Mit dem Herz in der Hand schreiben

Foto: Sabrina Gundert

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Von Sabrina Gundert. Authentische Texte für Website und Flyer schreiben ist eine besondere Kunst. Gute Texte entstehen selten, wenn wir lediglich einer Technik oder einem Schema von A bis F folgen, sondern vor allem dann, wenn wir mit dem Herz in der Hand schreiben. Ob Websitetext, Flyer oder Kursausschreibung – wir alle möchten andere Menschen mit dem, was wir tun, berühren. Wir wollen begeistern, bewegen, ansprechen und interessieren. Mir scheint die Zeiten, in der es nur mehr um gute Rechtschreibung und allgemeine Informationen in solchen Texten ging, sind heute definitiv vorbei. Sicherlich, diese beiden Aspekte sind weiterhin bedeutend, doch es ist ein anderer, wichtigerer hinzugekommen: die Authentizität.

Eine eigene Sprache finden
Vielen Texten mangelt es an einer eigenen Sprache. Allerweltsworte und oberflächliche Floskeln stehen dort, wo eigentlich die Leidenschaft walten sollte. Sind wir beim Schreiben mit unserem Herzblut verbunden, bringen wir automatisch eine gehörige Portion Leidenschaft als Würze in unsere Texte hinein. Die Freude kann uns dabei ein guter Leitstern sein. Schreiben wir aus ihr heraus, geben wir sie über unsere Worte ebenso an die Menschen weiter, die wir mit unseren Texten erreichen wollen. Begeisterung kann allein durch Worte spürbar werden.

Das Clustern
Stehen wir ganz zu Beginn eines neues Projektes – wollen vielleicht Texte für eine neue Website schreiben – so ist es hilfreich, zunächst einmal ein Cluster anzulegen. Dabei notieren wir ein Wort wie „Website“ (oder gleich den Namen der Website, wenn dieser schon klar ist) in der Mitte eines Blattes und ziehen einen Kreis um dieses Wort. Anschließend notieren wir alles, was uns wichtig ist und was es auf unserer Website geben soll in Form von Verästelungen drumherum: Kursangebote. Philosophie. Inspirationen. Wichtig: Statt lange zu überlegen, notieren wir die ersten Impulse und Gedanken, die auftauchen. Auch Unsinniges und Unlogisches bekommt seinen Raum! Auf diese Weise bekommen wir eine erste Ahnung davon, wie unser neues Angebot aussehen könnte. In einem zweiten Schritt schauen wir dann, welche der notierten Punkte uns wirklich wichtig sind, etwas in uns zum Schwingen bringen und umkreisen sie. Auf diese Weise dringen wir zum Kern vor und es kann sich zugleich eine Struktur für die Website herauskristallisieren. Das Ganze funktioniert natürlich auch, wenn wir uns beispielsweise fragen, was wir in unserem nächsten Frühlingsworkshop anbieten können oder was auf unserem neuen Flyer stehen soll.

Die meiste Energie
Nun folgen wir einem der umkreisten Wörter. Dies sind die Worte mit der meisten Energie. Die, die etwas in und an uns bewegen. Vielleicht bleibe ich bei meinem Website-Cluster beim Wort „Philosophie“ hängen. Ich könnte jetzt erneut ein Cluster mit diesem Wort anlegen und schauen, welche Aspekte alle zu meiner Philosophie gehören, die ich gerne auf der Website rüberbringen möchte. Vielleicht spüre ich aber, wie sich langsam der innere Kritiker in mir bemerkbar macht mit Worten wie „Philosophie? Das ich nicht lache! So etwas hast du doch gar nicht! Was willst du denn da bitteschön schreiben?“. Dies ist ein wunderbarer Augenblick, um sich auf andere Weise dem Thema zu nähern: Statt einem Cluster, notieren wir in Stichworten eine Minute lang alles, was uns zu dem Thema Meine Philosophie in den Sinn kommt – ab jetzt. Dopplungen sind erlaubt. Wissen wir nicht weiter, schreiben wir einfach so oft Meine Philosophie, bis das nächste Wort auftaucht. Dadurch, dass wir die Hand in Bewegung halten und uns zudem eine Zeit gesetzt haben, können wir den inneren Kritiker überlisten. Denn in diesem Tempo kommt er gar nicht mehr hinterher. Zudem steigt unsere eigene Konzentration und Fokussierung – die Zeitdauer ist klar und unser Geist auf einen Themenaspekt ausgerichtet.
Anschließend lassen wir die einzelnen Worte wieder auf uns wirken, umkringeln die, die uns am meisten ansprechen und folgen ihnen schreiben beziehungsweise greifen sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf. Diese zwei Schritte ermöglichen uns zunächst ein Sammeln und Bewusstwerden dessen, worauf es uns ankommt und was bereits in uns ist sowie anschließend ein Herausarbeiten der stärksten Worte und Facetten.

Foto: Sabrina Gundert

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Werde wie ein Bildhauer
Arbeiten wir an Texten, können wir uns dabei mit einem Bildhauer vergleichen: So wie der Bildhauer bereits die fertige Skulptur vor seinem inneren Auge sieht, so ist auch der fertige Texte bereits in uns angelegt. Um jedoch die ganze Skulptur sichtbar werden zu lassen, müssen wir hier und da noch ein Stück Stein abschlagen, dort ein wenig feilen, hier etwas polieren. Solange, bis die Essenz sichtbar geworden ist. Natürlich ist die Skulptur vorher vielleicht auch schon schön, aber es ist meist möglich, ihre Einzigartigkeit noch mehr zum Strahlen zu bringen.

Die Essenz herausschälen

Fällt es uns schwer, Texte zu kürzen, so können wir es zu einer regelmäßigen Übung werden lassen, einen kürzeren oder längeren Text auf seine Essenz zu reduzieren. Hierzu streichen wir zunächst circa die Hälfte der Worte. Alles, was überflüssig ist, darf gehen. Anschließend kürzen wir wieder um die Hälfte, und wieder. Solange, bis noch drei Worte auf unserem Papier stehen. Die Essenz. Es ist immer wieder höchst erstaunlich, wie klar auf diese Weise der Kern hervortritt – und dass er zugleich oftmals aus ganz anderen Worten besteht, als wir vor Beginn der Übung dachten.
Diese Übung eignet sich auch wunderbar, wenn wir beispielweise für einen neuen Flyertext herausarbeiten wollen, was eigentlich der Kern unserer Arbeit ist. So können wir einen längeren Text über unsere Arbeit schreiben und diesen anschließend auf drei bis fünf Worte kürzen – die Essenz. Von der Essenz ausgehend können wir dann wiederum den gesamten Flyertext schreiben. Bleiben wir stets mit dieser Essenz, mit dem Kern verbunden, zeigt sich der Leserin und dem Leser, worauf es uns wirklich ankommt in unserer Arbeit. Der rote Faden wird sichtbar.

In Verbindung mit der Leidenschaft
Jede und jeder in uns hat etwas, für das er brennt und das er oder sie durch ihre Texte in die Welt bringen möchte. Fällt es uns schwer, mit dem Schreiben zu beginnen, so kann es oftmals auch hilfreich sein, zunächst in Verbindung zu gehen mit dieser inneren Leidenschaft – zu singen, eine Weile in der Natur zu verbringen oder was auch immer dich mit deiner inneren Freude und Kraft verbunden sein lässt. Texte müssen auch nicht direkt am Computer geschrieben werden. Die Verbindung vom Herz zu Hand ist beim handschriftlichen Schreiben, vielleicht sogar an einem See oder in einem Park, noch viel direkter, die Worte fließen leichter und authentischer. Überarbeiten und ins Reine schreiben können wir den Text dann in einem zweiten Schritt.
Wage es dich auszuprobieren, mit den verschiedenen Übungen zu spielen. Zu Clustern, den Worten mit der meisten Energie zu folgen und loszulassen beim Herauskitzeln der Essenz. Werde zu der Bildhauerin, die in dir steckt und lasse dein Lied hörbar werden: Authentisch, klar, mutig und frei. Freude!

Sabrina Gundert (25) ist freie Journalistin, Autorin und Schreibcoachin. Ihr Herzblut sind das Schreiben, die Natur und das Gehen des eigenen Lebensweges. Näheres auf www.handgeschrieben.de

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