Ein Fernseher für die Hosentasche

Hast du eine Idee, wen oder was ich damit meine? Der Fernseher in der Hosentasche, den wohl fast jeder mit sich herumträgt. Auf dem Weg in die Arbeit, beim Spaziergang im Wald und vielleicht auch in der Pause auf der Toilette.
Vor einigen Wochen durfte ich sehr über die Aussage eines lieben Bekannten schmunzeln. Ich hab’s nicht so mit diesen Fernsehern für die Hosentasche und wenn ich Fragen dazu habe, darf ich mich bei ihm melden und er hilft mir weiter. Den ersten Fernseher für die Hosentasche gab es vor etwas mehr als 6 Jahren für mich und ich wurde nie ganz warm mit ihm. Nun hatte er schon mehrfach gesagt, dass er sich zurückziehen möchte, und ich zog es hinaus und hinaus und hinaus, denn ich wollte eigentlich keinen mehr, sondern wieder ein normales Handy ohne Internet mit kleinem Display, das mich nicht ständig ablenkt.
Und dann musste ich mich entscheiden in der Flut an Fernsehern, die ich eigentlich gar nicht wollte. Er musste Outdoor-geeignet sein, lag er doch regelmäßig im Schlamm oder der Einstreu oder fiel vom ersten Stock ein paar Meter hinunter ins Erdgeschoss. Gleichzeitig, weil ich so einen Fernseher ja gar nicht will, soll er möglichst wenig kosten und eine halbwegs adäquate Kamera haben.
Also ein Projekt, viel zu groß für mich. Eine echte Herausforderung, etwas zu kaufen, das ich eigentlich gar nicht will. Wie viel Zeit und Energie ich da verbraucht habe. Und ich wusste all das und kam einfach nicht raus.
Genau das, was ich wollte
Und dann habe ich einen gefunden. Keinen Outdoor-Fernseher, sondern einen stabilen mit einer stabilen Outdoorhülle. Als er ankam, fühlte ich eine Mischung aus Freude und Abneigung und packte ihn aus, steckte ihn in die Hülle und mir blieb die Luft weg. Das Ding sollte ich ab jetzt in meiner Hosentasche, in meiner kleinen Damentasche mit rumtragen? Niemals. Er war so groß.
Ich hab es meinem Bekannten erzählt und er meinte: „Ein Fernseher in der Hosentasche“. Ich hab geschmunzelt.
Mein Wunsch ging in Erfüllung
Da stand er, auf meinem Schreibtisch, denn ja, er kann, welch Freude, selbstständig stehen, und ich schaute ihn an und in mir wurde etwas weich und ich wusste, mein Wunsch hatte sich erfüllt. Kein Handy mehr bei mir zu haben. Und das, obwohl ich noch eines besitze. Kein Handy mehr mit mir von Zimmer zu Zimmer zu tragen, denn er steht jetzt und nur wenn ich das Stockwerk verlasse, kommt er mit. Auf dem Spaziergang ist er die meiste Zeit im Flugmodus und in der kleinen Tasche, naja, da beansprucht er den halben Platz.
Vorbei mit der Sucht
Ich habe mich schon lange erfolgreich entzuckert, entschleunigt, entüberfressen, entkünstlicht, entfernseht. Das Smartphone mit seinem Suchtpotenzial, war das Einzige, das übrig geblieben ist. Ich hatte mich anfänglich so lange geweigert, da ich wusste, wie gefährlich vereinnahmend, das für mich sein kann. Denn es gab eine schlafende Sucht aus einem vergangenen Job vor 20 Jahren, wo ich nicht mit dem Smartphone, allerdings mit dem Computer, News verfolgt habe, wenn mir langweilig war, und das war es durchaus oft.
Diese Sucht hatte sich erneut massiv gezeigt, kurz bevor mein altes Smartphone um Pension angesucht hatte. Ich war in einem Konflikt. Ich will kein Neues und dennoch brauchte ich eines. Dann kam der Fernseher in der Hosentasche. Das Beste, das mir passieren konnte, um mich zu entsmartphonen.




