Shame for Future – Eine neue Geschichte über die Scham

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Letzte Woche bin ich einer Frau begegnet, die mich durch ihr Sein und ihre Forschungsarbeit berührt und zutiefst herausfordert. Sie heißt Ann La-Forker, ist Traumatherapeutin und Scham-Gourmet. Ja, wirklich, GOURMET! Mir scheint, ich kenne sie schon lange. Durch die neue Verbindung mit ihr wird mir in diesen Tagen bewusst, dass ich mich ständig schäme. Und es meist übergehe. Und so war das schon immer.

Und ich kann plötzlich sehen, dass Scham der absolute Mega-Undercover-Super-Agent unter den Emotionen ist. Sie ist eine Energie, die selbst dem stärksten Superhelden den Arsch aus der Hose triggert. Und weil er das nicht mag, rüstet er auf. Wieso hat Scham eine solche Macht? Weil sie wie keine andere Energie in unserem menschlichen Dasein verdrängt und übergangen wird. Sie liegt unterhalb unserer Bewusstseinsgrenzen und Kompensationen wie die Bomben und Granaten aus dem zweiten Weltkrieg, die in unserem Nachbardorf Lehnitz seit Jahren immer wieder zufällig von Gärtnern oder Bauarbeitern entdeckt und dann aufwendig entschärft werden müssen. Und wie diese Bomben fühlt Scham sich vernichtend an. Warum ist das so? Weil wir die Welt wahrnehmen als eine, die uns als die freien, lebendigen, souveränen, kreativen und göttlichen Wesen, die wir sind, beschämt. Wenn wir zur Welt kommen, haben wir keine Ahnung von Scham. Wir sind reine Unschuld und Essenz. Dann werden wir erwachsen. Und wir verlieren die Verbindung mit dem Wesen, das wir wirklich sind. Wir versuchen alles Mögliche zu sein, den Vorstellungen anderer zu entsprechen. Und entfernen uns damit meist immer weiter von uns selbst. Das grenzt an Vernichtung. Und so laufen wir heute auf unserem Planeten herum in unseren erwachsenen Körpern und sind selten oder gar nicht mehr da.

Zeit für Auferstehung. Das Wort Integrität fällt mir dabei ein. Für Ann La-Forker ist es ein Schlüsselwort. Integrität stammt aus dem Lateinischen und steht für ‚unversehrt‘, ‚intakt‘, ‚vollständig‘. Integrität bedeutet für mich, wach und zuverlässig mit meiner Seelenenergie verbunden und in meinem Körper zu sein. Nur hier bin ich vollständig, sicher und erfüllt von mir selbst. Von hier aus wird jede negative Emotion eine Gelegenheit zum Perlentauchen (Danke, Ann, für die tolle Metapher!). Und genau das sind meine immer bewussteren Begegnungen mit Scham in den letzten Tagen. Ich tauche nach den Perlen meiner verbannten Lebensenergien. Die Scham weist mir den Weg. Ich bin wach für sie wie nie und lasse keine Gelegenheit verstreichen, sie vor mir auf den Tisch zu legen, damit sie sich wandeln kann. Warum erzähle ich Euch das alles? Weil mir inmitten meiner persönlichen shame celebration time deutlich ist wie nie, dass es nicht möglich ist sich sinnvoll und integer zu bewegen in einer Welt, die sich gerade neu gebiert, solange wir nicht in bewusstem Kontakt mit unserem Emotionalkörper und physischen Körper sind. Und das hat weder mit Intellekt noch mit Fitness zu tun. Und solange wir nicht in bewusstem Kontakt mit der Killer- und zugleich Königsenergie unter unseren Emotionen – unserer Scham sind – haben wir keine Chance, die in ihr verborgenen Perlen zu bergen. Und so bewegen wir uns weiter in mehr oder weniger dramatischen, schamvollen, beschämenden, trennenden, verletzenden, verletzten und konfliktbeladenen emotionalen inneren und äußeren Heimaten. Scham, solange sie nicht anerkannt und in ihre Perlen verwandelt wird, trennt uns von uns selbst und damit auch von anderen Menschen wie keine andere Emotion.

Die Mega-Perle der Scham ist nämlich tiefe nährende Verbindung. Welche Perlen liegen noch unter der Scham? Scham, die bewusst angenommen und gefühlt wird, bringt uns in Kontakt mit Lebensenergien, die wir im Laufe unseres Lebens verbannt haben, weil wir glaubten damit nicht gesellschafts- und überlebensfähig zu sein. Lust, Unschuld, Leichtigkeit, Offenheit, Wildheit, Kreativität und Unbeschwertheit sind nur einige davon. Die meisten unserer Traumata haben mit Scham und ihrer Zwillingsschwester Schuld zu tun. Und das betrifft vermutlich ausnahmslos jedes menschliche Wesen auf diesem Planeten. Nichts traumatisiert übrigens effektiver und großflächiger als Krieg. Er traumatisiert nicht nur alle Beteiligten. Das Trauma, die Schuld und die Scham all dessen was wir mit einander im Krieg erleben und einander gegenseitig in unserer geistigen Umnachtung antun, wirkt noch über Generationen weiter. Millionen exzellenter Coaches, Therapeuten, Psychologen, Ärzte, Wissenschaftler, Mütter, Lehrer und Heiler aller Kulturen sind dann über Generationen damit befasst, diese Traumata in Erwachsenen und Kinderherzen wieder aufzulösen. Ich stelle mir gerade vor, was wir alles mit unseren phantastischen Ressourcen anstellen, wenn wir schlicht damit aufhören, Schrott zu produzieren und ihn wieder aufzuräumen. Das wird ein Fest!

Krieg ist ein Auslaufposten. Ein ehemaliger Dauerbrenner im Supermarkt des Lebens, den heute niemand mehr braucht. Krieg ist out. Krieg – egal ob innen oder außen –  ist unser Weg solange wir den Wandel und seine Möglichkeiten noch nicht begreifen. Und er hilft uns gerade allen dabei, noch schneller noch klarer zu werden. Es ist jetzt unumkehrbar der Moment gekommen, an dem der alte Kreislauf von Gewalt, Schuld und Scham auf Erden endet. Kein Putin der Welt hat auf unserem bis in den kleinsten Winkel vernetzten Planeten die Chance, sich gegen die Menschheit und ihre Entscheidung für Frieden zu stellen. Und Frieden ist nicht das Ende von Krieg. Frieden ist der Anfang von Leben. Mein Sohn Leo formulierte einmal im zarten Alter von sieben Jahren: „Mama, ich glaube Frauen sind das Leben und Männer sind die Hüter des Lebens.“ Und seine Worte klingen bis heute in mir nach. Ja, wir Frauen sind das Leben. Selbst im Krieg sind wir es, die weiterhin waschen, gebären, Schulen und Kindergärten betreiben, Mahlzeiten aus nichts kochen, Alte und Verwundete pflegen, unsere Kinder stillen und sie in den Schlaf singen. Selbst im Krieg geht das Leben weiter. Und die treibende Kraft dafür sind Frauen. Die meisten Männer kämpfen und nehmen Leben, während sie dem alten Wahn unterliegen, sie schützten es. Frauen saßen in den Friedensverhandlungen aller bisherigen Kriege niemals maßgeblich mit am Tisch. Und auch heute sehe ich an den Verhandlungstischen zwischen der Ukraine und Russland nur Männer. Da, wo es um unser Leben geht, gehören diejenigen, die es naturgemäß sind, zu 50% mit an den Tisch. Es geht nicht darum, irgendeinen Krieg zu gewinnen. Die Gründe für Krieg kann am Ende ohnehin niemand mehr nachvollziehen. Denn es gibt sie nicht und gab sie noch nie. Krieg ist der uralte, verschimmelte Weg von uns Menschen, die wir nicht mehr mit uns selbst und anderen in Kontakt, nicht mehr integer sind, und zwar an allen beteiligten Fronten. Und am Ende sind immer alle Verlierer. Heute mehr denn je. Gleichzeitig gibt es unendlich viele Gründe für Frieden und das Leben. Unsere Welt gehört mit all ihrer bunten Vielfalt zusammen. Wir sind eine Menschheit. Und wir sind genial, wenn wir uns zusammentun und wieder jeder und jede bei uns selbst ankommen.

Ich rufe alle Frauen der Erde und alle Männerdie das Leben auf ihr von ganzem Herzen hüten wollen, mit mir gemeinsam ab sofort jede Handlung und jede Berichterstattung niederzulegen, die nicht unmittelbar dem Leben dient, in Stille zu gehen, zu atmen, das Leben in uns zu spüren, es zu feiern und jede/r auf unsere Art zu beten. Solange bis alle Waffen schweigen. Berühren wir doch derweil in uns die alte Scham und Schuld – zu töten, nicht töten zu können, zu kämpfen, nicht kämpfen zu wollen, uns machtlos zu glauben, uns falsch zu glauben, uns glücklicher zu fühlen als andere, uns unglücklicher zu fühlen als andere, zu hassen, zu lieben, wenn alle hassen. Und entdecken wir doch unsere uralte Scham, nicht die zu sein, die wir sind. Legen wir sie respektvoll und wissend um die Perlen, die sie hütet, vor uns auf den Tisch. Unter unserem offenen annehmenden Blick wird sie sich wandeln wie Regen zu Sonne in reine Lebensenergie mit all ihren Aromen, Farben und Klängen. Nichts anderes als das wird uns alle auf Dauer erfüllen und befrieden.

Shame for Future!!! NOW

Beim Schreiben wurde ich inspiriert von diesen Gedanken und Texten von Ann La-Forker: Scham – Rehabilitation eines ungeliebten Gefühls

www.becoming-essence.world/scham (deutsch)

www.becoming-essence.world/en/shame (english)

Let’s talk soul.integrity – Who do we want to be as humanity?

www.integrityforfuture.work/the-soul-wound

Die etwas andere ZEIT oder das Aufwachen einer traumatisierten Spezies

www.becoming-essence.world/die-etwas-andere-zeit

Claudia Shkatov
TELLING A NEW STORY

www.claudiashkatov.com
Transformational Coaching for Life & Business

Die Kraft der Verletzlichkeit

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10 Kommentare zu “Shame for Future – Eine neue Geschichte über die Scham
  1. Seit 2012 verfolge ich die Arbeit von Brene Browne https://www.newslichter.de/2012/03/die-kraft-der-verletzlichkeit/ zu diesem Thema und es war auf so vielen Ebenen heilsam. Danke, dass ich jetzt noch mehr dazu lernen darf.

  2. Miriam sagt:

    Groß, wahr, heilsam. Wir gehen den Weg. Dank dir aus tiefem, weiten Herzen, liebe Claudia, danke Ann La-Forker für all dies. Ich traf meine Scham vor wenigen Tagen. Hausend ungewusst unter Gedanken, Meinungen, Überlegungen, inneren Diskussionen. Mein Körperzuhause sprach dem Kopf von Enge, Not, Verzweiflung, Scheitern. Alles schien ein Rätsel. Ich begann Trauer zu vermuten. Als ich Ohren und Herz einer Freundin rief, brach unter all dem die Scham hervor. Verborgen die längste Zeit und scheinbar ein grausames Monster. Aber nein, diese Drachin ist ein Geschenk!
    Ja, Claudia. Gemeinsam mit dir und allen.

  3. Liebe Claudia!
    Wie immer auf den kraftvollen Punkt gebracht!
    All die nicht erlösten Traumatisierungen unserer Urahnen, bis hin ins tiefste Mittelalter, haben uns Muster des „Du solltest dich schämen!“ in allen Variationen in die Gene gelegt. Zwischendurch, auf halbem Wege des Entdeckens, was alles in mir angelegt ist, kam bei mir dann noch die Scham mir selbst gegenüber dazu, weil ich mich selbst so klein gehalten, mich selbst so unendlich oft verraten hatte. Als ich verstanden hatte, was auf dem Urgrund von allem lag, konnte ich mir das liebevoll vergeben und aufhören, mich dafür zu schämen.
    Dieser Weg ist sicher noch nicht zu Ende, aber ich bin nicht mehr angst- oder schamvoll darauf unterwegs, sondern tatsächlich wie eine Perlentaucherin – was für ein wundervolles Bild dafür!.

    Ich tauche mit euch 🙂

    Herzensgrüße
    Imke

  4. Isolde sagt:

    Ein gutes Buch das wirklich in die Tiefe damit geht ist “Befreiung bon Schuld und Scham” von Laurence Heller und Angelika Doerne…

  5. Heike Dorner sagt:

    …wunderschöööön & so wichtig! Danke für diesen Beitrag ♡♡♡

  6. Rafaela sagt:

    Vielen Dank liebe Claudia
    Ich habe während dem lesen gespürt, dass dieser Text nur von dir sein kann 🙂

  7. Sabine Jung sagt:

    Was für ein wundervoller Beitrag!!! 🙏🏼 Das Bild der Perlentaucherin gefällt mir auch SEHR. Vielen Dank von Herzen🌸, Sabine

  8. Svenja sagt:

    Wow, danke für diesen essenziell wichtigen Beitrag.
    Ja, jede Perle ist ein Beitrag zum Weltfrieden. Und auch wenn durch die neuen Kriege ständig Trauma nachkreiert wird, bin ich überzeugt, dass wir die kritische Masse der gefundenen Perlen erreichen können und werden.
    Herzlich in die Welt.
    Svenja

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