Wozu braucht es Straßengräben?

Foto: Vera Bartholomay

Von Vera Bartholomay. „Grøfter er viktig, Vera“ sagt mein norwegischer Nachbar und schaut mich dabei eindringlich an. Wahrscheinlich hat er schon längst verstanden, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die von der großen Bedeutung von Straßengräben wissen. Ja, noch schlimmer, die sich ehrlich gesagt kein einziges Mal darüber Gedanken gemacht haben, warum Straßengräben überhaupt notwendig sind.

Heute aber stehen wir mit einigen anderen Nachbarn zusammen in der Zufahrtsstraße zu meiner Hütte an der norwegischen Südküste. Eine Straße, die nicht öffentlich, sondern privat ist und deshalb bitteschön durch eigene Kräfte instandgehalten werden darf. Und so etwas macht man in Norwegen mit „dugnad“, einer gemeinsamen, halb freiwilligen und kostenlosen Arbeitsaktion. Alle packen an, egal was zu tun ist. Heute sind es eben die Straßengräben, die zugewachsen sind und dadurch verhindern, dass starkes Regenwasser gut abfließen kann.

Der besagte Nachbar ist ein handfester Mann, der nicht nur zupacken kann, sondern für diese Arbeit sogar seinen eigenen Bagger mitgebracht hat. Wir anderen sind nur die Helfer und machen alles, was der Bagger nicht allein schafft.

Und ich stehe dort mit einem Rechen in der Hand und mache mir jetzt küchentisch-philosophische Gedanken über die Bedeutung von Straßengräben. Denn sorgen wir immer dafür, dass unsere Lebenswege auch Bereiche bereithalten, in die das Überflüssige abfließen darf? Die verhindern, dass sich alles staut, was gerade zu viel ist? Machen wir uns je Gedanken darüber, dass man diese Bereiche gelegentlich freibuddeln muss von alledem, was sich auch dort gestaut hat über die Jahre?

Gerade jetzt, wo so viele Veränderungen auf uns einströmen, so viele Nachrichten, Ängste und Sorgen. Gibt es dann Bereiche, wo etwas davon abfließen kann und uns nur mit dem zurücklassen, was wir gerade bewältigen können?

Was könnte das für dich sein? Welche Bereiche sollten schon längst besser freigegraben werden, damit das „Vielzuviele“ gut abfließen kann?

Ich werde jedenfalls täglich beim Anblick der frischen Straßengräben daran erinnert, dass ich mir dringend einige Gedanken darüber machen sollte.

Vera

Vera Bartholomay ist nach einem langen und ereignisreichen Sommer mit ganz viel wunderbarer Zeit mit der Großfamilie, bewusst noch alleine in ihrer Hütte in Norwegen geblieben: „Ich brauche Zeit zum Schreiben und zum Denken, ich will aber auch diese Stille ohne jegliche Ablenkung auf mich wirken lassen. Will den Teil in mir Raum geben, der Freiraum und Rückzug braucht.“ Hier mehr zum Refugium auf Zeit

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