Wie Herodes zum heiligen König wurde

Die "echten" Könige

Seit einigen Jahren ist unsere Familie stolzer Besitzer einer Ostheimer Krippe samt Maria, Josef und dem Christkind. Da diese handgefertigten Holzfiguren durchaus ihren Preis haben, beschlossen wir, die übrigen Figuren erst nach und nach zu kaufen. So kamen jedes Jahr mal ein Schaf, mal ein Hirte und mal ein Esel dazu. Vor drei Jahren war es soweit und auch ein heiliger König fand seinen Weg an unsere Krippe. Und immer zur Weihnachtszeit durfte er seinen Kopf vor dem heiligen Kind senken und seine Hände, so schien es uns, in Hingabe ausstrecken.

Dieses Jahr nun sollte der König nicht mehr alleine kommen und wir machten uns auf den Weg in das ausgewiesene Fachgeschäft, um die anderen beiden Heiligen zu kaufen. Da standen sie also die blaue, die rote und die grüne Figur, aber wo war unser König? Er stand ein bisschen abseits und als wir die Figur umdrehten, stand dort zu unserem Schreck:

"König" Herodes

HERODES. Wir hatten doch tatsächlich den ärgsten Feind des Jesuskindes direkt an unsere Krippe gestellt. Plötzlich war alles klar, denn Herodes hatte all die Jahre weder Gold noch Myrrhe noch sonst etwas in Händen gehalten. Seine Hände waren immer leer gewesen und nun erschien uns auch seine Kopfbedeckung, sein Bart und Gewand völlig unpassend. Aber all die Jahre war er in unserer vertrauensvollen Vorstellung ein „guter“ König gewesen und hatte sich dementsprechend anständig verhalten. Ein Beispiel für eine gelungene Resozialisierung, das uns nachdenklich machte. Hätte sich auch Herodes gewandelt, wäre er an der Krippe Zeuge, sogar Teil des Mysteriums gewesen? Möglich, doch so ganz sicher waren wir uns nicht. Und deswegen dufte Herodes dieses Jahr nur von hinten durchs Fenster in den Stall schauen. Aber vielleicht wird er nächstes Jahr wieder zum vierten heiligen König und damit zur Hoffnungsfigur für alle Herrscher und Menschen dieser Welt, die sich dem Guten zuwenden wollen. Es ist nie zu spät.

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