Eine Wertschätzung: November

Lesezeit 3 Minuten –

Mehr und mehr lerne ich den November zu schätzen. November. Nebel, Regen, Sonne, immer längere Abende. Die weniger werdenden Blätter, die so bunt an den Bäumen hängen und auf so unterschiedliche Weise herabfallen: tanzend, trudelnd, vom Wind verweht, sicher und nass einfach fallend … Manche bleiben an einer Spinnwebe hängen und winken mir freundlich zu. Andere schwingen sacht im nebligen Morgen, in den sich zwei Sonnenstrahlen wagen.

November: 

Beglückend – mit leckerem Tee und einem guten Buch oder Besuch. Dann wieder erscheinen sie mir leer und endlos. 

Beides gehört dazu und ich darf mich darin einrichten.

November:

Es kommen die Ahnen-Gedenktage, Allerheiligen und Allerseelen (1. .+ 2.11.). Wo ist der Unterschied? Sind nicht alle Seelen heilig in ihrer Essenz? Jedenfalls darf ich gleich zwei Tage lang feiern.

Ein Bild von meinen Eltern auf der Kommode, davor Kastanien (mein Vater liebte die Blütendolden, meine Mutter die Früchte). 

Jeweils ein Bild von jeder meiner Großmütter mit Kind auf dem Arm. Zeitlos und gleichzeitig  wäre ich ohne sie nicht in der Zeit.

Eine rote Grabkerze leuchtet in diesen Tagen auf meinem Balkon – die Gräber sind weit weg, doch ich denke an sie und das Licht leuchtet so schön.

Drinnen brennen Kerzen und manchmal räuchere ich auch. Gemütlich. Ja, und ein bisschen Melancholie gehört auch dazu.

Und wenn ich durch den Park oder den Wald gehe, weiß ich, dass meine Füße im übertragenen Sinne über “die Knochen der Ahnen” laufen, längst zerteilt in mikrokleine Elemente, die alle zusammen immer neu verwandelt die Erde bilden.

Ich liebe dieses Bild.

Nicht nur für den Erdboden. Sondern auch für mich selbst: All die Liebe, all die Ängste und Nöte, all der Mut und Überlebenswille meiner Ahnen – all das hat zu mir und von mir schon wieder in die nächste Generation geführt.

Was für eine Gnade. Was für ein guter Grund, uns alle zu feiern. Die Lebenden und die Toten und die, die noch kommen werden.

November:

Später im Monat ist Volkstrauertag (15.11.). 

Ja, es gibt viel zu betrauern an einem zu früh beendeten Leben, an Trauma über Generationen, an neuer Gewalt und Kriegsgeschrei und Aufrüstung heute. Doch wer, der sich je mit Krieg und Kriegsfolgen auseinandergesetzt hat, kann Krieg wollen?! 

Lasst uns aufstehen, für das Leben!

Und gerne auch am Buß-  und Bettag (18.11.) umkehren (das ist die Bedeutung von büßen), uns hinwenden zum Leben, zum Frieden, zur Erde und ihrer Schönheit, zum Respekt vor anderen und zur Würde aller Wesen.

Am Toten- oder Ewigkeitssonntag (22.11.) ist wieder Erinnerung angesagt. Erinnern an den ewigen Kreislauf des Lebens von Geburt, Leben, Sterben und Tod – all diese Würde und Schönheit.

Die Würde und Schönheit derer vor uns, von den Urgewässern und ‑bäumen vor Millionen von Jahren über uns, hier und heute, bis zu den Galaxien von entstehenden, leuchtenden und verlöschenden Sternen.

Lasst uns im November die Hymne des Lebens anstimmen, leise summend oder seufzend, laut singend bis hin zum schallenden Gelächter.

Beginnend in der Nacht zu Allerheiligen, All-Hallows-Eve – damit die guten  Geister uns nicht verlassen.

November blessings to you all 🙂

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Dorothee Kanitz
Dorothee Kanitz

Dorothee Kanitz ist Mitglied des newslichter next level Teams, Autorin, Seelfrau und Wegbegleiterin. www.meditation-spirit-ritual.de

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