Lehren aus diesem Winter in Portugal

Lesezeit 3 Minuten –

Aus dem newsletter aus Tamera. Dieser Winter hat ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Landschaft geschrieben. In ganz Portugal brachte eine Reihe kraftvoller Atlantikstürme extreme Regenfälle, Überschwemmungen, Erdrutsche und erhebliche Schäden an Infrastruktur und Lebensräumen. Stürme wie Kristin, Leonardo und Marta haben Gemeinschaften entwurzelt, Strom- und Verkehrsverbindungen unterbrochen, Häuser und öffentliche Gebäude beschädigt und erhebliche wirtschaftliche Verluste verursacht.

Auch hier in Tamera wurden Wege unpassierbar, Materialien weggespült und Bäume, die im weichen, wassergesättigten Boden keinen Halt mehr fanden, stürzten um oder brachen in den Stürmen, blockierten Wege und bedrohten unsere Lebensbereiche. Diese Ereignisse machen deutlich: Die Intensität hydrologischer Extreme nimmt zu – und viele Landschaften sind darauf nicht vorbereitet.

Gleichzeitig werden wir erinnert an etwas Grundlegendes: Wasserretention ist kein Luxus, sondern eine Verantwortung.

Mit großer Dankbarkeit denken wir dabei an den Permakultur-Pionier Sepp Holzer, der uns die Vision der Wasserretentionslandschaft geschenkt hat. In der Dokumentation „The Rebel Farmer Who Turned a Harsh Mountain into a Thriving Paradise“ von Zachary Weiss wird Sepps Arbeit eindrucksvoll dargestellt, und Tamera’s Wasserlandschaft ist in vielen Bildern zu sehen.

Bereits 2011 entschieden wir uns, einen weiteren großen Wasserretentionsteich  zu bauen – den „Big South Lake“, dreimal so groß wie unser Hauptsee „Lake 1“. Über die Jahre hinweg stand dieser „Big South Lake“ in der Landschaft als wichtiger Wasserspeicher. Sein Einzugsgebiet ist verhältnismäßig klein und lange Zeit wirkte er überdimensioniert, oft beinahe leer.

Dieser Winter hat unsere Perspektive verändert. Mit fast 1000 mm Niederschlag – weit über dem Durchschnitt von rund 600 mm – füllte ein einziges Starkregenereignis innerhalb weniger Tage große Teile des Beckens. Heute nähert sich der See erstmals dem Überlauf. Er hat genau das getan, wofür er gebaut wurde: Er hat Wasser gehalten, Überschüsse abgepuffert und gleichzeitig das gesamte darunter liegende Gelände geschützt – Gärten, Wege und Infrastruktur. Und mehr noch: Er speichert dieses Wasser für die kommenden trockenen Monate und gibt es langsam an das Ökosystem zurück.
Resilienz bedeutet nicht, Extreme zu verhindern – sondern zu lernen, mit ihnen zu leben.

Jetzt ist Frühling. Die Böden sind gesättigt, die Vegetation üppig, die Biodiversität spürbar lebendig. Es liegt eine besondere Qualität von Sicherheit in der Landschaft – eine Sicherheit, die entsteht, wenn Wasser genährt und gehalten wird, statt abzufließen. Oder in den Worten der Permakultur:  Verlangsamen. Verteilen. Versickern lassen.
 
Fülle ist hier keine Idee – sie ist sichtbar und hörbar, in jeder Blüte und jedem Vogelruf am Morgen.
Wir feiern diese Zeit mit Dankbarkeit – und mit einem klaren Engagement:
Die Regeneration des Wasserkreislaufs gehört zu den wirkungsvollsten Klimamaßnahmen unserer Zeit.

Was einst zu groß erschien, erweist sich heute als weitsichtig.

Unser Anliegen ist es, dieses Wissen zugänglich zu machen – für alle, die sich auf diesen Weg begeben möchten, ob am Anfang oder bereits mit Erfahrung.

Dafür haben wir zwei Lernangebote geschaffen: einen online und einen vor Ort. Beide laden dazu ein, praktische Fähigkeiten zu entwickeln und gemeinsam an einer regenerativen Zukunft zu arbeiten. Mehr dazu weiter unten.

Wir freuen uns, wenn ihr Teil dieser Bewegung werdet – einer Wasserrevolution im Dienst unseres Planeten.
 
In Verbundenheit

Silke Paulick & Silvano Rizzi
für das Ökologie-Team von Tamera
 
Mitmachen:
ONLINE – Regenwassermanagement: Klimawandel gestalten

Vor Ort: Die Retentionslandschaft (27. Juni – 4. Juli 2026)
https://www.tamera.org/learn/water-retention-landscape-of-tamera/

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Gastbeitrag
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Ein Kommentar

  1. ….Danke für diesen interessanten Beitrag……mein Partner und ich haben einige Seminare bei Sepp Holzer besucht und „Tamera“ war da immer eins der beeindruckendsten Fallbeispiele…..und es ist großartig, wie Ihr jene Umgestaltung von damals bis heute weiterführt…….Danke, daß Ihr Eurer Wissen und Eure Erfahrungen in Permakultur und Wassermanagement mehr Menschen zugänglich macht…..und die sensiblen Zusammenhänge nachvollziehbar,anschaulich….

    Herzlichst
    Dagmar

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