Renate Schütz: Gegen alle Widerstände für die Biodiversität

Renate Schütz Foto: Delinat

Andere hätten längst resigniert und aufgegeben: Seit 1994 kämpft Renate Schütz auf ihrer kleinen Azienda La Luna del Rospo im Astigiano für einen Weinbau, bei dem die Natur freien Lauf hat. Ihre Rebberge gleichen einem wilden Naturparadies. Bunte Blumenpracht gedeiht. Schmetterlinge, Vögel, Insekten und Reptilien tummeln sich zwischen Reben, die man im Dickicht von üppiger Begrünung, Bäumen und Sträuchern zuweilen geradezu suchen muss.

Die Traubenerträge sind klein, die Qualität dafür entsprechend hoch. Die besten Trauben stammen von über 60 Jahre alten Rebstöcken, etwa von der Kammlage Bric Rocche. Es ist die Spitzenlage der nur sieben Hektar Rebfläche umfassenden Azienda.

Zermürbende Anfeindungen

Was für Renate Schütz das Paradies, ist für ihre Nachbarn ein Ärgernis. Diese monieren, der wilde Dschungel von La Luna del Rospo beeinträchtige ihre Reben. «Man wirft mir vor, ich vernachlässige die Weinberge und ziehe so Schädlinge und Krankheiten an. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Meine Rebberge sind ein weitgehend funktionierendes Ökosystem, in dem sich Fauna und Flora in vollstem Reichtum entwickeln können und qualitativ hochwertige Trauben reifen», erklärt Renate Schütz. Doch die Nachbarn haben sie bis vor den Richter gezerrt. Und weil das kommunale Recht einen absurden Grenzabstand verlangt, musste sie tatsächlich Bäume fällen und ganze Böschungen zurückschneiden.

Biodiversitätswinzerin 2022

Natur- und Weinfreunde erkennen die Absurdität der Situation beim Spaziergang durch die Reben rasch, zumal auf La Luna del Rospo elegante, harmonische und authentische Weine erzeugt werden, die bei Degustationen auf dem Hof stets auf Begeisterung stossen. Solche Momente sind es, die Renate Schütz aufbauen und trotz feindlich gestimmtem Umfeld motivieren, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Sie macht es seit bald 30 Jahren. Angefangen hat alles 1994, als sich die Philosophin aus Deutschland in die kleine, damals heruntergekommene Azienda verliebte, daraus das Weingut La Luna del Rospo schuf und hier sesshaft wurde. «Als studierte Philosophin mit Schwerpunkt Ethik und Natur hat mich schon damals die Frage umgetrieben, wie man mit der Natur anders umgehen kann. Seither lebe ich das als Winzerin im Piemont.» Seit 2004 arbeitet sie mit Delinat zusammen.

Nun ist sie für ihren unermüdlichen Einsatz für einen artenreichen Weinbau als Biodiversitätswinzerin 2022 ausgezeichnet worden. Renate Schütz: «Das freut mich enorm! Nicht nur, weil ich Delinat, ganz früher als Kundin und Konsumentin, inzwischen als Produzentin, enorm bewundere für das konsequente Engagement, sondern auch, weil sich hier eine ganze Gruppe von Menschen, Mitarbeitenden, Kunden und Winzern treffen, die verstanden haben, dass ökologisches Bewusstsein und Achtsamkeit sehr wohl zusammengehen mit grosser Qualität, ja dass gerade diese andere Form des Landwirtschaftens Garant ist für Geschmacksvielfalt und wirklichen Genuss.»

Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai 2022 sorgt Renate Schütz für eine Spezialabfüllung Biodiversità. Es handelt sich um einen unkomplizierten, leicht zu trinkenden Barbera, der fröhlich kündet von Sonne und Wind, Zwitschern und Summen, Flügelschlag und Krabbelbein. Weil Renate möchte, dass alle ihre pflanzlichen Mitarbeiter mitjubeln dürfen, sind Trauben von jeder Lage dabei. Wie immer vertraut die Winzerin dabei ganz auf das Können ihrer jungen und alten Rebstöcke. Und die önologische Kunst beschränkte sich darauf, die einzelnen Gebinde gekonnt zu assemblieren. Hier bestellen

Der Artikel erschein zuerst im Weinlese-Blog von Delinat.

22. Mai: Tag der Artenvielfalt & Biodiversität

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6 Kommentare zu “Renate Schütz: Gegen alle Widerstände für die Biodiversität
  1. Hut ab für so viel Durchhaltevermögen allen Widerständen zum Trotz.
    Ein Freund von uns setzt sich im Gülle-Land Niedersachsen für regenerative Bodenbewirtschaftung/ Landwirtschaft ein und wird ebenfalls von allen Seiten angegangen. Spinnerei und Nestbeschmutzung ist wohl noch das Harmloseste, was er sich anhören muss.
    Ich bewundere Menschen, die ihre Haltung dennoch bewahren und sich für das einsetzen, was ihnen ans Herz geht, ihnen ihr Herz eingibt.
    Das ist einer der Gründe, warum ich das Schulsystem verlasse. Meine Haltung und das was mir am Herzen liegt, kann ich dort nicht einbringen und ich lasse zu viel Energie an einem Ort, an dem Nachhaltigkeit, Achtsamkeit, bewusstes Leben und alles, was mit über die Jahre sehr wichtig geworden ist, nicht auf der Agenda steht.

    Ich werde mir dann ein neues Format suchen, um zu geben, was in mir angelegt ist.

    Grüße aus der Tiefe meines Herzens
    Imke

    • Wim Lauwers sagt:

      Das machst du richtig Imke. Viel Kraft und ein glückliches Ankommen in deiner neuen Welt.

      • Hab herzlichen Dank für die ermutigenden Wünsche! Ich bin so voller Dankbarkeit für die Möglichkeiten, die mir geschenkt sind und die Unterstützung meines Mannes, der diesen Weg mit trägt.
        Und ich bin voller Vorfreude, weil ich spüre, dass meine Ideen schon ungeduldig mit den Hufen scharren 😉

        Herzensgrüße
        Imke

  2. Wim Lauwers sagt:

    Hut an Renate!
    Nur so geht es: mit und in der Natur.
    Das mache ich auch. Ich genieße die Kräuter, die zu mir gekommen sind.
    Und schenke dem Land meine LIEBE.

  3. Wim Lauwers sagt:

    „Ab“ natürlich!! <3 <3

  4. Margitta sagt:

    Mein Garten ist für mich das Paradies, mit allem ,was die Natur – hier neben den Pflanzen , die ich erwählt habe – wachsen läßt. Auch wenn die Nachbarn wegschauen. Ich bin Natur und lebe mittendrin – und wir werden immer mehr, die das auch von Herzen her wollen.

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