Wie Menschen Pferde heilen und umgekehrt

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Foto: Pferdehof Steinhauser

Von Sabine Keilwerth. Pferde reflektieren uns und spiegeln unserer Verhalten. Sind wir vor Freude außer Rand und Band – kann dass auch die Pferde anstecken und sie werden immer wilder und ausgelassener. Linus mein Tinker ein mächtiges Tier hatte eine Verehrerin, sie fand ihn großartig – er hat sich viele Sachen einfallen lassen um sie zu beeindrucken, er ist seitwärts gegangen, getrabt, hat gebockt und sie fand ihn einfach nur Klasse. Ich musst ihr Spiel unterbrechen sonst wäre er vermutlich über den Zaun gehüpft. Eine unerfahrene Teilnehmerin wollte im Anschluss mit Linus arbeiten. Und nachdem er gezeigt hatte, was er alles kann, bekam sie Angst. Ich versprach ihr, mit ihr gemeinsam zu ihm zu gehen. Linus spürte ihre Sorge und beruhigt sich sofort – er ließ den Kopf hängen und war ein ganz vorsichtiges und achtsames Pferd.

Das heißt, haben wir Angst und sind wir mit einem sehr sensiblen Pferd zusammen wird sich diese Angst auf das Pferd übertragen, es wird immer ängstlicher und auch unberechenbarer werden, da wir aus der Angst heraus auf das Pferd reagieren. Wir versuchen es noch mehr zu kontrollieren, üben mehr Druck aus, wollen die eigene Angst wegdrücken oder gar ignorieren. Das funktioniert bei Pferden nicht – Gefühle sind echt und können nicht unterdrückt werden – dann explodieren sie – irgendwann. Pferde machen das nur sichtbar. Sie lassen sich nicht täuschen – sie sind aufmerksame Gefühlsleser.

Überschätzen wir uns selbst sind wir nicht echt in unserem Verhalten – auch das zeigen uns die Pferde – sie bringen uns in eine Situation in der wir merken, dass wir keine Kontrolle mehr haben und uns überschätzt haben. Nicht immer angenehm – aber lehrreich. Hilfreich ist dann ein Trainer, der das Verhalten des Pferdes “übersetzt” und so unser eigenes Verhalten sichtbar und wahrnehmbar macht.

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Foto: Pferdehof Steinhauser

Lilli und Odessa
Ich habe eine neue kleine Stute, Lilli, sie ist laut Papiere 16 Jahre alt. Ihr Gesicht hat einen fohlenhaften Ausdruck. Irgendwann in ihrer Entwicklung ist ein Teil von ihrer Persönlichkeit stehen geblieben und hat sich nicht weiter entwickelt. Das zeigt sich in ihrem Babyface. So lieb sie sein kann, manchmal kommt sie in ihrer Trotzphase und fordert dann ihre Grenzen ein. Wenn jetzt Mensch und Pferd miteinander trotzen, kann das sehr spannend werden. Wenn es dem Menschen gelingt in Ruhe und Gelassenheit seinen Standpunkt aufzuzeigen und zu halten, schafft er eine Ebene des Vertrauens.

Was ich jetzt aber erzählen wollte war, dass ich mit Lilli gearbeitet habe und wir eine kleine Auseinandersetzung hatten, ob sie jetzt meine Aufgabe die ich ihr schon mehrfach gestellt habe und die sie lösen kann erledigt oder nicht. Ich hatte mich durchgesetzt und alles war wieder gut. Im Anschluss an der Einheit mit Lilli habe ich mit Odessa arbeiten wollen, eine sehr sensetive Paso Fino Stute. Da ich noch etwas erregt war von meinem Disput mit Lilli habe ich ein paar Atemübungen gemacht und mich entspannt. Kaum hab ich Odessa gehalftert begann sie zu tribbeln und zu steigen. Ich sagte zu ihr “Danke Odessa bin wohl noch nicht entspannt und geerdet genug”- atmete noch einmal tief ein und aus – lockerte meinen Kiefer und meine Schultern und wir konnten in Ruhe und Gelassenheit zusammen arbeiten.

Traumaarbeit
Die Erlösung unserer Traumas kann auch die Erlösung eines Trauma bei einem Pferd bewirken. Wir – Mensch und Pferd gehen in Resonanz. Wir suchen uns die Helferpferde die uns bei unseren Themen weiter bringen. So suchen sich ängstliche Menschen oft noch ängstlichere oder dominantere Pferde aus. Um so das eigene Bestreben nach Heilung mit Hilfe des Pferdes zu verwirklichen.

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Foto: Pferdehof Steinhauser

Das ist ein Traum von mir – Menschen heilen Pferde und Pferde heilen Menschen. Dieser Traum ist in kleinen Teilen immer wieder erlebbar. Bei einem Kurs arbeiten wir mit Lilli (s.o.) mit der Körperarbeit von Linda Tellingtion Jones – das sind Berührungen die auf das Nervensystem wirken. Zwei meiner Teilnehmerinnen arbeiten mit diesen kleinen Kreise an Lilli und sie hat sich zum Ersten mal entspannen können. Stand locker da und war in ihrem Körper angekommen. Es war großartig zu sehen wie sich ihr Gesicht veränderte und wie sie sich selbst besser spüren konnte. – Lilli hat seit dem aufgehört zu schubsen – passt besser auf und zieht nicht mehr so stark. Sie ist ruhiger geworden, aufmerksamer und leichter zu händeln.

Coaching
Bei den Coachings – die Leute kommen mit einem bestimmten Thema und das Thema bestimmt dann den Fokus. Geht es z.B. um einen Verbesserung des Führungsstils – achte ich sehr genau – wie klar die Anweisung gegeben werden – aus welcher Position heraus und ob darauf geachtet wird, ob das Pferd gerade in der Lage ist, die Anweisungen entgegen zunehmen, wie viel Kontrolle eingesetzt wird. Wie steht Pacing und Leading in Harmonie zusammen. Das setzte ich dann in Beziehung zur Führung mit Mitarbeitern.
Die Themen sind so vielschichtig wie wir Menschen es sind. Burn out, Psychische Probleme, Angstzustände, Management Coaching uvm.
Diese Arbeit ist sehr herausfordern – wie ein Spurenleser benötige ich eine sehr hohe Präsenz, um auch auf die kleinsten Signale des Klienten zu achten, sei es eine veränderte Stimmlage, verminderte Atmung, leicht Rötung im Gesicht. Hier geht es um viele kleine Signale die reflektiert werden. Gleichzeitig achte ich auf die Signale die das Pferd zeigt und wie es auf den Klienten reagiert. Wenn wir diese “Signale” beim Klienten entdeckt haben, beginnen wir sie zu untersuchen und zu erforschen. Dadurch werden die zunächst unbewussten Signale bewusst und je mehr der Klient sie erforscht und ihre Entstehung erkennt, kommt er in der Lage – klarer und bewusster zu sein und sein Verhalten bewusst der Situation anzupassen und zu verändern.

Fazit
Pferde sind Heiler und Lehrer auf unserem Weg zur Ganzheit!
Pferde sind wie das Leben, manchmal ruhig und gemächlich dann wild und unbezähmbar – manchmal unerwartet anderes – auf alle Fälle nicht zu kontrollieren – man kann sich ihnen so wie dem Leben nur hingeben und auf der Welle tragen lassen.

Veranstaltungshinweise: Sabine Keilwerth bietet regelmäßig Kurse und Fortbildungen an. Die nächste Reittherapieausbildung startete am 13. November 2015. Die Ausbildung umfasst 7 Wochenenden und endet im Juli 2016. Darin geht es um Feldenkrais, körperorientierte Reittherapie, Mensch und Pferd im Dialog, Psychodramaarbeit, Systemische Arbeit uvm. Es wird 2016 ein Aufbaujahr zur Reittherapie Ausbildung geben, wo die Psychologie im Vordergrund steht. Wer schon mal reinschnuppern möchte kann sich für das Wochenendseminar “Psychologische Begleitung” vom 4. – 6. Dez. anmelden.
Die Ausbildung zum Therapiepferde Trainer startet am 27. – 29. November 2015 mit dem Thema Telepathie und Kommunikation, hier arbeiten Sabine gemeinsam mit
den mitgebrachten Pferden an der Ausbildung des Pferdes zum Therapiepferd.
Mehr Infos hier. Es sind noch Plätze frei!

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