Laborschule in Dresden

Foto: Laborschule Dresden

Von Antje Seewald. „Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere. Lass es mich tun und ich verstehe.“ Dieser Ausspruch von Konfuzius ist der Leitgedanke an der Laborschule (von laborare = arbeiten) in Dresden.

Seit drei Jahren besucht meine 9-jährige Tochter diese freie Schule und sie geht fast jeden Tag gern hin. Kein Wunder, denn weder muss sie einen schweren Ranzen tragen, noch gibt es Hausaufgaben oder Zensuren. Und vor allen Dingen: Lernen heißt hier, selbst Dinge erforschen, seiner Neugier folgen, Zusammenhänge erfassen, indem man Sachen ausprobiert und einander die Ergebnisse präsentiert.

Obwohl die Kinder an dieser Schule die gleichen Lehrplananforderungen erfüllen, wie an einer staatlichen Schule, lernen sie doch völlig anders. Sie dürfen ihrem eigenen Rhythmus folgen und ihre Interessen einbringen. Verschiedenste Lehrmittel stehen ihnen frei zur Verfügung und sie entscheiden von Anfang an selbst mit, wann und wie sie etwas lernen. Sie wählen u.a. aus unterschiedlichen Projektangeboten aus, was sie gerade besonders interessiert und arbeiten dann mehrere Wochen daran. Die Lehrer heißen an dieser Schule Lernbegleiter, weil sie nicht im Frontalunterricht Wissen vermitteln, sondern jedes Kind bei seinem ganz eigenen Entwicklungsweg unterstützen, denn jedes Kind ist anders.

Zweimal im Jahr gibt es ein ganz konkretes Entwicklungsgespräch mit Kind, Lernbegleitern und Eltern, bei dem gewürdigt wird, was schon gut klappt und gemeinsam Ziele gesetzt werden für die nächste Etappe. Statt eines Zeugnisses gibt es das Pensenbuch, dort kann man genau nachlesen, welche Fähigkeiten und Kenntnisse das Kind schon hat und was noch offen ist.

Da in altersgemischten Lerngruppen gearbeitet wird (Stufe I = Jahrgang 1 bis 3, Stufe II = Jahrgang 4 bis 6 usw.), entstehen auch ganz nebenbei soziale Kompetenzen und ein enger Zusammenhalt, denn während vor 3 Jahren meiner Tochter als Schulanfängerin eine Lernpatin des 3. Jahrgangs zur Seite stand, war sie im letzten Schuljahr selbst Patin und half einem jüngeren Kind. Beim jetzt anstehenden Wechsel in Stufe II wird sie wieder von ihren älteren Mitschülern unterstützt, die sie zum Teil schon aus Stufe I kennt. So wird sie sicher gut hineinwachsen in die nun schon etwas anspruchsvolleren Lernaufgaben.

Eine sehr große Rolle spielt an unserer Schule die Musik. Das regelmäßige gemeinsame Singen im Schulhaus ist schon Tradition. Es gibt mehrere Chöre und jedes Jahr wird von einigen Kindern ein Musical einstudiert, das u.a. zur Schulanfangsfeier aufgeführt wird. Zwei sehr engagierte Musikpädagogen wecken immer wieder die Lust am Musizieren. In diesem Jahr gibt es ein ganz besonderes, wirklich großartiges Projekt: 35 Kinder (darunter auch meine Tochter) werden im Oktober nach Südkorea reisen und dort gemeinsam mit 3 koreanischen Kinderchören bei Konzerten ihr Können zeigen. Bereits zweimal waren koreanische Kinder bei uns zu Gast – nun sind wir dabei, einen Gegenbesuch zu organisieren. Das ist für alle Beteiligten etwas ganz Großes. Die Kinder üben unglaublich intensiv, gerade waren sie für einige Tage im Chorlager, wo sie von früh bis spät gesungen haben – auf deutsch, englisch und sogar koreanisch. (Einen Eindruck von dem Projekt und die Möglichkeit, es zu unterstützen gibt es hier: https://www.99funken.de/laborschulchor).

Es gäbe noch unendlich viel zu erzählen über unsere Schule. Jeden Tag bin ich dankbar dafür, dass mein Kind hier sein Potential so gut entfalten kann und zu einem selbständig denkenden und agierenden Menschen heranwächst. Ich bin dankbar für die achtsame Arbeit der Lernbegleiter, die ihre Schüler immer ernst nehmen und auf Augenhöhe mit ihnen kommunizieren. Trotz Schulgeld und viel notwendiger Eigeninitiative freue ich mich immer wieder darüber, dass es möglich ist, Schule auf diese Art zu gestalten. Das sollte überall Schule machen!

Hintergrund: Im August 2004 startete die Laborschule mit zehn Schülern und zwei Lehrern. 13 Jahre später lernen hier über 300 Schüler in den Klassenstufen 1 bis 12. Im Jahr 2008 erfolgte die Anerkennung der Grundschule und die Genehmigung der Gymnasialstufe durch die Bildungsagentur.

Die Laborschule ist eine Ganztags- und Gemeinschaftsschule und legt neben der Stoffvermittlung und Wissensaneignung großen Wert auf das praktische und selbständige Arbeiten, das Forschen und Entdecken. Das pädagogische Konzept der Laborschule folgt dem Jena-Plan. Die Schulabschlüsse erfolgen über eine Schulfremden-Prüfung.

Mehr auf der Webseite.

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4 Kommentare zu “Laborschule in Dresden
  1. Cornelia Mohrig sagt:

    Ach, wären meine Eltern in Dresden geblieben, wäre ich erst kürzlich geboren ,hätte ich evtl. auch diese wunderbar gelobte Schule besuchen können . Konfuzius hat’s eben gelehrt und manche verstehen es, aber eigentlich kann es damit jeder verstehen.Lieben Dank, wieder, heute an die Newslichter!!

  2. Mirtilla sagt:

    Klingt genau wie eine „Montessori-Schule“. Maria Montessori lebte von 1870 bis 1952 und entwicklete die „Montessori-Pädagogik“. Schade, dass sich die Montessori-Pädagogik nicht durchgesetzt hat. Allerdings frage ich mich manchmal auch: Warum eigentlich nicht? Ist diese Form des Lernens einfach zu gut für unsere Kinder? Sollen sie vielleicht gar nicht mit Begeisterung lernen wollen oder gar selbsständig lernen und denken können??? Von Gerlad Hüther, der das Lernen auch unbedingt revolutionieren wollte, hört man auch nichts mehr…..
    Wenigstens gibt es einzelne Projekte, wie diese Laborschule.

  3. Margitta sagt:

    …und gerade ent-wickelt sich in Hendungen (Grabfeld/Rhön) die „Schule des Lebens“, die vom Filmproduzenten des Films „Shool of Trust“ und Lehrer Christoph Schuhmann weitergeführt wird.

  4. Drs. Wim Lauwers. sagt:

    Schön! Noch 1 BeiSpiel von der neuen Welt, die schon ganz da ist. Jedenfalls in Meiner Welt. Danke Bettina&Team. <3 <3 :O))

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