Ubuntu: Ich bin, weil wir sind. Aber welches Wir ist gemeint?

Ein Forscher stellt einen Korb mit süßen Früchten an einen Baum. Er sagt den Kindern: Wer zuerst dort ist, gewinnt alles. Dann gibt er das Startzeichen. Und die Kinder – sie nehmen sich an den Händen. Laufen gemeinsam los. Setzen sich gemeinsam hin und essen gemeinsam.
Als der Forscher fragt, warum, antworten sie: „Ubuntu: wie kann einer von uns glücklich sein, wenn alle anderen traurig sind?“
Ubuntu: Ich bin, weil wir sind.
Diese Geschichte berührt mich. Nicht nur wegen dem, was sie über Gemeinschaft sagt, sondern wegen der Frage, die sie in mir auslöst:
Welches Wir ist gemeint? Gibt es auch ein inneres Wir?
Das Wir nach außen: Mit anderen Menschen, mit der Welt. Das kennst du. Doch, was ist mit dem Wir nach innen? Das Wir, das du selbst bist?
Denn du bist nicht eins.
Biologisch hast du ein Alter in Jahren. Emotional hast du viele Altersstufen. All diese verschiedenen Altersstufen haben Entscheidungen getroffen. Vielfach unbewusst, manche bewusst.
In dir leben all die abgespaltenen Altersstufen, die nie gehört wurden. Der Säugling und das Baby, dessen Bedürfnisse unerfüllt blieben. Das Kleinkind und Kind, was nicht wahrgenommen, nicht gehört wurde und immer besser funktionierte, um dazu zu gehören.
Der Jugendliche, der sich angepasst hat, um dazuzugehören. Die Frau, der Mann, der/die irgendwann aufgehört hat zu fragen, was will ich wirklich. Wozu bin ich gekommen?
Zu deinem Leben gehören Kränkungen, Schocks, Krisen, Verluste und andere Herausforderungen des Lebens. Einschneidende Momente, in denen du dich von dir selbst getrennt hast.
Viele Entscheidungen wurden getroffen, vielfach unbewusst, manche bewusst. Das Ziel war dazu zu gehören. Damit war das Überleben gesichert. Viele abgespaltene Anteile entstanden in dir.
Diese abgespaltenen Teile – sie verschwinden nicht.
Sie warten. Sie tauchen auf, bevorzugt in Stresssituationen.
In Momenten, in denen du plötzlich zum Beispiel wieder fünf Jahre alt sind. Oder zwölf. Oder dreiundzwanzig.
Und du fragst dich:
Warum reagiere ich so? Das bin doch gar nicht ich. Und vielleicht ist genau das die Wahrheit. Es ist ein alter Anteil, der sich meldet. Es ist ein Teil von dir, der nie ankommen durfte. Der nie gehört und gesehen wurde. Der warten musste.
Was wäre, wenn du jeden Teil von dir nicht nur annehmen, sondern adoptieren würdest?
Nicht um ihn zu reparieren. Nicht um ihn wegzumachen. Nicht um ihn zu transformieren, sondern um ihn zu adoptieren. Mit Haut und Haaren. Ihm zu sagen:
„Ich sehe dich.
Ich höre dich.
Ich fühle dich.
Du gehörst dazu.“
Das ist keine Nettigkeit. Das ist Wahrheit. Damit kann neu entschieden werden, das Hinzufügen startet. Du hörst auf, nett zu sein. Du wirst echt. Denn die verschiedenen Anteile in dir wollen nicht besiegt werden. Sie wollen ihre Geschichten erzählen, wollen gewürdigt werden. Und allein dadurch, dass du sie sprechen lässt, dass du Ja sagst zu dem, was war, beginnt die Wandlung.
Eine Veränderung hin zu dem was möglich ist. Still. Unaufhaltsam.
Mit jedem Teil, den du annimmst und adoptierst, wächst deine Authentizität.
Du kommst zum Wir in dir und damit zum Ich bin. Nicht als Konzept, nicht als Philosophie, sondern als gelebte Wahrheit. Als ein Mensch, der sich selbst kennt. Der sich selbst nicht mehr fremd ist.
Der nicht mehr gegen sich kämpft. Ubuntu nach innen. Wie kann ich außen verbunden sein, wenn ich innen im Konflikt, Krieg bin?
Die Kinder in der Geschichte mussten nicht nachdenken. Sie wussten einfach: Einer allein kann nicht glücklich sein, wenn die anderen leiden. Was wäre, wenn du Ubuntu zuerst auf dich selbst anwendst? Was wäre, wenn kein Teil von dir zurückgelassen wird? Kein abgespaltener Anteil. Keine verdrängte Geschichte. Kein Kind, das noch wartet.
Ubuntu – nach innen. Ich bin, weil alle Teile von mir sind. Und erst dann – wirklich erst dann – kann das äußere Wir entstehen.





Liebe Marlies,
was für weise Worte! Ich lasse sie wirken Danke dafür!
Herzgruß
Dagmar
Magst Du mir bitte später mitteilen, was diese Worte in Dir bewirkt haben? Danke dafür. Mit Herzengrüßen zurück Marlies
Liebe Marlies, mit Tränen in den Augen habe ich deinen Text gelesen. So wahr. So viel Sehnsucht nach innerem Frieden.
Ja, der innere Frieden ist so wichtig. Aus meiner Sicht kann erst, wenn der innere Krieg in uns aufhört, es aufhören, dass wir ihn nach außen projizieren müssen.
liebe marlies,
wie immer grandios formuliert. DANKESCHÖN.
das Ich-Bin darf intensiv und komplex sein. Jeder anteil meines lebens hat seine ureigenste frequenz. zusammen ergibt sich das webmuster unseres DA-Seins. je mehr anteile ins wir kommen dürfen, desto bunter, freier und ekstatischer lebe ich.
oma gaby
Danke liebe Oma Gaby für Deine weisen Worte. Mein Spruch ist immer, dass zwischen schwaz und weiß noch ein ganzer Regenbogen ist. Alles Liebe Marlies
Marlies, was für ein wundervoller Text. Und sehr passend für meinen derzeitigen Prozess …
„Du kommst zum Wir in dir und damit zum Ich bin.“
Ich konnte die Essenz dessen direkt in mir fühlen, mein System ist total in Resonanz gegangen.
Danke für dein Schreiben. <3
Britta
Liebe Britta, danke für Deine wertschätzende Worte. Alles Liebe Marlies
Liebe Marlies
Danke für deine heilsamen Gedanken. 🙏🏻
Im Prinzip ist mir das vertraut und doch … ist es beim Lesen noch ein Stück friedvoller geworden in mir.
„Ubuntu nach innen“ … was für ein wunderbares Bild!
Das stiftet soviel Wohlwollen, Güte, (Selbst)Liebe.
Von Herz zu Herz 💞
Patricia
Danke liebe Patricia. Ja, wir wissen immer viel, doch, das es wirklich gefühlt mit jeder Zelle verstanden wird, braucht aus meiner Erfahrung einige Runden. Danke für Dein Sein. Fühl Dich von Herzen gegrüßt Marlies