Schreiben kann Leben retten

DSCN2573Von Sabrina Gundert. Schreiben kann Leben retten. Davon bin ich heute mehr denn je überzeugt. Egal, mit was uns das Leben konfrontiert: Tod, Trennung, Umzug, Jobverlust – gerade in Krisen- und Umbruchzeiten vermag uns das Schreiben Halt und Neuorientierung zu geben. Es hilft uns wieder in Kontakt zu treten mit uns selbst, unsere Gefühle zu spüren, sie in Worte zu fassen und auf diese Weise über den Schmerz hinauszuwachsen, hinauszuschreiben. Denn irgendwann kommen wir im Laufe des Schreibprozesses unweigerlich an den Punkt, an dem wir über unsere bisherige Sichtweise hinausgehen werden, an dem sich etwas ändern wird.

Schreiben ist der beste Therapeut
Durch das Schreiben bekommt das, was uns bewegt, ein Gegenüber. Wir treten quasi in einen Dialog mit uns selbst. Vor allem in Zeiten innerer Not fühlen wir uns häufig einsam, verlassen und unverstanden von unserer Umgebung. Zeiten, in denen die gut gemeinten Tipps von Freunden uns nicht mehr erreichen und selbst ein Psychologe uns häufig nicht mehr aus unserem Kokon zu ziehen vermag. In solchen Zeiten sollten wir schreiben. Dabei können wir ruhig im Schlafanzug auf dem Bett liegen und die Rollladen herunterlassen. Aber wir sollten schreiben – mit der Hand. Denn die Bewegung der Hand auf dem Papier bringt ebenso die Dinge in uns wieder in den Fluss.
Nicht selten durchleben wir dabei schreibend nochmals sämtliche Gefühle und Gefühlszustände. Schreiben vielleicht erst lachend, dann weinend. Doch ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir uns durch all diese turbulenten Wellen hindurchschreiben können, bis sich das nächste rettende Ufer zeigt. Natürlich kann es sein, dass die Wellen uns am nächsten Tag wieder mit sich forttragen, doch nun wissen wir, dass wir ein Gefährt besitzen, das uns jederzeit zuverlässig wieder ans nächste Ufer bringt.

Zurück ins Leben

Ob Trennung, Hausbrand, Umzug, Zeiten großer Verzweiflung, Traurigkeit, Einsamkeit oder des Schmerzes – das Schreiben hat mich immer wieder zurück ins Leben geführt. Schreibend habe ich neue Ufer betreten und dabei ungeahnte und bislang nicht bedachte Möglichkeiten für neue Wege entdeckt. Stets hatte ich dabei das Gefühl getragen zu sein von Wort und Papier, von dem Prozess des Schreibens, der nichts fordert, keine Ratschläge gibt, sondern mich einfach sein lässt. Achtsam und wach, mit allem, was ist. Dadurch kann Raum entstehen, ich spüre wie es wieder weit wird in mir. Eine Weite, aus der heraus schließlich auch die innere (wie äußere) Wandlung geschieht.

Und so, wen dich die nächste Welle von Zweifeln, Trauer oder Angst erreicht, kämpfe nicht mit ihr, verdränge sie nicht, zögere nicht und denke nicht nach. Greife einfach zu Stift und Papier und schreibe. Solange, bis du das Gefühl hast, es ist genug. Lass alles zu, schreib auf, was sich dir zeigt. Das Stück Papier vor dir ist ein guter Ort dafür. Vertraue ihm.

 

Sabrina Gundert

Sabrina Gundert

Sabrina Gundert (25) ist freie Journalistin, Autorin und ­Seminarleiterin. Ihr Herzblut ist das Schreiben, die Natur und das ­Gehen des eigenen Lebenswegs. www.handgeschrieben.de

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