Dr. Monica Gagliano und der Ruf der Pflanzen

Foto facebook: Dr. Monika Gagliano

Von Miriam Licht. Dr. Monica Gagliano, Meeresbiologin, interdisziplinäre Pflanzenforscherin und Autorin begegnet mir auf Zufallswegen. Die mich lächeln lassen. Denn ich arbeite an einem scheinbar ganz anderen Thema, als mir dieser Tage die beeindruckende Wissenschaftlerin in den Blick gerät. Und dann lässt sie mich fürs erste nicht wieder los. So viel hat sie zu erzählen. So beeindruckend ihr Weg bisher. Ihre Art in der Welt zu sein. Durch Wandlungskrisen hindurch ihrem Weg zu folgen. Ihrem Ruf, der sie von der begeisterten Meeresbiologin zu einer bahnbrechenden Pflanzenforscherin hat werden lassen.

Geboren und aufgewachsen ist Monica Gagliano in Italien. Städtisch und dort scheinbar ohne besonderen Bezug zu dem, was ihre Berufung werden sollte. Um Meeresbiologin zu werden, ging sie zum Studium nach England und lernte und forschte an vielen Orten in der Welt. Ihre Promotion legte sie in Australien ab, wo die Weltreisende heute lebt.

Mit dem Abschluss eines Forschungsprojekts in einer traumhaft schönen Umgebung an der australischen Küste wurde eines Tages klar, dass sie so nicht weitermachen konnte. Mit großer Liebe erzählt sie von ihrem letzten wissenschaftlichen Projekt als Meeresbiologin, berichtet von den wunderschönen Fischen, mit denen sie monatelang in einem Riff im Wasser verbrachte. Fische, die sich voller Selbstverständlichkeit an ihre Anwesenheit gewöhnten, sich vertrauensvoll auf ihre Hand begaben. Und auch nicht das geringste Zeichen von Angst zeigten, wenn sie ihre Hand auch um sie herum schloss. Und wieder öffnete. Mit dem Abschluss des Forschungsprojekts stand das Töten der Fische an. Was sie als üblich beschreibt. Und schon viele Male getan hatte. Als sie am letzten Tag ins Wasser ging, um sich von den Fischen zu verabschieden, war alles anders. Wo sonst immer Fische waren, war an diesem Tag nicht einer zu sehen. Sie hatten sich versteckt. Alle. Für sie war klar: noch bevor die Tat anstand wussten sie bereits, was geschehen würde. Sie kannten die Gedanken von ihr schon, bevor sie sie auch nur selbst gedacht hatte. Wenngleich sie noch einmal tat, was üblich war, und die Fische tötete, war von diesem Tag an alles anders.

Doch welche sollte sie sein, wenn nicht die Meeresbiologin, die sie sie bisher gewesen war. Was konnte ihr neuer Weg sein, wenn sie nicht mehr bereit war, den althergebrachten weiterzugehen, auf dem sie das Töten ihrer Mitwesen zu verantworten hätte, so wie in derartigen Forschungsprojekten üblich?

The Mind of Plants

Foto facebook Dr. Monica Gagliano

Es sollte sich zeigen, dass es einen Ruf gab, dem sie folgen würde – den Ruf der Pflanzen. Dieser Weg, den sie seither im höchsten Maße authentisch als Mensch und Forscherin, innerhalb wie außerhalb des Wissenschaftsbetriebs geht, ist im höchsten Maße faszinierend. Dr. Gagliano ist von einer Liebe erfüllt für das, was sie tut, die mich staunen macht. Authentisch und voller Klarheit findet sie ihren Umgang mit dem, was sie weiß, sieht, wahrnehmen kann. Und entwickelt beeindruckende Forschungsprojekte, die ihre Wahrnehmung auf die allersolideste, traditionell wissenschaftliche Art bestätigen, ihre Einsichten beweisen.

Dafür braucht es einen tiefen inneren Anker, Unerschrockenheit und eine große Portion Mut. In der Sicht der westlich globalisierten Welt, in der nach außen oft noch üblichen Haltung von Forschung und Wissenschaft ist mir das etwas wirklich Außergewöhliches. In einer Veranstaltung erwähnt sie die Irritation, die ihre Kolleg*innen bei der Wahrnehmung ihrer Anliegen zeigen. Und spricht in diesem Zusammenhang warm lächelnd davon, was Mahatma Gandhi so in Worte gefasst hat: „Erst ignorieren sie dich, dann lachen sie dich aus, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“

Dass Monica Gagliano als Wissenschaftlerin von der Größe ihrer Weltsicht getragen ist, ist offenkundig. Es strahlt aus allem: aus ihrer Sprache, ihrer Haltung, ihrer beeindruckenden Herzoffenheit, aus ihrer tiefen Friedfertigkeit. Als ich sie in einer Veranstaltung sagen höre, dass sie zu ihrem Glück im Moment ihrer beruflichen Wandlungskrise bereits tief in Vipassana-Meditation verankert war, bestätigt sie damit meinen starken Eindruck ihrer spürbar gelebten Spiritualität.

Und ihre Forschung zu Pflanzen, was sagt die denn nun eigentlich? Monica Gagliano hat höchst Erstaunliches zutage gefördert. Sie ist den Beweis angetreten, dass Pflanzen ein Gedächtnis haben, lernen und Entscheidungen treffen. Wundert uns das? Dürfen wir aufwachen aus unserem von Newtonschem Weltbild gehaltenen Winterschlaf? Ich würde sagen: ja.

Dr. Monica Gagliano forscht engagiert und interdiszplinär in diesem Bereich. Ihr Buch „Thus Spoke the Plant“erschien 2018. Es wurde bisher ins Franzöische, Spanische und Niederländische übersetzt. Ob eine deutsche Ausgabe in Planung ist, konnte ich noch nicht herausfinden. Ihr neues Buch „The Mind of  Plants“ wird am 28. November 2021 veröffentlicht. Hier zum Live Event.

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Dr. Monica Gagliano zuzuhören, kann ich mit dem allergrößten Vergnügen empfehlen. Englische Vorträge und Interviews gibt es vielfältig und reichlich zu entdecken. Ein paar Möglichkeiten:

Monica Gagliano – Plant Intelligence and the Importance of Imagination In Science | Bioneers https://www.youtube.com/watch?v=90BUQoLu_Hg

Thus Spoke The Plant – Dr Monica Gagliano – The Shaman and The Scientist 2019 https://www.youtube.com/watch?v=ymzBxuSRt5Q

Rebel Herbal : Monica Gagliano – The Mind of Plants (And the Games We Play) https://www.youtube.com/watch?v=aG3mMDs7hK4

Life Lessons from Plants and Elders with Monica Gagliano 2-9-21 https://www.youtube.com/watch?v=-NXfX-Vn9f4

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Deutsche Artikel über Dr. Monica Gagliano:

https://www.geo.de/natur/naturwunder-erde/21836-rtkl-kluge-pflanzen-man-kann-die-erbse-trainieren-fast-wie-einen-hund

https://www.iva.de/iva-magazin/forschung-technik/sprechende-pflanzen

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Website: https://www.monicagagliano.com/

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Gerade frisch veröffentlicht, lyrisch, weise, be-Sinn-lich: Resonant Earth | Monica Gagliano [All the Living Waters with Sarah Laborde]

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3 Kommentare zu “Dr. Monica Gagliano und der Ruf der Pflanzen
  1. Ein wunderschöner Weg wird da beschrieben, der meinem so ähnlich ist. Selbstverständlich sind Pflanzen wie Tiere wahrnehmende und kommunizierende Wesen. Und dabei sind wir Menschen ihnen wie Kinder, die aus Übermut oder Unwissenheit immer wieder die Lebensgesetze verletzen. Ihr Großmut und ihre Verbundenheit scheint unerschütterlich – eine so andere Welt als die der Wut, der Rache, der Strafe.
    Was Monica wissenschaftlich zu belegen versucht, ist längst belegt: In den 70er Jahren legten PETER TOMPKINS und CHRISTOPHER BIRD eine Zusammenfassung ihrer JAhrzehntelangen Forschungen zu Seele, Kommunikation und Wahrnehmung von Pflanzen vor mit dem Buch „Das Geheime Leben der Pflanzen“.
    Sie ließen sich beeindruckende Versuchsanordnungen einfallen, um das „Verstehen“, das „Hellsehen“, die Telepathie“ und die „Beziehungsfähigkeit“ von Pflanzen nach naturwissenschaftlichen Regeln zu beweisen.
    Dieses Buch empfehle ich sehr !

    • Miriam sagt:

      Dank dir Evelin – auch für deinen Buch-Tipp: schön durch dich von Peter Tompkins und Christopher Birds zu erfahren! Ja, so ist das wohl mit dem Verändern unserer Einsichten, Weltbilder, Zugänge: ein Weg, der offenbar Zeit braucht. Und scheinbar erst über Generationen die Wandlung vollbringen kann.

  2. Peter Mewes sagt:

    Im Botanischen Garten in Berlin-Steglitz steht ein Gedenkstein mit einer Einsicht, die Goethe zugeschrieben wird: „Habt Ehrfurcht vor der Pflanze, denn alles lebt durch sie!“
    In Zeiten, in denen schon die Tiere in der Agrarwirtschaft nicht mehr als Tiere, sondern als Produktionsfaktor gesehen werden, scheint mir solch eine Erinnerung als angebracht, denn auch der Mensch scheint in vielen Köpfen auch nur noch als Produktionsmittel oder als Verbraucher präsent zu sein!
    Das Schlüsselerlebnis von Dr.Gagliano kann gar nicht weit genug verbreitet werden.

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