Impressionen zum Thema Tod und Sterben

Dies ist ein sehr persönlicher Bericht. Den braucht es auch, denn Sterben, Tod, die Vergänglichkeit des Körpers und alle Betrachtungen, die damit einher gehen, sind ein zutiefst privates und im Grunde intimes Thema. Ein Thema, das in unserer Gesellschaft tabuisiert ist. Über den Tod zu sprechen, noch dazu über den eigenen, ist in unseren Breiten kein Partyhit.
Doch ich bin in einem Alter, wo das Sterben des Körpers angeschaut werden will. Mit Demut. Mit Liebe. Mit Mitgefühl und Wachheit. Denn dieses Sterben wird kommen, wann auch immer – und die Hoffnung sagt: Mögen noch ein paar gute Jahre vor mir liegen.
Prägend ist für mich in diesem Zusammenhang ein Dialog zwischen Carlos Castaneda und seinem Mentor Don Juan. An einer Stelle der zahlreichen Begegnungen zwischen den beiden sagt unvermittelt der große Lehrer, Dekonstrukteur von Alltagswelten und Zauberer neuer Wirklichkeiten, Don Juan zu seinem Schüler: „Du hast nur einen Fehler.“ Carlos Castaneda war von der Kraft und Direktheit dieser Aussage sehr betroffen. Im Grunde genommen: Betroffen! So taumelte er innerlich, um schließlich zu fragen: „Welchen? Was ist mein einziger Fehler?“
Don Juan richtete seinen Blick in der ihm eigenen Art direkt auf ihn und seine Worte waren wie der Knall einer Peitsche, als er sagte: „Du denkst, du hast ewig Zeit.“

DU DENKST, DU HAST EWIG ZEIT
Denken wir das nicht alle? Wann immer unsere Gedanken den eigenen Tod umkreisen – spielt da nicht auch das Theoretische mit? Oder – noch tiefer gefragt – kann es überhaupt anders sein? Ich glaube: Nein. Wir können den Tod nicht mental vorweg nehmen. All unsere Fantasien darüber werden zerbrechen vor der Unmittelbarkeit der letzten Welle. Es wird anders sein wie gedacht. Weil das Leben immer anders ist wie gedacht!
Doch gleichzeitig können wir vorbereitet sein. Bereit sein. Wir können Vorsorge treffen für diese letzte große Reise. Für dieses Abenteuer ins Unbekannte, für das es keinen verbindlichen Wegweiser gibt. Wir mögen die Totenbücher der Tibeter oder Ägypter kennen … doch das Wissen dieser Bücher wird in den Büchern bleiben bei unserem letzten Atemzug. Und doch: Wir haben ewig Zeit! Warum? Weil das Leben ewig ist. Weil sich das Leben dem Ende so vollkommen entzieht wie der Atlantik einer einzigen Welle am Strand von Alentejo. Wird der Atlantik trauern wenn diese eine Welle bricht?

DEN TOD ANPIRSCHEN
Oft und oft habe ich den Tod angepirscht, um ihn kennenzulernen im Leben. Damit er mir etwas vertrauter ist, wenn er tatsächlich kommt. Denn er wird kommen. Und all meine Gedanken über Leben und Reinkarnation, über die Facetten der Wirklichkeit, über Erfolg und dessen Regeln, über Liebe und deren Ausdruck, über Beziehungen und deren Spielformen – all das und noch sehr viel mehr wird sich im Moment meines Todes zu einem einzigen Punkt auf der Bilanz meines Lebens verdichten.
Wie gesagt: Es wird anders sein wie gedacht. Daher übe ich mich darin, das Unbekannte zu lieben. Ich übe mich darin, dem Unbekannten tagtäglich zu begegnen, es willkommen zu heißen im Jetzt meines Alltags. So wurde das Unbekannte über die Jahre mein Vertrauter, meine Heimat, meine Wüste, meine Liebe, mein Paradies. Vielleicht heißt Sterben nichts anderes als: Mehr wahrnehmen, als wir für möglich halten?
Wenn wir den Tod anpirschen, erreichen wir eine zweite Pforte der Wahrnehmung.

DIE ZWEITE PFORTE DER WAHRNEHMUNG
Diese zweite Pforte der Wahrnehmung ist erreicht, wenn wir aus einem Traum in einen anderen erwachen. Dann begegnen wir dem Energiekörper. Dem Regenbogenfeld unserer Seele. Wir beginnen, die Erhabenheit des großen Orchesters zu ahnen und ein Geheimnis wird uns offenbart. Das Geheimnis, auf den Flügeln unserer Absicht zu fliegen. Über den Tod hinaus ins Leben.

Zur Person: Bis 2005 arbeitete Karl Gamper als Unternehmensberater. Danach veröffentlichte er als Autor verschiedene Bücher zuletzt “Erfolg ist menschlich”. Er selbst bezeichnet sich als “Wanderer in der Karawane des Lebens”, der dort Autor, da Sprecher, in einem anderen Land Unternehmer und in einer Oase Ehemann, Vater und Freund ist. Karl und Jwala Gamper leben und wirken im Claudiaschlössl im Herzen des Seendorfes Kramsach in Tirol.

www.SIGN.ag – hier bündeln sich die Arbeiten von Jwala und Karl Gamper.

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