GUT ist nur, was allen(m) dient!

Von Bernd Kolb. Der gesellschaftliche Zeitgeist drückt sich stets auch in der politischen Stimmungslage der jeweiligen Länder aus. Die eine Hälfte will das gegenteilige Extrem der anderen. Das war bei nahezu allen Wahlen der letzten Monate so, Italien, Österreich, Deutschland, Frankreich, Holland, um nur einige zu nennen, aber auch in den U.S.A. ist die eine Hälfte der Gesellschaft genauso leidenschaftlich pro Trump wie die andere contra. Immer wütender gehen die jeweiligen Anhänger aufeinander los, es keimt der blinde Hass, in der sachliche und vor allem konstruktive Diskussionen kaum noch stattfinden (können).

Wenn man alleine die sprachliche Gewalt in den „sozialen“ Medien liest, kann einem dabei Angst und Bange werden. Der Versuch, dies zu zensieren, kehrt das eigentliche Problem nur unter den Teppich. Es ist ein kulturelles Phänomen. Wir leben in einer Kultur, in der jedes Tabu jeden Tag so oft gebrochen wird, dass auch der Respekt und die Schamgrenze mehr und mehr gegen Null tendieren. Es ist eine Kultur der Trennung, des Verdrängungswettbewerbs, des Auseinanders statt des Miteinanders. Die Gesellschaft, die nur dann wirklich auf allen Ebenen prosperiert, wenn das Gemeinwesen funktioniert, bricht mehr und mehr auseinander.

Der soziale Frieden gerät unter den Druck, den viele in diesen Zeiten auch ganz persönlich für sich empfinden. Es braucht keine empirische Forschung, um die Wurzel dieser Entwicklung zu erkennen: es ist das Ego, das die Menschen so fest im Griff hat, daß die Emotionen das Gemüt ungebremst zum Kochen bringen. Es ist eine Kultur des Trennenden entstanden, die den Charakter von Glaubenskriegen hat. Nichts Neues also, es waren immer die Glaubenskonflikte, die rein statistisch in der Geschichte der Menschheit die meisten Kriege ausgelöst haben. Diese blinde, intolerante Streitkultur des Absoluten, des Besser-Wissens, des digitalen Entweder-Oders, das Elend aller monotheistischen Religionen und Dogmen, prägt den vorherrschenden Zeitgeist.

Das steht im reinen Widerspruch zu den Naturgesetzen, in der Konflikte nicht immer romantisch aber stets in der Balance des Ganzen gelöst werden. Welcher Geist steckt hinter einem nachhaltigen Öko-System? Es ist die Fähigkeit des Mitgefühls. Das Erkennen, was es braucht, damit es dem Ganzen gut geht. Wohlgemerkt nicht die des Mitleids, mit dem der Begriff leider sehr häufig gleichgesetzt oder gar verwechselt wird. Mitgefühl heisst, sich in den anderen auf der „Gefühlsebene“ und nicht nur auf der Verstandesebene hineinversetzen zu können. Nicht überheblich und gönnerhaft, sondern zunächst einmal ganz ohne jedes Vorurteil. Man muss nicht alles gut und richtig finden, wenn man mitfühlt, sondern man lernt zu verstehen, woher das kommt, was man nicht gut findet, um es wenigstens nachvollziehen zu können. GUT ist in diesem Zusammenhang auch nicht subjektiv, sondern es hat ein ewig gültiges Kriterium:

GUT ist nur, was allen(m) dient!

Wer mitfühlt, kann auch vergeben. Und ein neues Miteinander in einer Zeit, in der die Gräben immer größer werden, braucht wieder und wieder Vergebung, von beiden Seiten. Auch das ist nicht gerade die Stärke des Ego. Aber es ist eine unverzichtbare Tugend, um ein gedeihliches Miteinander zu erreichen. Mitgefühl ist eine Frage des Bewusstseins, nicht des Verstands. In den alten javanischen Weisheitslehren unterscheidet man zwischen 4 Bewusstseins-Ebenen:

Jemand tut dir etwas Gutes, du tust ihm etwas Schlechtes an.
Das ist das niederste, das „dämonische“ Bewusstsein.

Jemand tut dir etwas Schlechtes an und du erwiderst es mit etwas Schlechtem.
Das ist das „animalische“ Bewusstsein.

Jemand tut dir etwas Gutes und du antwortest ihm mit etwas Gutem.
Das ist das menschliche Bewusstsein.

Jemand tut dir etwas Schlechtes und Du tust ihm etwas Gutes.
Das ist das höchste, das göttliche, das schöpferische Bewusstsein.

Alles ist und bleibt eine Frage des Bewusstseins. Auf welcher Ebene man sich befindet ist kein Schicksal, es spiegelt nur den Grad unseres eigenen Bemühens, sich nicht vom Ego beherrschen zu lassen. Nichts ist bequemer, als sich dem unstillbaren Verlangen des eigenen Egos hinzugeben. Es ist wie Salzwasser- je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man. Aber der Mensch ist mehr als sein Ego. Es gilt also, sein wahres Selbst (ATMAN) zu erkennen, um die Erfahrung der Allverbundenheit (BRAHMAN) zu machen. Alles und jeder ist ein untrennbarer Teil des Ganzen. Aber es scheint gerade so, als wäre das kollektive Bewusstsein auf seiner niedersten Ebene angekommen. Das ist nicht nur „schade“, sondern bringt Zerstörung und Leid über uns alle. Fragt man den Einzelnen, ob er das will, antwortet er „natürlich“ mit Nein. Es soll immer nur den anderen treffen. Aber es trifft dabei immer uns alle. Das Kollektiv, die Gesellschaft, und damit jeden von uns. Im Kleinen wie im Großen. Das versteht man in den alten indischen Weisheiten unter Karma. Du erntest, was du säst.

Nur ist es in diesen Zeiten, in denen die äußeren, insbesondere die medialen Einflüsse auf unseren Geist so massiv sind wie niemals zuvor, nicht gerade einfach, sich aus der Ego-Falle zu befreien. Das gilt für die Dümmsten gleichermaßen wie für die Klügsten. Was es dazu braucht, ist kein neues Wissen, sondern Weisheit. Die müssen wir nicht neu, sondern WIEDER finden. Sie hat sich gut versteckt, verborgen im Innersten eines Jeden. In einer Welt, in der sich alle Aufmerksamkeit aufs Äußere richtet, braucht es wieder Stille und Einkehr. Es braucht weniger statt mehr, um wieder zu uns selbst zu finden. Nur durch inneren Frieden erreichen wir den äußeren.

Goethe sagt in seinen „Maximen und Reflexionen“:
Die Weisheit ist nur in der Wahrheit.

Hinweis: Es gibt eine unaussprechliche, aber immergültige Wahrheit- tief in uns besitzt sie ein jeder. Das haben schon die alten Hochkulturen erkannt. Diese für sich zu finden ist der tiefere Sinn aber auch die Herausforderung unseres Daseins. Aus diesem inneren Schatz schöpft dich die Weisheit, „daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ (aus Goethes Faust). Darum wird es in meinem Talk „DIE GANZE WAHRHEIT“ am 4. Mai 2018 in der ehrwürdigen URANIA in Berlin gehen. Ich würde mich freuen, Euch dort begrüssen zu können. Tickets gibt es noch hier:

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2 Kommentare zu “GUT ist nur, was allen(m) dient!
  1. Michael sagt:

    „Jemand tut dir etwas Schlechtes und Du tust ihm etwas Gutes.
    Das ist das höchste, das göttliche, das schöpferische Bewusstsein.“

    Also ich grenze mich dann deutlich ab und distanziere mich nach deutlichen Worten von dieser Person…das ist ein gesundes menschliches Verhalten.Manchmal fordre ich auch Wiedergutmachung….

  2. David sagt:

    Lieber Herr Kolb, ich lese Ihren Beitrag nun schon zum zweiten Mal seit der Veröffentlichung und finde ihn einfach nur sehr sauber in das Schwarze getroffen. Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Möge Ihre Sichtweise in viele Gemüter dringen und die Augen öffnen. In diesem Sinne: Mensch sei wieder menschlich. Ihnen und dem Newslichterteam einen tollen Samstagabend

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