Das erste Chakra: Am Leben bleiben

chakraVon Vera Bartholomay. Das erste Chakra zeigt uns die Struktur von Gemeinschaften wie die Ursprungsfamilie, die besondere Lage der Flüchtlinge und warum Menschen manchmal das Fremde als Bedrohung empfinden. Dieses Chakra befindet sich am unteren Ende der Wirbelsäule. In diesem Energiezentrum geht es um die wichtigsten physischen Bedürfnisse der Menschen – Nahrung, Flüssigkeit, Schlaf, Wärme, Sicherheit – und damit um das physische Überleben. Hier melden sich die instinktiven körperlichen Reaktionen wie Flucht oder Angriff, wenn ein Mensch in Gefahr gerät. Hier sind die Verbindung zu unserer Ur-Vitalität und unsere Beziehung zur Erde und zur Natur.

Die Gemeinschaft gibt uns Schutz
Im ersten Chakra geht es auch um die Bedeutung und die Macht der Ur-Gemeinschaften. In anderen Kulturen wäre es der Stamm, bei uns eher andere Gemeinschaftsformen – die Gesellschaft, das Dorf, eine religiöse Gemeinschaft, die Ursprungsfamilie, die Großfamilie, eine berufliche Gemeinschaft, der Freundeskreis. Ich benutze dennoch gern den Begriff „Stamm“, um die Bedeutung dieses Chakras zu erläutern; denn dieser archaische Begriff vermittelt den besonders tiefen Einfluss auf so plastischer Art und Weise. Für den Stamm geht es um Themen wie Überleben, Fortpflanzung, Regeln und Ordnung. Der Stamm sorgt für unsere Sicherheit, für genügend Nahrung, Kleidung, Wohnraum und Schutz vor einer möglicherweise bedrohlichen Welt.
Hier erleben wir die nährende Gemeinschaft, die sich gegenseitig braucht und hilft. Wir spüren die Kraft von gemeinsamen Meinungen und Lebenseinstellungen. Im besten Fall erlebt ein Kind die positiven Seiten einer solchen Ur-Gemeinschaft in der Familie.

Aus der Reihe tanzen
Aber die Meinungen oder Glaubensvorstellungen des Stammes können uns auch unbewusst ein Leben lang prägen und bestimmte Entwicklungen erschweren. Der Stamm hält uns instinktiv zurück, wenn wir uns auf einen individuellen Weg der Veränderung begeben. Jeder kennt das – man zieht im jungen Erwachsenenalter von zu Hause aus, geht in eine fremde Stadt oder gar ins Ausland, bekommt neue Freunde, entwickelt neue Interessen oder Meinungen und Wertevorstellungen. Und fast nie ist es dann wirklich leicht oder konfliktfrei, mit dieser neuen eigenen Welt wieder in die Herkunftsfamilie oder in den alten Freundeskreis zurückzukommen. Diese kritisieren oft das Neue, ziehen die neuen Werte oder Bedeutungen runter oder wollen lieber gar nichts davon hören. Diese Entwicklungen sind sehr schmerzhaft für die „flügge-gewordenen“ jungen Menschen, denn sie hätten meistens gern die Wertschätzung und die Unterstützung der alten Gemeinschaft für ihre neuen, mutigen und aufregenden Schritte. Aber aus der Sicht des Stammes ist es eine logische Reaktion. Die Ur-Gemeinschaft lebt davon, dass alle zusammenhalten, dass niemand die Sicherheit der Gruppe bedroht, indem die Strukturen und Meinungen der Gemeinschaft in Frage gestellt werden. In diesem Chakra wird alles Fremde oder Andersartige erstmal als Bedrohung empfunden.
Wer aus einer ländlichen oder besonders konservativen Gegend kommt oder aus einer Familie mit besonders eng definierten Regeln und Werten, kennt es noch heute: Das Urteilen über Menschen, die aus der Reihe tanzen. Diese müssen nicht unbedingt extrem andersartig sein. Es genügt manchmal, den Vorgarten nicht in Ordnung zu halten, das gehackte Holz nicht ordentlich zu stapeln oder den Bürgersteig nicht vorschriftsmäßig zu kehren. Oder gar eine Lebenseinstellung zu haben, die nicht von der Gemeinschaft geteilt wird – wie eine andere politische Meinung oder sexuelle Präferenz.

Aber es gibt auch Gemeinschaftsriten und Traditionen, die wir gern leben und weitergeben an die nächsten Generationen, z.B. gemeinschaftliche Feste wie Feiertage und Geburtstagsrituale, Alltagsriten wie das gemeinsame Mittagsessen, den Kindern abends Geschichten vorlesen etc.

Wo gehöre ich hin?
Therapeuten, die viel mit Flüchtlingen und Migranten arbeiten, berichten von körperlichen und seelischen Störungen, die aufgrund des fehlenden „Bodens“ entstehen. Wer das eigene Land und die vertraute Lebensgemeinschaft fluchtartig und in Lebensgefahr verlassen musste, ist oft durch die Ereignisse sehr traumatisiert. Erschwert wird eine Verarbeitung des Erlebten aber in hohem Maße dadurch, dass ihnen im wahrsten Sinne des Wortes der Boden unter den Füßen entrissen wurde. Aber auch Menschen, die freiwillig als Migranten in einem neuen Land leben, sind bis zu einem gewissen Grad entwurzelt. Sie haben Gemeinschaftsstrukturen wie eine Großfamilie oder eine Dorfgemeinschaft aufgegeben und müssen jetzt entweder ganz allein oder als zersprengte Kleinfamilie eine neue Welt aufbauen. Und das in einem Rahmen, wo sie nicht immer freundlich aufgenommen, sondern oft eher angefeindet werden. Gerade Kinder aus diesen Gruppen entwickeln oft Störungen, weil sie keine gewachsenen, vertrauten Strukturen um sich herum haben. Hinzu kommen Gefühle von Fremdsein, nicht dazuzugehören und die ausgesprochene oder unausgesprochene Botschaft der Eltern, dass sie „eigentlich“ nicht hierhin gehören. Oft kann erst die nächste oder gar die übernächste Generation dieses Gefühl in ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit umwandeln.

Cover-Heilsame-Berührung_hoReflexionen zum 1. Chakra:

  • Welche Gemeinschaft war oder ist eine wirkliche Stütze in meinem Leben?
  • Von welcher Gemeinschaft habe ich mich abgrenzen müssen? Warum?
  • Wie ist die Beziehung zu meiner Herkunftsfamilie?
  • Wo bin ich wirklich zu Hause?
  • Wie reagiere ich, wenn es ernsthaft um meine Existenz geht (Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, Gesundheit)?

Dies ist der erste Teil einer Serie, in der alle 7 Chakren vorgestellt werden.

Auszug aus dem Buch „Heilsame Berührung – Therapeutic Touch. Beschwerden lindern – Heilkräfte aktivieren – Lebensenergie stärken“ von Vera Bartholomay.

Zur Person: Vera Bartholomay ist Therapeutin und Lehrerin für Therapeutic Touch. Ihre Praxis befindet sich in Saarbrücken und sie unterrichtet TT seit vielen Jahren in Deutschland, Norwegen und in der Schweiz. Website hier

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