Ahnengespräche

Alles ist Schwingung, alles ein riesiges Schwingungsfeld mit einem unendlichen Frequenzspektrum. Alles in Einem. In Zeit und Raum lebend, stelle ich mir dieses Feld wie einen Sandkasten vor, in dem alles möglich ist. Als Kind habe ich darin Kuchen gebacken, Burgen gebaut, meinen Namen in den Sand geschrieben. Und dann? Entweder mein Bruder kam und hat alles dem Sandboden gleich gemacht, oder ich habe es selbst getan. Wir formen, bauen, gestalten und lassen wieder los. Wie in einem Zengarten und… wie im Leben eben. Die Botschaft gerade eines Zengartens ist Schlichtheit. Einfachheit. Und immer wieder Leere. Immer wieder loslassen von der Schöpfung. Verebben lassen, ausklingen lassen.
Was hat das mit unseren Ahnen zu tun? Ich komme gleich darauf zu sprechen. Zunächst schaue ich noch einen Moment auf das Leben und auf unseren Planeten. Wie gestaltet sich Ausklang und Loslassen hier? Für mich stellt es sich so dar, dass wir Menschen gerne an etwas festhalten, den Bestand lieben, bzw. ihn sogar als Erfüllung des Lebens ansehen. Die Natur lebt uns den Wandel der Gezeiten vor, doch wir haben Schwierigkeiten, Dinge abebben zu lassen. Warum nur? Immerhin würden damit ja auch innere Konflikte, Leid, Unfrieden und Schwere ausschwingen.
Seit Jahren erlebe ich, dass allzu Gewohntes nicht mehr aufrecht zu erhalten ist, oder nur mit großer Anstrengung. Ich wehre mich nicht. Dennoch bedauere und betrauere ich einiges. Das, was ich nicht gleich gehen lasse, wird bedauert und dauert an. Es gibt für alles eine Zeit. Ich überfordere mich nicht damit, alles sofort gehen zu lassen. Anderes betrauere ich. Das, was bereit ist zu gehen, kleide ich in Töne, Klänge und Melodien. Nicht erst, wenn es befriedet ist. Nein, auch die Belastung, die beschwerte Form sozusagen, wird in Schwingung übersetzt. Nur so kann sie ausschwingen. Ich verabschiede mich singend.
Jetzt zu den Ahnengesprächen. Nach dem Tod meiner Eltern wurde mir langsam, sehr langsam klar, was es bedeutet, ein Familienerbe anzutreten. Ich meine nicht die materielle Ebene. Nein, ich meine das, was in den Ahnenlinien vor mir ge- bzw. ertragen und weitergegeben wurde. Aus der Perspektive von Schwingung ist das gemeint, was nicht ausschwingen konnte und somit von Generation zu Generation überliefert und vererbt wurde.
Lange Zeit habe ich Zeit damit verbracht, all das schwer zu Ertragende im Leben verstehen zu wollen. Letztlich wollte ich diese Lasten loshaben. Verständlich, wie ich meine. Doch so leicht ist Schwere offenbar nicht auszuräumen. Oder doch? Nun, zunächst habe ich all das gemacht, was mir vorgemacht wurde: Analysieren, mal eben die Schuldfrage klären, Dinge von mir weisen und sie vermeintlich dorthin zurückgeben, wo sie herkommen – zu den Ahnen…
Mittlerweile jedoch frage ich mich: wie wollen wir uns wechselseitig erhören, wenn wir so tun, als ob uns ein Konflikt, ein Dilemma, ein Schmerz nicht gehört, uns nicht hört? Er hört uns, aber hören wir auch ihn? Oder hören wir weg, überhören das, was uns nicht lieb und teuer ist? Immerhin – Ahnen sind unsere Angehörigen. Warum also schenken wir ihnen kein Gehör? Spätestens da musste ich mich nun endgültig an die eigene Nase fassen. Eine Entscheidung stand bevor: Nehme ich das Erbe meiner Ahnen an, oder schlage ich es aus?
Es ist entschieden und damit nehme ich nicht nur die ErbLast, sondern auch das ErbPotenzial an. Dieses Annehmen ist begleitet von dem Vertrauen in etwas Höheres, etwas Allumfassendes, Allumarmendes. Es lebt in der Umarmung einer Mutter, die ihr Kind trägt und wiegt, oder eines Vaters, der Schutz spendet. Ich teile es hier mit dir:
Wenn ich auf etwas aufmerksam werde, das sich immer und immer wieder in meinem Leben zeigt, kann ich mir sicher sein, dass es ein Thema ist, das auch meine Ahnen bereits kannten. Ich setze mich hin, öffne mich dafür zu hören und gehört zu werden, mit dem, was seit UrZeiten nicht gehört wurde. Nichts weiter. Ich lasse Gedanken, Gefühle, innere Bilder in mir aufsteigen, ich unterdrücke sie nicht. Sie alle haben eine Frequenz und werden gehört, wenn auch nicht immer mit dem Ohr. Ich sortiere sie nicht, lass sie einfach geschehen. Mische mich nicht ein. Nichts wird willentlich weggelassen, nichts hinzugefügt. Ich gebe mich dem Raum, mit allem, was in mir aufkeimt, wissend, dass ich gehört werde.
Ahnen zeigen sich, allein oder in Begleitung. Ich schaue, höre, erkenne, nehme an. Ich höre die Geschichte, weiß um sie, intuitiv. Sie hat einen Klang. Ich nehme sie mit meiner Stimme in Empfang, töne, summe, singe. Hörend. Nicht machend. Hörend, lauschend. Ohne Hoffnung auf Applaus und ohne Angst, es könnte sich falsch anhören. Tut es nicht. Die Gesetzmäßigkeiten des Verstandes sind hier außer Kraft gesetzt. Und dann, ein Seelentongesang. Er öffnet, weitet, harmonisiert. Wenn nach einer Weile der Klang abebbt, hat die Stille eine Chance. Ich lasse mir Zeit. Mein Organismus entspannt sich. Seine Frequenz ändert sich. Es ist vollendet. Der Zengarten ist geklärt. Bis zum nächsten Jetzt in meinem AllTag, in dem wieder ein Thema anklopft.
Wenn Du an meinem Webinar „Ahnengespräche“ teilnehmen möchtest, so findest Du die Termine auf meiner Homepage www.mensch-sein.net






Herzlichen Dank für den inspirierenden Artikel!
Das Ahnengespräch ist für mich mittlerweile weit mehr als ein Dialog – es ist die Basis meiner kreativen Arbeit. In meiner Brasilien-Saga recherchierte ich, um zuzuhören. Die Genealogie war nur das Skelett; die Seele lag in den Lücken zwischen den Jahreszahlen.
Besonders berührend: Während ich über Konflikte der Vergangenheit schrieb, brach auch im Hier und Jetzt ein Streit von fataler Tragweite auf – wie eine Spiegelung. Doch als die Vorfahren im Buch zur Heilung fanden, glätteten sich auch hier die Wogen. Seit ich die Ahn*innengeschichten fiktiv verdichtet aufschreibe, finden Themen in meiner Familie einen neuen Platz. Wir können trennen und erkennen, Dynamiken neu verstehen und uns daraus befreien.
Indem die Vorfahren erzählen, kommen sie zur Ruhe – und wir mit ihnen. Genealogische Romane zu schreiben ist für mich Heilung und Befreiung aus Mustern. Ich arbeite bereits an der Hohenlohe-Saga. Es gibt kaum eine beglückendere Arbeit.