Besser leben ohne Geld

Besser leben ohne Geld„Eine der ersten und wichtigsten Lektionen, die mich das Leben ohne Geld lehrte, war, dem Leben zu vertrauen. Ich glaube fest daran, dass wir, wenn wir jeden Tag im Geist des Gebens leben, alles bekommen werden, wann immer wir es brauchen.“ Und Mark Boyle hat es bewiesen. Ein Jahr lang hat er ohne Geld gelebt und viel mehr bekommen, als er sich am Anfang seines Experimentes je erhofft hätte. Jetzt erscheint sein Erfahrungsbericht erstmals auf deutsch in dem Taschenbuch Der Mann ohne GeldBesser leben ohne Geld bei Goldmann.

Boyle kam zu dem Selbstversuch über die Erkenntnis, dass der Hauptgrund unserer zerstörerischen Lebensweise in der Distanziertheit zu den Dingen liegt, die wir kosumieren. Würden wir selbst anbauen, würden wir nicht ein Drittel der Lebensmittel wegwerfen. Würden wir unser Wasser selbst reinigen, würden wir es nicht zu einer Kloake machen. Würden wir sehen, wie Kinder unsere Kleidung nähen, würden wir sie wohl nicht kaufen usw.. Und Geld spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wir können damit alles kaufen, ohne uns Gedanken über die Herkunft zu machen. Und das Geldsystem mit Zinsen und Schulden hat entscheidend dazu beigetragen, dass Wettbewerb und nicht mehr Kooperation zwischen den Menschen vorherscht. Geld bietet vermeintlich Sicherheit. Sicherheit, die früher die Gemeinschaft bot.

Besser leben ohne Geld

Foto: Mark Boyle

Wie sieht ein Alltag aus, ganz ohne die Sicherheit und Annehmlichkeiten, die Geld bietet? Mark Boyle hat in einem Wohnwagen auf dem Land diesen Versuch gestartet und erzählt in seinem Buch sehr unterhaltsam und detailiert von diesem Abenteuer. Er beschreibt die Zeit der Vorbereitung, von dem Entschluss sich klare Regeln zu geben, über praktische Fertigkeiten z.B. ohne Toilettenartikel gesellschaftsfähig zu bleiben und den positiven Auswirkungen einer entschleunigten Lebensweise.

Seine Erfahrungen und das große Feedback der Menschen und Medien bestärken ihn in seiner Überzeugung, dass Geld Nähe und Hilfsbereitschaft zwischen den Menschen oft im Wege steht. Erst durch freimütiges Geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, können Nähe, stabile Bindungen, Freundschaften, eine Gemeinschaft, die füreinander da ist, entstehen.

Mich hat das Buch angeregt, mich auf vielen Ebenen noch mehr um einen Wandel meiner Konsum- und Verhaltensmuster innerhalb des kapitalistischen Weltsystems zu bemühen. Boyles Gedanke einer „Geschenkwirtschaft – Einer sozialen Bewegung, in der Güter und Dienstleisteungen regelmäßig weitergereicht werden, ohne eine expliziete Tauschvereinbarung, sondern auf der Basis zwangloser Gewohneit und der Kultur und des Geistes des Gebens“ haben es mir sehr angetan. Ich habe Respekt vor der Radikalität mit der Boyle diesen Schritt vollzieht. Ich glaube, dass es solche Vorbilder dringend braucht.

Zur Person: Mark Boyle, Gründer der weltweiten Freeconomy-Bewegung mit über 25.000 Mitgliedern, ist Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Geschäftsmann. Über sein Projekt, ein Jahr ohne Geld zu leben, wurde in den Medien in Großbritannien breitflächig berichtet. Seine Vision einer geldfreien Gesellschaft möchte er in einer Gemeinschaft verwirklichen, die sich zukünftig als Kompetenzzentrum für nachhaltige Themen entwickeln soll.

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3 Kommentare zu “Besser leben ohne Geld
  1. Avatar Redaktion sagt:

     Eine schöne Ergänzung von Anette: Wenn mich eine Frau inspiriert, dann ist es Heidemarie Schwermer. Auch
    sie hat, wie Mark Boyle, 1996 das Experiment gestartet, ein Jahr ohne
    Geld zu leben. Daraus sind mittlerweile 16 Jahre geworden. Fülle,
    Synergie, die Freude des Teilens und ein bedingungsloses Vertrauen ins
    Leben sind ihre Erfahrungen. Der Film Living without money
    (http://livingwithoutmoney.org/ ) berichtet von ihr. Auch ihr
    kostenloses Onlinebuch ist ein Geschenk an uns alle.
    http://www.heidemarieschwermer.com

  2. Avatar mabega sagt:

    Sehr interessant. Ich versuche, diesen Monat so wenig wie möglich auszugeben und hatte anfangs sogar so etwas wie Entzugserscheinungen. Jetzt habe ich meinen Blog und stelle fest, wie viel mehr mir der Austausch mit Anderen gibt… da kann die Einkaufsmeile nicht mithalten. 🙂

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