heyl einen mühsamen Weg gegen Widerstände und Desinteresse beschreiten müssen. Sie habe den gesamten Prozess von der Aussaat des Hanfs über die Produktion der Dämmmatten bis zum Recycling komplett neu aufgebaut, viel Geld investiert und in Politik und Verbänden viel Überzeugungsarbeit geleistet. Seit 2003 produziere das Unternehmen die Dämmmatten selbst, 2005 sei der Firmensitz – heute mit rund 70 Mitarbeitern – von Stutensee bei Karlsruhe nach Nördlingen verlegt worden. Seit 2006 seien „Thermo-Hanf“-Produkte auf dem europäischen Markt. Mit „Thermo-Hanf Premium“ sei die Firma Hock als mittelständisches Unternehmen Marktführer für Naturfaserdämmstoffe aus Hanf.

Sladek Visionärin einer sicheren, wirksamen und zukunftsfähigen EnergieversorgungZur Preisträgerin Sladek sagte Brickwedde, sie habe früh erkannt, dass nur gemeinsam mit den Bürgern und Gemeinden die Energieversorgung ökologisiert werden könne. Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 habe sie eine Bürgerinitiative mit ins Leben gerufen, die sich für die Vision einer sicheren, wirksamen und zukunftsfähigen Energieversorgung eingesetzt habe und aus der 1994 der Ökostromanbieter EWS hervorging. Sladek habe mit ihren Mitstreitern und den EWS viele Hürden gemeistert, die der damalige Stromanbieter für die Netz-Übernahme aufgebaut habe. Dabei habe sie sich auch nicht von überhöhten Verkaufspreisen einschüchtern lassen.

Ihrem Mut und ihrer Tatkraft sei es mit zu verdanken, dass die EWS 1997 das Schönauer Stromnetz übernehmen konnten. Sladek habe gezeigt, dass die Beteiligung der Bürger ein maßgeblicher Faktor für ein Umsteuern in der Energiepolitik und den Klimaschutz sei. Denn durch das Einbeziehen der Einwohner Schönaus als Stromkunden in die Arbeit der EWS und eine transparente Unternehmenspolitik habe sie „Vertrauen geschaffen, zum Handeln motiviert und einen ökologischen Wandel ermöglicht“.

Viele Städte und Gemeinden hätten sich an dem Bürgerbeteiligungs-Modell Schönau bis heute orientiert und setzten sich auf unterschiedliche Weise für die Energiewende ein. Sladek habe sich zusammen mit den Bürgern gegen ein Groß-Energieversorgungsunternehmen durchsetzen und einen ökologischen Wandel bewirken können. Das mache die Stromrebellin zu einem gesellschaftlichen Vorbild. Sie habe bewiesen, dass Bürger, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, die Energiewende gemeinsam vorantreiben könnten.

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