Alles was ich will ist alles

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Von Claudia Shkatov. Heute ist ein besonderer Moment in meinem Leben. Ich habe über die letzten Tage einen Menschen, der mir sehr nahe steht, durch ein kleines inneres Tief begleitet. Und heute Morgen schrieb er mir, dass er jetzt gern für MICH da wäre.

Und dass er den Eindruck habe, ich bräuchte gerade viel mehr Zeit und support von ihm als die, die er mir im Moment geben könne. Ich war so überrascht. Mir geht’s doch super gut. Dachte, er braucht gerade meinen support. Wusste gar nicht, was er meinte. Und plötzlich kamen mir die Tränen. Etwas ganz Tiefes haben sein Worte in mir berührt.

Queen of shit

Ich fühle mich seitdem zart, gewöhnlich, klein, menschlich, erdig und wie ein Sandkorn auf unserem schönen blauen Planeten. Ich will gerade niemand sein von all den Glänzenden der social media Welt, die sich Money Queen, Abundance Goddess, Super-Mega-Irgendwas-Meisterin oder Meister nennen. (Und einige von ihnen finde ich wirklich großartig!). Wenn schon, dann will ich heute mal eine Queen of Shit sein. Gerade fühle ich mich nur irdisch. Und das ist gepaart mit einem Gefühl von Hochachtung und Freude für und über mich kleinen Menschen selbst. Ich blicke auf den Berg Bügelwäsche, den ich aus dem Waschkeller ins Esszimmer gestellt habe, damit ich auf der Terrasse in der Sonne bügeln kann. Das ist seit Corona für mich Meditation. Mein Blick fällt auf den stattlichen Gummibaum mit all seinen neuen hellgrünen Trieben neben der Terrassentür, den ich in den letzten fünf Jahren so gut gepflegt habe, dass er von einem kleinen Nichts in einer Ecke unseres Hauses zu einem wahren Baum, der fast bis zur Zimmerdecke reicht, erstanden ist.

Dankbarkeit & Tatendrang

Ich sehe mit Dankbarkeit auf den frischen grünen Rasen, den unser Sohn Leo mit seinem besonderen Gespür für die Schönheit von Räumen am Wochenende für uns gemäht hat. Denke mit Stolz an unseren Ältesten Max, wie unorthodox, kraftvoll und mutig er sich mit 22 Jahren dem Leben und seinen Beziehungen stellt. Ich lache vor Freude über unseren Jüngsten Julius, der mittlerweile fast besser kocht als ich, den Rest seiner Schulferien genießt und sich heute bis mittags im Bett räkelt. Und ich spüre den Ring an meiner linken Hand, den ich seit 23 Jahren trage und denke an meinen Mann, der mich gelehrt hat meine Mitte zu finden wie kein Anderer. Alle vier leben ihre eigene kreative Unordnung, die ich mir früher nie zugestanden hätte.

Vor mir steht mein feiner silberner laptop, der so viele geschriebene Schätze von mir enthält. Der Instagram account für meine Soul Quest Retreats explodiert in den letzten Tagen mit neuen follows und likes. Und ich bin so erfüllt davon, mit meiner Arbeit und mit diesem Angebot einer Reise in die Tiefen unserer Seelen mitten in der Wildnis des Mother Land Südafrika, unser aller Entwicklung in eine tief verbundene, mitfühlende und wache gemeinsame Welt zu dienen. Ich bin voller Tatendrang.

Nur in den Himmel gucken

Ja. Und dann ist da noch dieser Teil in mir, der nichts anderes will, als in den Himmel gucken, sich anlehnen, berühren und berührt werden. Tanzen, Umarmen, Liebe machen, Lachen, Weinen einfach so. Von morgens bis abends. Jeden Tag. Und etwas in mir hat sich gedreht und weiß nun mit Sicherheit, dass das kein Widerspruch mehr ist zu der Frau, die Stunden durchschreibt ohne sich zum Klo zu bewegen wenn ein Text sie ergreift. Und derjenigen, die Projekte und Unternehmen aufbaut, in ihrer Seele reist und Kinder ins Leben begleitet. Egal, was ich tue, immer geht es dabei um ein und dieselbe Energie in mir. Einige ihrer Namen sind Leben, Tod, Liebe, Sex, Lust, Spiel, Chaos, Kreativität, Ordnung, Wahrheit, Inspiration und Verbindung. Es gibt kein Entweder Oder.

Einfach richtig ätzend sein

Hach, und wo ich schon dabei bin, es gibt einen weiteren Teil, der hat solche Lust, all das zu tun und zu sein und zu sagen, was sich gar nicht „gehört“. Kennst Du solche Momente, in denen Du irgendwo auf einem Balkon im 20. Stockwerk stehst und die Tiefe zieht Dich wie ein Magnet? Etwas in mir will dann fallen. Ganz ohne Sterben wollen. Etwas Ähnliches gibt es in mir, das will in Situationen, die vollkommen friedlich und freundlich sind, etwas ganz Unverschämtes, Gemeines oder Haarsträubendes sagen oder tun. Wie die Hose ’runterziehen und mitten in den Raum pinkeln. Oder jemanden, der gerade sehr nett zu mir ist, aus dem Nichts heraus „Arschloch“ nennen. Und dieser Teil fragt sich dann mit prickelnder Begeisterung, was dann wohl passieren würde.

Vermutlich werde ich es nicht ausprobieren müssen ;-). Jedoch allein die Erkenntnis, dass da etwas in mir schlummert, das nicht immer lieb und nett sein will, das ist – wie soll ich sagen – sehr belebend. Ich will unbequem sein. Ich will peinlich sein. Ich will ätzend sein. Ich will klein sein. Hässlich. Neidisch. Eifersüchtig. Ängstlich. Schwach. Und ich will dunkel sein. Ich will gruselig sein. Ich will leuchten. Ich will Alles.

Ja. Ich will Alles. Neulich las ich einen Instagram post von Andrea Lindau mit dem Satz „ALLES WAS ICH IMMER WOLLTE WAR ALLES.“ Diesen Satz hat sie für mich gepostet. Alles was ich immer wollte war alles! Und so ist es immer noch und immer wieder. Und ich habe erfahren, dass dazu auch wirklich alles gehört. Was mein Kopf schon eine Weile versteht und mein Herz schon immer weiß, fühlt nun auch mein Körper. Ich bin alles. Und ich will alles.

Perfektion ist sch****

Es ist schön, alles zu wollen. Ein bisschen gruselig auch. Dem Leben vertrauen steckt darin. So wie nie zuvor. Und mir selbst. Dabei fällt mir eine junge Frau ein, deren feed ich vorletzte Woche auch auf Instagram sah – @janaheinicke. Sie ist Buchautorin und Mutter. Was sie schrieb und mit ganz persönlichen Fotos illustrierte über ihre erste Zeit nach der Entbindung und gemeinsam mit ihrem Partner, hat mich zu Tränen gerührt. Sie wagt es sich mit all dem zu zeigen, was ich mich vor 20 Jahren als junge Mutter nicht einmal zu denken traute. Ich leitete ein Unternehmen in Moskau, stillte unser erstes Kind, lernte ehrgeizig Russisch, debattierte mit den Verkaufsdrachen der alten sowjetischen Supermärkte, kochte und hielt meinem Mann – kicher – die Stange, der neben seinem Job im Abendstudium einen MBA machte. Ich wollte perfekt sein. Und nur mein Tagebuch wusste von all dem stillen Frust, der Traurigkeit, Einsamkeit und Wut, die ich fühlte und mit aller Gewalt unter dem Deckel hielt.

Jana Heinicke schreibt heute öffentlich über ihre Verletzlichkeit und die Kraft, die es sie und ihren Körper kostet, zu gebären, zu stillen, ein ganz neues Wesen in einem veränderten Körper mit einem weiteren ganz neuen Wesen in ihren Armen und in ihrer Obhut zu sein. Sie spricht vom Privileg einen Partner an ihrer Seite zu haben der als Vater von Anfang an seine 100% an Verantwortung und Fürsorge für das Kind und für sie übernimmt. Und von ihrem eigenen Vater, der in der Nacht ihrer Geburt fremdging. Sie erzählt, wie sie in der ersten Zeit mit einem Neugeborenen ihren fulltime job mit ‚Milch-produzieren’ und ‚Überleben’ meistert. Während ihr Partner alles andere regelt. Und wie sehr es sie trifft, dass ihre Erfahrung ein Privileg und gar nicht Normalzustand in unserer Gesellschaft ist. Ich fühle so sehr mit ihr.

Eine weitere junge Frau fiel mir in diesen Tagen auf Instagram auf – @alexandra__z. Sie ist auch Mutter und leitet die Redaktion des neuen Frauenmagazins ‚Brigitte Be Green’, Alexandra Zykunov. Alexandra nennt sich unter anderem ‚Wutschreiberin’. Und sie stellt sich manchmal auf Marktplätze und liest dort ihre Wutreden vor. Dabei teilt sie offen, wie sie ihren Alltag als Mutter, Partnerin, Journalistin erlebt und lebt. Und was ihr in unserer Gesellschaft gar nicht behagt. Und welche Unterstützung sie sich wünscht.

Ganz laut und ganz still sehr stolz

Es gibt mittlerweile viele solcher jungen Frauen, die ihre Talente, ihren Wunsch nach Kindern und Familie, ihre Sehnsucht nach einem erfüllten Familien- und Liebesleben, nach Eigenständigkeit und Freiheit, nach Selbstausdruck und Geborgenheit gleichzeitig leben. Je mehr ich schaue um so mehr begegnen sie mir.

Und ich will gleichzeitig still und laut sagen:

Ich bin total stolz auf Euch, Ihr jungen Frauen! Und ich will Euch Mut machen. Ihr habt das Recht, einfach alles zu haben, alles zu wollen und alles zu sein. Ihr seid wundervoll und großartig. Und ihr verdient absolut jede Unterstützung der Welt für das, was Ihr ins Leben bringt und auf die Beine stellt! Ihr macht alles so richtig. Und so gut!

Meine Unterstützung ist Euch gewiss. Ich bin dankbar, total inspiriert und sehr berührt zu erleben, wie Ihr dem Leben begegnet, wie Ihr Eure Stimmen erhebt und Euch ausdrückt, und wie Ihr ganz offen mit dem umgeht, was Euch bewegt und unbeirrt von aller Konditionierung Männer in Eurer Leben bringt, die ihren Platz in Eurer gemeinsamen Welt jenseits jeder traditionellen Vorstellung einnehmen, so wie es für Euch als Paar und Eltern richtig ist. Und Ihr irrt und wirrt ebenso wie wir. Doch ihr seid jetzt schon klarer und anwesender als ich es je in meinen frühen Jahren war. Ich bin so stolz auf Euch. Ich stehe hinter Euch. Und ich bitte alle Frauen und Männer meiner Generation und der Generationen vor uns ebenfalls für Euch da zu sein mit all unserem Mitgefühl und Verständnis und aller Visions- und Tatkraft, zu der wir nur fähig sind.

Wir sind Frauen und Earth Mothers. Wir sind wild und zärtlich, Ordnung und Chaos, Sonne und Mond. Unsere physischen Kinder sind bei weitem nicht unsere einzigen. Und wir dienen uns und allen anderen gleichermaßen mit unserem unübersehbar wertvollen Beitrag.

Last but not least feiere ich an dieser Stelle auch all die Männer, die sich gerade auf unterschiedliche Weise der Weiblichkeit, die sich überall auf der Welt ihre Bahn bricht, stellen und Hand in Hand mit uns Frauen ihre wahre Männlichkeit an den Start bringen.

Tadaaaaaa!!!

If you want the Moon, do not hide from the night. If you want a rose, do not run from the Thorns. If you want love, do not hide from yourself.
– Rumi

Foto: Claudia

Claudia Shkatov www.blissbow.de

@soulquestretreats

instagram.com/soulquestretreats

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20 Kommentare zu “Alles was ich will ist alles
  1. Frank sagt:

    Das war genau der Text, den ich genau JETZT gebraucht habe. DANKE..!!!
    Alles was ich will ist alles ..

  2. Gudrun sagt:

    Jaaa! Ein wunderbarer, kraftvoller Artikel! Das sage ich mir auch öfter: Ich will alles! Das ist die powervolle Ganzheit!

  3. Ruth sagt:

    YES‼️‼️ 👌🏼 💕💕💕

  4. Sarah sagt:

    Claudia, ich danke dir von Herzen. Deine Worte rütteln und schütteln mich durch, gehen durch Herz und Magengrube, stiften neue Gedanken und Gefühle und in-spiri-eren mich. Dankbar! Freudig! Lebendig! Mit allen Facetten. So anstrengend Mensch und Frau sein manchmal ist, so wundervoll und spannend ist es auch mit jedem Tag. ALLES ist, ALLES darf. ALLES gehört einfach dazu, wir leben mit, durch und dank der Gezeiten des Lebens und der Liebe. Auch mit allen Lücken und Schatten, die sein sollen und dürfen. So schön dass du da bist!!!

  5. Viola sagt:

    Liebe Claudia –

    Wow, diesen Text zu lesen- oder zu verinnerlichen, ist ein mit DYNAMIT geladenes GESCHOSS…Da war NICHTS, was abzulehnen war- im Gegenteil,in diesem langen Text, steht vieles,was ebenso “ VIELE MENSCHEN “ angeht, berührt, bzw. die eigene Liebe,
    wie auch die Wut hoch-kochen läßt…
    Deine zeilen lb. Claudia,sie unterstützen das, was ALLE MITMENSCHEN zur
    Selbst-Reformation einlädt…
    Mögen deine Worte eine Unzahl an Menschen erreichen –
    in DANKBARKEIT
    vIOLA

  6. irma cécil renaud sagt:

    Liebe Claudia, voll tiefer Dankbarkeit verneige ich mich vor dir!

    deine Worte sind heute für mich ein Weckruf……….

    yes, Schwester, du schreibst von mir….
    und ich hatte sie vergessen, die tiefen Worte und Wahrnehmungen,

    meine Größe in tiefen Laden vergraben,

    ja, klar, die liebe bringt ALLES ans Licht

    und heute auch mal wieder die Kraft der Wut und des Schmerzes mir so zu erlauben und zu mir zu nehmen und zu nutzen.

    Immer noch schreibe ich hier und bringe ungezählte graue Buchstaben in die Tasten.

    Nah und zwischen den Zeilen steht noch so einiges mehr…
    danke danke,

    fühl dich geherzt und gehalten!!

    so gut, dass du BIST

    von herzen irma cécil

  7. Katrin sagt:

    Liebe Claudia,

    mir fällt nur ein Kommentar ein: WOOHOOOWWWWWWWW!!!! Ich danke dir von ganzem Herzen!

  8. Claudia Hohlweg sagt:

    Schööööön! Ich mag Deine Texte und spüre, wie die Wörter aus Deiner inneren Quelle nach außen strömen und uns beschenken! Danke, von Claudia zu Claudia!

  9. Felix. sagt:

    Ja Claudia! L(I)EBE! Ich sehe es aber omniamore. Ich LIEBE mich und Alle(s). Bin vor 2 Wochen 70 geworden und fühle mich immer noch wie 25! Bin gesünder in Geist&Körper. Völlig mit mir&Allem/-n in FRIEDEN. L(i)ebe jetzt von Obst&Rohkost&Nüsse auf 9 Quadratmeter in meinem Wohnmobil. Und stehe auf dem Hof einer neuen Freundin, die 72 ist und auch junggeblieben. Wir verstehen uns immer besser. Gerade auch im Bett. Wir sind zärtlich und hören sehr gut auf einander. Ich weiß, was ich will. Und, sie auch. Frei sein. Ungebunden. Sie wohnt in ihrem Haus und macht viel Politik. Und ich will nur noch LIEBE(N). Daraus entstehen tolle Sachen. Ich ent-decke allmählich mein Potential. Wir gehen viel zusammen. Und immer: Hand in Hand. Sie hat mir einen neuen Namen gegeben: Felix. Weil ich ihr Glück bringe. Und ich bin glücklich. Ewiglich. Danke Claudia. Weiter so!

    • Claudia sagt:

      Was für ein Geschenk, lieber Felix! Ich gluckse vor Freude in mich hinein, während ich Dich lese….. Danke, dass Du Dich hier mit mir und allen anderen teilst. Seid beide umarmt 🙂

  10. Cindy sagt:

    Liebe Claudia, liebe Seelenschwester,
    tausend Dank für Deine Worte und Dein hier Sein und Wirken. Du leuchtest mir beispielhaft den Weg, wie sehr es richtig und in Ordnung ist genau ALLES zu SEIN und WOLLEN und genauso auch ALLES zu GEBEN.
    Ich nehme diese jungen Frauen ebenso kraftvoll und feinfühlig war wie Du und bin ebenfalls soooo unfassbar stolz darauf, wie sie ihren Weg gehen. Da habe ich eher das Gefühl, ich kann noch sehr viel von ihnen lernen, als dass sie noch meine Unterstützung benötigen. Ich bin von Herzen gern ihr Rückenwind, auf dass sie weiter ihre Wahrhaftigkeit beispielhaft leben.
    DANKE DANKE DANKE

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